Übersetzungssoftware

Start-up „Vidby“: Sie lassen Papst in 70 Sprachen sprechen

Das Schweizer Start-up „Vidby“ ermöglicht automatische Übersetzungen von Videos.
Management's Portrait: Oleksandr Konovalov &
Eugen von Rubinberg
Foto: Daniele Kaehr & Maya Wipf | Alexander Konovalov (links) und Eugen von Rubinberg (rechts) übersetzen seit Herbst 2021 mit „Vidby“ Videos aus aller Welt.

Papst Franziskus ist wohl eine der bekanntesten Personen der Welt und seinen Worten lauschen Menschen aus den verschiedensten Ländern und Kulturen – daran besteht kein Zweifel. Doch selbst wenn Papst Franziskus sicherlich die eine oder andere Fremdsprache in seine Reden einfließen lässt, sind bei Weitem nicht alle Menschen in der Lage, seine Botschaften ohne Übersetzung zu verstehen. Doch hochmoderne Technologie bietet hier eine Lösung: Mithilfe KI-gestützter Software ermöglicht es das Schweizer Start-up Vidby nämlich, Videos in über 70 Sprachen und 60 Dialekten schnell und verlässlich zu übersetzen. Menschen erhalten damit die Möglichkeit, eine neutrale Übersetzung der Papstreden in ihrer Muttersprache zu erhalten.

„Viele Freunde von uns sind katholisch geprägt – deswegen wollen wir möglichst viele Papst-Reden übersetzen und gerne auch interessierte Personen und Medien mit diesen beliefern“, sagt Eugen von Rubinberg gegenüber der „Tagespost“. Sein gemeinsam mit Alexander Konovalov im Herbst 2021 gegründetes, im schweizerischen Rotkreuz ansässiges Unternehmen ist gegenwärtig dabei, den Markt für Sprachdienstleistungen erheblich zu erweitern – und hat es sich auf die Fahnen geschrieben, mithilfe eines internationalen Teams von IT- und KI-Experten internationale Unternehmen, Medienhäuser, Influencer und NGOs dabei zu unterstützen, ihre Videos mithilfe von KI-Technologien einem globalen Publikum in über 70 Sprachen zugänglich zu machen. Auch die Reden des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj übersetzt das Unternehmen in verschiedenste Sprachen – und das gratis: Ein großer Teil der Entwickler des Unternehmens sind Ukrainer und arbeiten auch heute noch in dem Land. „Das ist unser kleiner patriotischer Beitrag, den wir leisten“, sagt von Rubinberg.

„Emotionen, wie sie vor allem in Komödien beziehungsweise lustigen Videos
zum Ausdruck gebracht werden, taugen nicht für KI-getriebene Übersetzungen“

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Das Geschäftsprinzip von Vidby funktioniert folgendermaßen: Mithilfe künstlicher Intelligenz legt Vidby eine Sprecherstimme über ein Video, welches beispielsweise auf Youtube zu finden ist – interessierte Kunden (egal ob Privatpersonen, Firmen oder öffentliche Einrichtungen) können den betreffenden Link einfach an das Unternehmen senden und gegen eine kleine Gebühr wird dieses dann, so wie man es von Dolmetschern gewohnt ist, anhand der Sprecherstimme verständlich. Dabei können die Kunden wählen, ob ein menschlicher Sprecher oder eine KI-Stimme die Videoübersetzung vertonen soll – auch der Abschluss eines Monatsabos für Videoübersetzungen ist laut Eugen von Rubinberg möglich: „Wir sind gewissermaßen das Google Translate im Online-Videobereich – nur besser.“

 

 

Das Schweizer Start-up positioniert sich zu einer Zeit auf dem Online-Markt, in der sich die Kommunikation immer stärker von Text- zu Videobotschaften verlagert sowie andererseits die englische Sprache als internationale „Lingua franca“ Stück für Stück an Bedeutung verliert: „Gegenwärtig verstehen rund 15 Prozent der Weltbevölkerung englisch, bis zum Jahr 2050 werden es nur noch 5 Prozent sein“, weiß Vidby-Chef von Rubinberg. Andere, für westliche Ohren nur schwer zu verstehende Sprachen wie beispielsweise chinesisches Mandarin, werden hingegen immer bedeutender werden – insofern leiste Vidby auch aus von Rubinbergs Sicht einen Beitrag, in einer immer unübersichtlicher und vielsprachiger werdenden Welt einander buchstäblich besser zu verstehen.

Nicht jedes Video wird übersetzt

Und auch der Markt für Sprachdienstleistungen im Allgemeinen vergrößert sich gegenwärtig erheblich: Dieser umfasst Übersetzungsmanagement, Textübersetzung, Schnittstellenlokalisierung, Audio- und Videotranskription und Videosynchronisation. Allein der weltweite Markt für Videotranskription beläuft sich gegenwärtig auf etwa 30 Milliarden Dollar pro Jahr, wobei das amerikanische Start-up Verbit heute nur einen Marktanteil von 0,3 Prozent bei einem Jahresumsatz von 100 Millionen US-Dollar hat.

Der Spielraum für Wachstum ist somit noch groß – dennoch werde nicht jedes Video, das Kunden gerne übersetzt haben möchten, vonseiten Vidbys auch übersetzt, betont der Chef: „Videos, die Gewalt beinhalten, sind für uns tabu.“ Aber auch Videos, die in erster Linie Emotionen anstatt gesprochene Wörter transportieren sollen, sind nichts für Vidby, sagt von Rubinberg: „Emotionen, wie sie vor allem in Komödien beziehungsweise lustigen Videos zum Ausdruck gebracht werden, taugen nicht für KI-getriebene Übersetzungen.“ Doch möglicherweise ist dieses ja lediglich eine Frage der Technik beziehungsweise der Zeit.

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