Science-Fiction

Serie „Infiltration“: Die Außerirdischen sind schon da

Die zehnteilige Apple TV+-Serie „Infiltration“ erzählt von einer Invasion der Erde durch Außerirdische aus der Sicht einiger Menschen aus vier Kontinenten.
Filmszene aus der Serie „Infiltration“
Foto: Apple TV+

Der Streamingdienst Apple TV+ scheint sich unter anderem auf das Endzeitgenre spezialisiert zu haben: Nach der auf Isaac Asimovs Romanen basierenden, in einer weit entfernten Zukunft angesiedelten Serie „Foundation“ und dem postapokalyptischen Film „Finch“ bietet Apple TV+ nun auch Science-Fiction sozusagen in klassischem Gewand: „Infiltration“ erzählt von einer Invasion – so auch der Originaltitel – Außerirdischer, die in der Jetztzeit stattfindet.

„Die anscheinend koordinierten Angriffe an ganz unterschiedlichen Stellen der Erde l
assen zunächst an einen Terrorakt denken,
so heißt es etwa in den Radio- und Fernsehnachrichten –
sofern sie noch zu empfangen sind“

Die visuell überzeugende Serie mit dem bemerkenswerten Budget von dem Vernehmen nach 200 Millionen Dollar wurde entsprechend dem Handlungsorten der zunächst fünf Erzählsträngen auf vier Kontinenten gedreht. Die ersten Folgen erzählen von unerklärlichen Ereignissen aus der Sicht der Protagonisten dieser fünf Handlungsstränge:

In einem kleinen Ort in Oklahoma bricht der letzte Arbeitstag für Sheriff John Bell Tyson (Sam Neill) an, an dessen Auto-Rückspiegel ein Rosenkranz hängt. Der Sheriff leidet darunter, dass der erhoffte „große Tag“ in seiner Karriere nie gekommen ist. Aber plötzlich ahnt er, dass „etwas Großes“ im Gange ist. In Long Island, New York lebt eine syrische Familie: Aneesha Malik (Golshifteh Farahani) erfährt plötzlich, dass ihr Mann Ahmed (Firas Nassar) sie betrügt. Sie will sich vornehmlich um ihre zwei Kinder Luke und Sarah kümmern.

In Tokio arbeitet die junge Programmiererin Mitsuki Yamato (Shiori Kutsuna) für die japanische Raumfahrtbehörde JASA. Ihre lesbische Beziehung zu Hinata (Rinko Kikuchi), der Kommandantin der gerade gestarteten Raumfahrtmission zur Internationalen Raumstation, bleibt vorerst ihr Geheimnis – damit erfüllt Apple TV+ offenbar die Quote für „nicht heterosexuelle“ Figuren, die in letzter Zeit immer mehr durchgedrückt wird.

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Das Verbindende: eine emotionale Ausnahmesituation

Europa ist in der „Infiltration“-Serie durch englische Schüler vertreten, unter denen der an Epilepsie leidende Caspar Morrow (Billy Barratt) herausragt, der von einigen Mitschülern gemobbt wird. Schließlich Afghanistan: US-Soldat Trevante Ward (Shamier Anderson) überlebt als Einziger einen seltsamen Angriff. Sein ganzes Bestreben: Irgendwie sich durchschlagen, um nach Hause zurückzukehren.

Allen Hauptfiguren gemeinsam ist die emotionale Ausnahmesituation, in der sie sich jeweils befinden. Die Serienentwickler Simon Kinberg und David Weil konzentrieren sich auf diese Ebene. Vorerst bleiben die „Aliens“ eine unsichtbare Bedrohung. Hier und da sieht man ein Schemen schnell über den Bildschirm laufen; erst in der sechsten beziehungsweise siebten Folge bekommt der Zuschauer sie richtig zu Gesicht. Es beginnt damit, dass sich überall auf der Welt ganz merkwürdige Dinge ereignen. Die anscheinend koordinierten Angriffe an ganz unterschiedlichen Stellen der Erde lassen zunächst an einen Terrorakt denken, so heißt es etwa in den Radio- und Fernsehnachrichten – sofern sie noch zu empfangen sind. Irgendwann einmal sind nicht nur aufgerissene Straßen oder ein Stromausfall, sondern etwa auch verunstaltete Leichen zu sehen. Was der Zuschauer von vorne herein weiß, wird für die Figuren in der Serie erst in der fünften Folge zur Gewissheit, als die Präsidentin der Vereinigten Staaten eine dringende globale Ansprache hält, in der sie der Welt reinen Wein schenkt, und mit dem eindringliche Apell endet: „Die menschliche Rasse, wir sind eine Familie.“

Wie so oft ist der deutsche Titel nicht nachvollziehbar

In den chaotischen Zuständen, die mit der Evakuierung ganzer Großstädte ausbrechen, müssen sich die Protagonisten der verschiedenen Handlungsstränge bewähren. Dramaturgisch bedeutet dies, dass die Serie in einem eher bedächtigen Erzählrhythmus immer wieder von einem Handlungsort zum nächsten hin- und herspringt. Allerdings: Es bleiben nur vier Handlungsstränge – einer von ihnen verschwindet nach der ersten Folge.

Warum die Serie, die im Originaltitel „Invasion“ heißt, ins Deutsche mit „Infiltration“ übersetzt wurde, ist nicht nachvollziehbar. Der Titel würde eher zu dem Roman „Seelen“ („The Host“, 2008) von Stephenie Meyer und deren gleichnamiger Verfilmung von Andrew Niccol (2013) passen. Hier haben Außerirdische die Erde dadurch besetzt, dass sie menschliche Körper infiltrieren, und dadurch die Seelen der Menschen verdrängen.

Die Serie zeigt sorgfältige Charakterzeichnungen

In der Apple TV+-Serie von Simon Kinberg und David Weil geht es allerdings nicht nur um eine Invasion der Erde durch Aliens. Invasion findet hier in verschiedenen Zusammenhängen statt. So sagt ein afghanischer Familienvater zum US-Soldaten Trevante Ward: „Meine Kinder haben schon immer unter Invasion gelebt“ – als sie geboren wurden, waren bereits Nato-Truppen in Afghanistan stationiert. Aber als „Invasion“ können außerdem auch die Schikanen der Schulkinder im englischen Handlungsstrang oder auch das Eindringen einer Fremden in die Familie von Aneesha und Ahmed Malik verstanden werden.

Mit einer sorgfältigen Charakterzeichnung stellt „Infiltration“ die emotionalen Zustände der Figuren in der Ausnahmesituation des Chaos durch die Alien-Invasion in den Mittelpunkt.


„Infiltration“. USA 2021. Serienentwickler: Simon Kinberg, David Weil,
zehnteilige Serie mit insgesamt ca. 500 Min. Auf Apple TV

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