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Ist Apple TV+ ein Hit oder ein Flop?

Es wirkt sehr schwierig: Der Streamingdienst setzt auf Qualität vor Quantität – und wird von der Konkurrenz abgehängt.
Apple bringt seine TV-App nach Deutschland
Foto: Mark Lennihan (AP) | Apple setzt bei seinem Streamingdienst auf Klasse statt Masse. Das wirkt, rein nach den Abonnementzahlen betrachtet, nicht besonders erfolgreich. Aber will oder benötigt Apple einen solchen Erfolg?

Science-Fiction-Fans können aufatmen: Denn bereits nach der Ausstrahlung von vier der insgesamt zehn Episoden der Auftaktstaffel von „Foundation“ kündigte der Streamingdienst Apple TV+ an, dass die auf der gleichnamigen Romanreihe von Isaac Asimov basierende und von der Kritik viel gelobte Science-Fiction-Serie eine zweite Staffel erhalten soll.

Die hochkomplexe Geschichte, bei der sich Asimov von Edward Gibbons berühmten Geschichtswerk „Verfall und Untergang des römischen Imperiums“ inspirieren ließ und die sich in der Romanvorlage auf mehrere Jahrtausende erstreckt, handelt von dem prophezeiten Niedergang eines galaktischen Imperiums. Der Überbringer der schlechten Nachricht ist im Falle von „Foundation“ der Mathematiker Hari Seldon (Jared Harris, bekannt aus „Mad Men“ und „Chernobyl“), der mithilfe der fiktiven Wissenschaftsmethode der sogenannten Psychohistorik die Zukunft voraussagen kann. Aufgrund dieser Methode prophezeit er den Zusammenbruch des in der Serie existierenden Imperiums und setzt große Pläne in Bewegung, um einerseits das gesammelte Wissen der Menschheit zu konservieren, den Niedergang des Imperiums so kurz wie möglich zu halten sowie andererseits den Anfang eines neuen Imperiums in die Wege zu leiten – was jedoch ihn und seine Schülerin Gaal Dornick (Lou Llobell), wie häufig bei Überbringern schlechter Nachrichten, großen Gefahren aussetzt.

„Hinzu kommt, dass das, was immerhin beim Streamingdienst angeboten wird,
zwar von der Kritik, meist jedoch nicht von einem Massenpublikum wirklich goutiert wird“
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Nach dem Publikums- und Kritikererfolg der Comedy-Serie „Ted Lasso“ in diesem Jahr ist der Erfolg von „Foundation“ eine weitere dringend benötigte gute Nachricht für Apple TV+. Denn mit Blick auf die Kundenzahlen hinkt der am 1. November 2019 gestartete Streamingdienst, dessen Abopreis pro Monat mit 4,99 Euro vergleichsweise günstig ist, der Konkurrenz meilenweit hinterher: In Verhandlungen mit der Filmtechnikergewerkschaft „International Alliance of Theatrical Stage Employees“ legte Apple vor kurzem offen, dass in den USA und Kanada zusammengerechnet weniger als 20 Millionen Kunden zusammenkommen – sehr viel weniger als bei Platzhirsch Netflix, der in den USA auf 75 Millionen Kunden kommt. Auch Streamingdienste wie HBO Max und Hulu (beide haben jeweils 40 Millionen Kunden) liegen vor dem Streamingangebot des Tech-Konzerns - ganz zu schweigen vom beinahe zeitgleich mit Apple TV+ gestarteten Disney+, das mittlerweile Netflix dicht auf den Fersen ist.

Gerade der Vergleich mit dem ebenfalls vor zwei Jahren gestarteten Disney-Streamingdienst zeigt auf, welche unterschiedlichen Ansätze beide Streamingdienste bezüglich des Konzeptes verfolgen: Während Disney sich neben Eigenproduktionen vor allem auf sein Archiv sowie die Strahlkraft der von ihm gekauften Marken „Marvel“, „Star Wars“, „Pixar“ und des Fernseh- und Filmstudios Fox setzt, konzentriert sich Apple voll und ganz auf Eigenproduktionen und gelegentliche Einkäufe von Filmen, die aufgrund der Corona-Pandemie nicht in den Kinos laufen konnten. Die Folge: Ausgerechnet während der Pandemie konnte Disney+ mit einem äußerst großen Output an (neueren und älteren) Film- und Serieninhalten punkten, der sich zudem an die ganze Familie richtete – Apple TV+ sowie dessen zahlende Kunden mussten sich hingegen aufgrund des „Klasse statt Masse“-Konzepts mit weit weniger neu produzierten Inhalten zufrieden geben. Hinzu kommt, dass das, was immerhin beim Streamingdienst angeboten wird, zwar von der Kritik, meist jedoch nicht von einem Massenpublikum wirklich goutiert wird.

Spielberg, Scorsese und Coppola liefern Inhalte

Ohne Zweifel haben Formate wie „Ted Lasso“, „The Morning Show“, „For All Mankind“ oder auch jüngst „Foundation“ ihre Fans und konnten auch schon einige Preise gewinnen. Doch ein ganz großer Hit wie „The Mandalorian“, „Game of Thrones“ oder „Stranger Things“ ist bei Apple TV+ noch Mangelware – trotz eines Budgets von bis zu sechs Milliarden US-Dollar, das Apple in den kommenden Jahren in die Inhalte seines Streamingdienstes investieren will und großer Regisseurinnen und Regisseure wie Steven Spielberg („E.T.“, „Schindlers Liste“), Martin Scorsese („Taxi Driver“, „Goodfellas“), M. Night Shyamalan („The Sixth Sense“, „Signs“) und Sofia Coppola (Lost in Translation“, „Marie Antoinette“) sowie prominenter Schauspielerinnen und Schauspieler wie Jennifer Aniston („Friends“), Reese Witherspoon („Walk the Line“), Nicole Kidman („The Hours“) oder Jason Momoa („Aquaman“), die verpflichtet werden konnten.

Weiterhin verwundert es Medienexperten, dass es im Vergleich zu anderen Streamingdiensten teilweise schwierig sei, den Dienst zu abonnieren: So stehen beispielsweise nur begrenzte Bezahloptionen zur Verfügung. Zudem ist die obligatorisch benötigte Apple-TV+-App auf manchen Android-TV-Geräten nicht immer direkt zu finden.

Doch hinter Apples „Klasse statt Masse“-Konzept könnte sogar ein bewusstes Kalkül stecken – und möglicherweise ist es dem Tech-Unternehmen gar nicht wichtig, die 20-Millionen-Kundenmarke bei Apple TV+ zu überschreiten. Denn ausgerechnet bei über 20 Millionen Kunden – auch dies ergaben die Gespräche mit der Filmtechnikergewerkschaft – müsste der Streamingdienst seine Mitarbeiter besser bezahlen. So erscheint das gesamte Streamingdienst-Vorhaben des Tech-Konzerns in einem anderen Licht: Apple betreibt diesen nicht, weil er es muss, sondern weil er es kann. Und: Den Kampf um die Streaming-Krone überlässt man freiwillig Netflix und Disney, da der Imagegewinn durch hochwertige Inhalte, große Namen und gewonnene Preise dem Konzern schon vollkommen ausreicht.

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