Berlin

Humboldt-Forum will Inschrift auf Berliner Schlosskuppel abwandeln

„Universalanspruch des Christentums“? Der aus mehreren Bibelversen bestehenden Inschrift soll „eine dauerhafte, positive und zeitgemäße Aussage“ entgegensetzt werden.
Diskussion um Inschrift an Humboldt-Forum
Foto: Fabian Sommer (dpa) | Mehr als das Kreuz an sich stört manchen jedoch die Inschrift am Kuppelgesims. Es handelt sich um ein historisches Zitat, gold auf preußischblauem Grund, das der preußische König Friedrich Wilhelm IV.

Das Berliner Humboldt-Forum will „nach anhaltenden Diskussionen“ die Inschrift um die Kuppel des Berliner Schlosses „künstlerisch abwandeln“. Am Donnerstagabend kündigte Humboldt-Forum-Generalintendant Hartmut Dorgerloh an, den Versuch zu unternehmen, „vielleicht auch neue Antworten zu formulieren“. Es sollen Ideen entwickelt werden, „wie wir mit etwas umgehen, was bis heute nicht befriedigt und nicht befriedet“. Die „künstlerische“ Bearbeitung des Spruchbandes soll durch die Initiative „Leuchtturm Berlin“ geschehen.

Auszüge aus Grundgesetz als Laufschrift vor dem Bibelspruch

Die Initiatoren Sven Lochmann und Konrad Miller wollen der Inschrift „eine dauerhafte, positive und zeitgemäße Aussage entgegensetzen“. Diese soll nach bisherigen Entwürfen ein Netz von Leuchtdioden, das vor das weiter sichtbare Spruchband montiert wird. Bei Einbruch der Dunkelheit sollen Auszüge aus Grundgesetz und Menschenrechtserklärung als Laufschrift vor dem Bibelspruch zu lesen sein.

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Als Ende Mai 2020 das Kreuz auf die Kuppel montiert wurde, gab es bereits Kritik, etwa durch Kultursenator Klaus Lederer (Die Linke): „Kreuz und Inschrift auf der Kuppel sind eine ‚Überschrift‘ über dem Humboldt Forum, die ich als falsches Signal empfinde“. Dennoch setzten sich die Befürworter durch, zu denen nicht nur die damalige Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU), die das Kreuz als „Symbol für das Christentum, für Nächstenliebe, Freiheit, Weltoffenheit und Toleranz“ ansah, sondern etwa auch Aiman Mazyek, der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland („Das Kreuz auf der Kuppel gehört als kulturelles und historisches Erbe dazu“) zählte.

Kritiker sprechen von "christlichem Unterwerfungsanspruch"

Mehr als das Kreuz an sich stört manchen jedoch die Inschrift am Kuppelgesims. Es handelt sich um ein historisches Zitat, gold auf preußischblauem Grund, das der preußische König Friedrich Wilhelm IV. selbst aus mehreren Bibelversen zusammensetzte: „Es ist in keinem andern Heil, ist auch kein anderer Name den Menschen gegeben, denn in dem Namen Jesu, zur Ehre Gottes des Vaters. Dass in dem Namen Jesu sich beugen sollen aller derer Knie, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind.“

Das wird als „Universalanspruch des Christentums“, gar als „christlicher Unterwerfungsanspruch“ angesehen. Kritiker weisen darauf hin, dass „mit der nachträglich aufgesetzten Kuppel, Kreuz und Bibelspruch die Hohenzollern während der Revolution 1848 den Herrschaftsanspruch der Monarchie gegen demokratische Bestrebungen“ hätten unterstreichen wollen.

Ein kultureller Bruch

Wilhelm von Boddien vom „Förderverein Berliner Schloss“, der mehr als 100 Millionen Euro an Spenden für die rekonstruierte Barockfassade gesammelt hat, nannte die Pläne, die Inschrift abändern zu wollen, „einen kulturellen Bruch, wie wir ihn in unserer Geschichte noch nie hatten – die Herrschaft der Säkularisierung über unsere 2000 Jahre alten Wurzeln im Christentum“.

Wie das in die Tat umgesetzt werden soll, verdeutlicht eine Tafel, die inzwischen neben der Kuppel auf der Dachterrasse des 40 000 Quadratmeter umfassenden Gebäudes, das sich zwei Museen der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, das Land Berlin, die Humboldt-Universität und die Stiftung Humboldt Forum teilen, und in dem Exponate aus Asien, Afrika, Amerika und Ozeanien sowie Objekte zur Geschichte Berlins gezeigt werden, geplant ist. Dort soll die Inschrift angebracht werden: „Alle Institutionen im Humboldt Forum distanzieren sich ausdrücklich von dem Allgemeingültigkeits- und Herrschaftsanspruch des Christentums.“  DT/jg

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