Gottvertrauen

Philipp Mickenbecker: Hoffnung im Angesicht des Todes

Der 23-jährige YouTuber Philipp Mickenbecker starb an Krebs. In den Wochen vor seinem Tod gab er Millionen Menschen über das Internet Hoffnung und erzählte von Jesus.
Philipp Mickenbecker
Foto: youtube | Philipp Mickenbecker wurde 23 Jahre alt. Er nutzte seine Lebensspanne, um zu Gott zu finden, war Abenteurer, Erfinder und YouTuber.

Ich freue mich darauf, euch in der Ewigkeit wieder zu sehen“. Es sind die letzten Worte des „Real Life Guy“ Philipp Mickenbecker, bevor der 23-Jährige wenige Stunden später, am neunten Juni 2021, an Lymphdrüsenkrebs stirbt.

Seine unzähligen YouTube-Videos mit Klicks in Millionenhöhe zeigen einen Abenteurer, einen jungen, lebensfrohen Mann, der sich beständig umringt von Freunden, in der Natur aufhält. Seine letzte Aufnahme zeigt einen Sterbenden im Klinikum Darmstadt. Das Reden fällt ihm schwer. Zwischendurch hält er die Handykamera an seinen Ärmel, wo das Blut von einer riesigen offenen Stelle zwischen seiner Brust herunter rinnt. Der Tumor hat sich dort schon seit Wochen durch seine Haut gefressen. Das Blut lässt sich nun nicht mehr stoppen. Aber sein breites, strahlendes, für Philipp so charakteristisches Lächeln, ist unverändert.

„Einblicke geben, wie das Leben mit Gott aussehen kann:
voller Zuversicht, Abenteuer und Lebensfreude –
egal in welchen Umständen!“

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„Hey Leute, ich habe meinen Frieden und vertraue auf Gott“, sagt er lächelnd in die Kamera. Das Video zieht große Kreise im Internet. Seit längerer Zeit weiß der YouTuber, dass er sterben wird. Im April gab er Stern.TV diesbezüglich ein Interview. Trotz der Diagnose der Ärzte hoffte er bis zuletzt, dass Gott ihn vielleicht doch noch heilen würde. Die Bild-Zeitung titelte in einem Artikel über Philipp: „Ärzte haben mich aufgegeben – Ich vertraue auf Jesus“. Wer ist dieser junge Mann, der anfänglich weder aufgrund seiner Erkrankung, noch wegen seinem starken Glauben zum Internet-Hit wurde?

„Wir sind sehr freiheitsliebende Menschen“, betont Philipp in einem Interview. „Wir“, das sind er und sein Zwillingsbruder Johannes. Gemeinsam mit einigen Freunden gründeten sie 2016 den erfolgreichen YouTube-Kanal „The Real Life Guys“. Eigentlich wollte das Brüderpaar lediglich einige „Do it yourself“-Tüfteleien im Internet hochladen, um Bekannte weg von Computer, Handy und Fernseher raus in die Natur zu locken. Ab 2018 flossen die Sponsorengelder durch den Bau eines Badewannen-U-Boots, das medial große Aufmerksamkeit erlangte. Dieses bauten die Brüder tatsächlich aus alten Badewannen und Sperrmüll. Dann gingen sie damit auf Tauchgang in einen See und filmten das Projekt. Das Video hat mittlerweile über vier Millionen Aufrufe.

Philipp bezeichnete sich als Agnostiker

Es folgten weitere verrückte Aktionen wie der Bau einer Achterbahn. Die „Real Life Guys“ waren 48 Stunden in dem Bauhaus Hornbach „eingesperrt“ und bauten mithilfe der Produkte, die ihnen in dem Geschäft unter die Finger kamen, eine Achterbahn mit Looping, die mitten durch die Filiale verlief.

Ein Baumhaus, eine fliegende Badewanne oder eine Rutsche aus dem obersten Stockwerk ihres Hauses, in dem die Brüder eine Wohngemeinschaft mit Freunden gründeten, folgten. Ihre Mission, junge Menschen durch das persönliche Vorbild zu Abenteuern zu motivieren und ihnen auf ihrer Homepage Tutorials und Inspiration für eigene Projekte zu geben, ging voll auf. Jesus und der Glaube spielten bei den Videos keine Rolle – noch nicht.

Ein Kampf um den Glauben

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Obwohl Philipp in einem christlichen Elternhaus aufwuchs, vier Jahre Zuhause unterrichtet wurde und dann auf christliche Schulen ging, bezeichnete er sich lange als Agnostiker. Er dachte, wenn er sich ernsthaft für den Glauben entscheide, würde sein abenteuerliches Leben ein Ende haben und Gott werde ihn einengen. Diese Haltung änderte auch seine erste Krebsdiagnose vor sechs Jahren – damals war der YouTuber 17 Jahre alt – nicht, obwohl er während der Krankheit das Gefühl hatte „von Gott getragen zu sein“. Damals wurde er dank einer Chemotherapie wieder gesund. Schnell machte sich das Gefühl breit, dass er Gott nicht brauche. Philipp las religionskritische Bücher und beschäftigte sich mit der Evolutionstheorie. In einem Interview erzählt er, er habe sogar versucht, christlichen Freunden den Glauben durch Argumente dagegen auszureden.

Vier Jahre später, mit 21, erfolgte die nächste Krebsdiagnose. Hier entschied er sich bewusst gegen Gott, wie er in einem Interview berichtete. Doch die Frage: „Was, wenn es Gott gibt?“ ließ ihm keine Ruhe. Er realisierte, dass der Tumor jederzeit wieder ausbrechen kann, dass er in Wahrheit keine Kontrolle über sein Leben hat. Er suchte Gott ganz bewusst und bat ihn um Zeichen – die er erhielt. Philipp wurde ohne Chemotherapie wieder gesund. Er ist überzeugt, Gott habe ihn geheilt. Ab diesem Zeitpunkt richtete der YouTuber sein Leben auf Gott aus. Vor einem Jahr startete er mit seinem Bruder und Freunden ein zusätzliches Internet-Projekt namens „Life Lion“. Auf diesem Kanal wollen sie „Einblicke geben, wie das Leben mit Gott aussehen kann: voller Zuversicht, Abenteuer und Lebensfreude – egal in welchen Umständen!“.

Authentische Berichte über die Beziehung zu Gott

 

Jedoch: Just in dieser Phase wachsen Philipp wieder Beulen an der Brust – der Krebs ist zurück. Der Tumor zwischen Philipps Lungen ist nun verwachsen mit Herz, Lungen und Knochen. Die Ärzte teilen dem jungen Mann mit, dass er sterben wird. Der YouTuber verzagt ob der schlimmen Nachricht nicht. Er entscheidet sich dazu, die Zeit, die ihm noch bleibt voll auszukosten und gleichzeitig Hoffnung zu verbreiten. Auf dem „Life Lion“-Kanal postet er regelmäßig Updates, in denen er über seine Krankheit informiert und wie er damit lebt und umgeht.

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Ganz authentisch berichtet er über seine Erlebnisse mit Gott während dieser Zeit und macht daraus Mini-Predigten. Philipp schreibt sogar ein Buch mit dem Titel „Meine Real Life Story - und die Sache mit Gott“. Sein Ziel: Anderen Lust zu machen, sich auf ein Abenteuer mit Jesus einzulassen – so wie er es gewagt hat.

In seinen Berichten lässt er die Schattenseiten und seine Zweifel nie aus: Er zeigt Fotos von dem durch die Haut gefressenen Tumor. Während der „Holy Spirit Night“ in Stuttgart, einem regelmäßig stattfindenden christlichen Event für junge Leute, filmt er sich, wie er auf dem Boden der Toilette sitzt und ihm aus Angst und Entmutigung die Tränen übers Gesicht rinnen. In all dem Schmerz ist sein unerschütterliches „Ich habe keine Angst, weil ich mit Gott bin“ stärker. Sein größter Wunsch: Dass sich durch ihn und seine Geschichte Menschen zu Jesus bekehren.

Philipp freute sich darauf, endlich bei Jesus zu sein

Philipp Mickenbeckers Wunsch beginnt in Erfüllung zu gehen: Am Tag seines Begräbnisses am 17. Juni lässt sich sein bester Freund Eric taufen. Anwesend sind auch die Zwillinge Lisa und Lena, die zu den bekanntesten Influencern Deutschlands gehören. Sie haben Philipp und Johannes einige Monate vor Philipps Tod kennen gelernt. In ihrer Rede erzählt Lena, dass sie sehr mit dem Glauben gehadert hat. Am Tag vor dem Begräbnis habe sie sich aber taufen lassen – als Grund nennt sie Philipp, der sie so inspiriert hätte.

Schließlich singt das in christlichen Kreisen bekannte Rapper-Duo O'Bros einen Song im Andenken an den jungen Mann. An seinem Sterbebett konnten ihm die beiden Brüder wenige Wochen zuvor das Lied noch vorsingen. Der Refrain von „Real Life“ lautet: „Dieses Leben endet / doch Du bist Ewigkeit. / Egal, was auf uns zukommt / Du bist das, was bleibt / Du bist Real Life“. Mit „Du“ ist Jesus gemeint.

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