München

Unterwegs als „Rapostel“

Die Brüder Maxi und Alex sind Rapper. Das besondere an ihnen: Ihre Texte haben einen christlichen Inhalt. Alex von den O'Bros im Gespräch über ihr neues Album, wie sie dem Hype widerstehen und wie Studium und Konzerte unter einen Hut passen.
O'Bros
Foto: – | Rechtfertigen ihre Musik nur vor Gott und ihrem Herzen: die Münchener Rapper Maxi (links) und Alex von O'Bros.

Am 22. Mai. kam euer drittes Album „Kein Hype“ raus. Was ist anders im Vergleich zu den beiden ersten Alben? Was ist der Grundgedanke hinter dem Album?

Es ist eine ganze Menge anders. Zum einen war es so, dass uns bei den anderen Alben keiner kannte, es gab keine Erwartungen. Aber in den letzten zwei Jahren hat sich extrem viel verändert. Plötzlich gibt es eine Menge Leute, die wirklich gespannt sind auf dieses Album. Deswegen ist es eine ganz andere Art von Anspruch, den man erfüllen will. Und zum anderen sind wir auf dem Album nochmal ehrlicher geworden. Wir haben viel mehr von unseren persönlichen Erfahrungen und Wunden da reingesteckt, als in den Alben davor. Außerdem dachten wir uns bei den letzten Alben danach immer: Das und das kann man noch besser machen. Natürlich gibt es immer noch Raum nach oben, aber jetzt sind wir qualitativ zufrieden.

In Eurem neuen Song „Es tut mir leid“ kommt Gott zum ersten Mal nicht so konkret vor. Was ist die Story hinter dem Song?

Die Story hinter dem Song ist sehr persönlich. Maxi und ich hatten beide unterschiedliche Geschichten vor Augen. Dieser Song war überhaupt nicht geplant, sondern ist aus einer Momentaufnahme im Studio entstanden. Wir beide hatten Situationen im Kopf, die uns gezeigt haben: Da haben wir wirklich Schuld auf uns geladen und anderen Menschen Dinge angetan – ohne es zu wollen – die diese krass verletzten. Den Song haben wir an diese Menschen gerichtet. Das Gefühl der Reue dahinter war das, was diese Geschichten miteinander verbunden hat.

Das war für uns ein sehr mutiger Schritt, weil man sich erstens sehr verletzlich macht, aber auch, weil wir wissen, dass die meisten von unseren Hörern Christen sind und deswegen erwarten, dass es in jedem Song um Jesus geht. Wir dachten uns schon, dass es wahrscheinlich Leute geben wird, die das erst mal nicht verstehen werden. Aber wir gehen unsere Wege und das einzige, wovor wir uns rechtfertigen müssen, ist unser Herz und Gott.

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Geht es auch darum, dass ihr mehr nicht-christliche Hörer erreichen wollt?

Ja voll. Durch die neue Reichweite sind plötzlich ganz andere Türen offen. Vor zwei Jahren waren es wirklich nur Christen, die uns zugehört haben. Mittlerweile wissen wir, dass die großen Medienanstalten uns auf dem Zettel haben. Es gibt eine Menge Leute, die nicht an Gott glauben, uns aber beobachten und unsere Songs hören. Wir haben gesehen, dass es wirklich eine Möglichkeit ist, den Leuten nochmal die Basics zu erklären und nicht alles so theologisch zu verpacken, sondern auch von der Sprache her zu vereinfachen, aber ohne die Botschaft von Jesus zu verwässern. Und das ist die Kunst: Wie kann man das Evangelium in moderner Sprache kommunizieren ohne das Bekenntnis zu verwässern? Das versuchen wir gerade hinzukriegen.

Du hast schon gesagt, dass ihr immer bekannter werdet. Vor allem weil ihr 2018 den SPH-Bandcontest gewonnen habt: Wie geht ihr denn mit dem „Fame“ um?

Ich mag das Wort „Fame“ nicht. Aber ich sag mal, „Reichweite“ hat immer Vor- und Nachteile: Es ist ein Privileg, dass die Leute uns kennen und wir genießen das auf eine gesunde Art. Aber auf der anderen Seite ist es auch eine krasse Verantwortung. Der Punkt ist also eher: Wie gehe ich mit Macht auf eine gesunde Art und Weise um? Das ist etwas, das einem heutzutage nirgendwo mehr beigebracht wird. Wie schaffe ich es, als Vorbild zu leben, ohne mich selbst zu verraten? Dass uns Leute zujubeln oder uns als Idole sehen, ist für uns eher ein Nebenprodukt, das wir aber auch nutzen wollen. Es gibt ja auch eine Menge Christen, die fast schon Angst davor haben, in diese öffentliche Rolle gerückt zu werden. Und wir sehen das eher so: Lieber sind wir Vorbilder von jungen Menschen, als die meisten anderen Rapper, die sie sonst hätten. Jugendliche haben immer Vorbilder. Und deswegen nehmen wir diese Rolle auch an.

Was habt ihr denn noch für Visionen für die Zukunft?

Dafür reicht dieses Interview nicht. (Lacht) Also Gott hat auf jeden Fall eine Menge vor und wir sind Jungs, die immer dabei sind. (Lacht) Eine ganz große Sache ist für uns, dass wir dieses Jahr – so Gott will – unsere erste eigene Deutschlandtour machen werden. Die war eigentlich für den Sommer geplant, aber wir sind gerade dabei sie auf Ende des Jahres zu verschieben.

Dass eine christliche Band so eine Tour macht, hat in Deutschland noch nicht so oft in dem Rahmen stattgefunden. Wir wollen ein Vorbild darin sein, aus dieser musikalischen christlichen Komfortzone herauszukommen und große Visionen zu entwickeln.

 

Nochmal zurück zu dem Album: Habt ihr einen persönlichen Lieblingssong?

Sowohl Maxi als auch ich mögen die Songs „Verloren im Licht“ und „Es tut mir leid“ sehr. Aber unser Lieblingssong ist „Shitstorm“. Es handelt von dem, was jeder in seinem Leben kennt, wenn man mal Gegenwind hat. Und das ist ein Versprechen: Immer, wenn du etwas in Gottes Auftrag tust, wirst du Gegenwind bekommen und es wird Leute geben, die dich davon abhalten wollen. Das haben wir natürlich auch viel erlebt: Wir bekommen viel Gegenwind – sowohl von Nicht-Christen, als auch von Christen. Dieser Song ist also sehr persönlich: Er erzählt eine Reise und ist gleichzeitig eine Anleitung dafür, wie man mit negativer Kritik umgeht. Wir haben da selbst in den letzten Jahren sehr viel lernen dürfen. Es war echt ein Vorrecht für uns, dass wir Dinge, die wir gelernt haben, in den Songtext reinstecken und den Leuten mitgeben können.

Es gibt ein, zwei Stellen in dem Song, bei denen ich während dem Schreiben echt angefangen habe zu weinen. Weil wir einfach die Worte Jesu aus der Bergpredigt genommen und eins zu eins übertragen haben. Und das hat mich selbst sehr berührt.

Was war denn eure prägendste Erfahrung als christliche Rapper bisher?

Da könnten wir wahrscheinlich ein ganzes Buch füllen. Aber das Erste, woran ich denken muss, war der SPH-Bandcontest. Vor allem das Finale, als wir dort waren und von den Fans der anderen Bands sehr viel direkten Hass gespürt haben. Unsere Fans wurden zum Teil beleidigt und bespuckt. Als wir auf die Bühne kamen, waren alle Mittelfinger von diesen Leuten oben. Das war eine Erfahrung, die sich voll eingebrannt hat. Es macht nämlich einen Unterschied, ob du Internetkommentare liest oder ob dir jemand direkt gegenübersteht und du wirklich Angst haben musst um dein körperliches Wohlbefinden. Aber dass wir dann trotzdem an dem Tag den Contest gewonnen haben und dass wir trotz allem auf der Bühne Jesus so bezeugen konnten, dass es keiner missverstehen kann, war einfach mehr als außergewöhnlich.

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Wie bringt ihr das eigentlich alles unter einen Hut mit Uni, Musik und Konzerten?

Ich glaube, man kann eigentlich fast alles schaffen, wenn man einen guten Grund dafür hat und sich seine Ziele richtig setzt. Es gab auch eine Zeit, wo wir ständig nur gearbeitet haben. In den letzten Jahren haben wir aber gemerkt, dass wir bald ausbrennen, wenn wir so weitermachen. Aber wir wollen einen nachhaltigen Dienst prägen. Wir haben gemerkt, dass wir mehr auf uns achten müssen und haben etabliert, dass wir einmal die Woche einen Sabbat halten, an dem wir wirklich frei von Arbeit sind. Was ich außerdem total wichtig finde ist, sich echt jeden Morgen Zeit zu nehmen, um durchzuatmen, seine Bibel zu lesen, seinen Blick auf Jesus zu richten – immer wieder. Diese Thematik haben wir ganz viel im Album verpackt: Dass wir eigentlich nicht geschaffen sind, um nur zu machen, sondern, um zu sein.

Hintergrund

Die Brüder Maxi (24) und Alex (23) – genannt O'Bros – aus München füllen die Lücke von christlichem Rap in Deutschland. Ihre Stilrichtung  nennen sie „Worshiphop“. Seit die beiden den SPH-Bandcontest 2018 – einer der größten Musikwettbewerbe für Nachwuchskünstler in Europa – gewonnen haben, treten die jungen Rapper immer öfter bei Festivals, Konzerten oder Gottesdiensten auf – mit bis zu 6 000 Zuschauern.
Maxi lebt in Tübingen und studiert Zahnmedizin. Alex studiert BWL in München. Die Vision der beiden ist, junge Christen zu ermutigen, zu ihrem Glauben zu stehen und ihn authentisch zu leben, statt sich dafür zu schämen. Am 22. Mai kam das dritte Album „Kein Hype“ der beiden Brüder raus.

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