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Seewald hält Benedikt-Dokumentation für „unseriös“

Parteiisch, voreingenommen, manipulativ: Im Gespräch mit der Tagespost kritisiert der Ratzinger-Kenner Peter Seewald den Dokumentarfilm „Verteidiger des Glaubens“.
Seewald zu Film über Papst Benedikt XVI.
Foto: Michael Kappeler (dpa) | Das Werk des deutsch-britischen Regisseurs Christoph Röhl sei unseriös, so der Publizist Peter Seewald, „weil er extrem unsauber arbeitet, und unkritisch, weil er nur die üblichen Klischees ausbreitet.

Der Publizist Peter Seewald übt deutliche Kritik am Film „Verteidiger des Glaubens“. Die Dokumentation über den emeritierten Papst Benedikt XVI. disqualifiziere sich durch ihre manipulative, die Wahrheit verfälschende Machart, so Seewald im Gespräch mit der "Tagespost": „Jeder, der nur ein wenig Ahnung von der Person und vom Werk Ratzingers hat, kann nur den Kopf schütteln. Der Film ist als Diskussionsbeitrag nicht ernst zu nehmen.“ Er versammele wie bei einem Tribunal über einen afrikanischen Diktator oder einen Kriegsverbrecher ausschließlich Ankläger, die ihr Urteil sprechen. „Alles, was nicht ins Bild passt, wird ausgeblendet.“

Film blendet positiven Seiten des emeritierten Papstes aus

Als weiteren Kritikpunkt führt der Benedikt-Biograph Seewald an, dass es in dem Film keine positiven Seiten des Papstes und keine klugen Zitate gebe, „für die er eigentlich berühmt ist, keinen Hinweis auf seine Theologie, die Vernunft und Glauben versöhnen will; keinen Hinweis auf seine Beiträge zur Ökumene, zur Aussöhnung mit dem Judentum, zum interreligiösen Dialog. Oder auf seine Leistung an der Seite des Jahrtausendpapstes Johannes Paul II“.

Um die krude These vom gescheiterten Papst durchzuhalten, der im Grunde für den ganzen Missbrauch und damit für die Krise der katholischen Kirche verantwortlich sei, werde dezidiert verschwiegen, dass Ratzinger bereits als Präfekt die entscheidenden Weichen für den Kampf gegen den Missbrauch gestellt habe und die Null-Toleranz-Politik gegenüber kirchlichen Missbrauchstätern auch als Papst konsequent fortgeführt und rund 400 Geistliche suspendiert habe.

"Er ist parteiisch, er ist voreingenommen,
er ist manipulativ. Er will nur eines: Er will vernichten“
Peter Seewald, Benedikt-Biograph

Das Werk des deutsch-britischen Regisseurs Christoph Röhl sei unseriös, so der Publizist weiter, „weil er extrem unsauber arbeitet, und unkritisch, weil er nur die üblichen Klischees ausbreitet. Er ist parteiisch, er ist voreingenommen, er ist manipulativ. Er will nur eines: Er will vernichten“. Dafür werde die Wahrheit gebogen, „dass es nur so qualmt“. Statt eines differenzierten, die Nuancen auslotenden Bildnisses komme nur ein Zerrbild zustande, „eine Karikatur des Protagonisten und eine geschichtsfälschende Darstellung der Wirklichkeit“.

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Der Film ziele aber nicht nur auf Benedikt XVI., sondern auf die katholische Kirche insgesamt: „Dem Regisseur und seinen Mitstreitern geht es ganz offensichtlich darum, Benedikt XVI. den Gnadenschuss zu geben“, meint Seewald. Aber es werde nicht nur der Papst, sondern der tradierte katholische Glaube vorgeführt, „und zwar in einem von Ahnungslosigkeit geprägten Agit-Prop-Stil, wie man ihn aus den 80er Jahren kennt“. So heißt es beispielsweise gleich zu Beginn des Streifens: „Der Katholizismus zielt darauf ab, die Gedanken der Menschen zu kontrollieren“. Mit einer substantiellen und auch ethisch anständigen Dokumentation habe der Film nichts zu tun. Röhl sei ein Überzeugungstäter, so Seewald, der bereit sei, „für seine ideologische Mission sämtliche journalistischen Standards über Bord zu werfen“.

Regisseur Röhl bekennender Atheist

Bekannt wurde der Röhl mit einer Dokumentation über die Missbrauchsfälle an der Odenwaldschule (2011). Im 90-minütigen Film „Verteidiger des Glaubens“ versammelt der Regisseur, der sich als Atheist bezeichnet und daraus „keinen Hehl“ macht, so gut wie nur Interviewpartner, die von Benedikt enttäuscht sind – daher die Schlussfolgerung des Films, Ratzinger sei gescheitert. Dass Erzbischof Georg Gänsweinund Charles Scicluna, Ratzingers Mitarbeiter in der vatikanischen Glaubenskongregation und seit 2015 Erzbischof von Malta, ebenfalls zu Wort kommen, mutet eher als Feigenblatt an. Darüber hinaus werden Gänsweins Aussagen ins Lächerliche gezogen oder einfach mitten im Satz abgeschnitten. Der Film startet diese Woche im Kino.

DT/jg

Warum „Verteidiger des Glaubens“ nicht ernst genommen werden kann und ein Angriff auf den emeritierten Papst und die gesamte katholische Kirche ist: Lesen Sie das komplette Interview in der kommenden Ausgabe der „Tagespost“.

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Redaktion Benedikt XVI. Erzbischöfe Johannes Paul II. Katholische Kirche Peter Seewald Päpste

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