Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Ampelkoalition

Wie aus der Regierung eine „Drehampel“ wurde

Der Publizist Holger Fuß wundert und freut sich über die „politischen Kehrtwendungen“, welche die Ampel-Koalition als Reaktion auf Putins Krieg in der Ukraine vollzieht.
Grüner Pfeil wird entfernt
Foto: Jan Woitas (dpa-Zentralbild) | Ein Grüner Pfeil hängt neben einer roten Ampel an der Kreuzung Adenauerallee/Rohrteichstraße und erlaubt das Abbiegen trotz Rotlicht.

Auf einmal will die Regierung doch Waffen an die Ukraine liefern – nachdem sie dies wochenlang verweigert hatte. Auf einmal soll die Bundeswehr bis zur Einsatzfähigkeit ausgerüstet werden – nachdem die deutsche Armee über Jahre hinweg heruntergewirtschaftet wurde.“ Fuß weiter: „Nach nur 81 Tagen Scholz-Regierung erhielt der Koalitionsvertrag der Ampel-Parteien gleichsam einen neuen Titel: Aus ,Mehr Fortschritt wagen‘ wurde ,Mehr Drehampel wagen‘.

Lesen Sie auch:

Handstreich zur Aufrüstung 

Gleichsam im Handstreich wandeln sich Abrüstungsparteien zu Aufrüstungsparteien. Die liberale Anti-Schuldenpartei nimmt gigantische Schattenhaushalte in Kauf. Und bei den Grünen fallen die Tabus gegenüber bislang abgelehnten Energieformen – Laufzeitverlängerungen bei Kohle und Atom sind nicht mehr für ausgeschlossen. Wirtschaftsminister Robert Habeck hält Versorgungssicherheit ,im Zweifel‘ für wichtiger als Klimaschutz. Seit der Kremlherrscher mit Atomwaffen droht, kümmert sich kaum jemand mehr um Corona-Zahlen und auch Annalena Baerbocks ,feministische Außenpolitik‘ droht in den Hintergrund zu geraten.“

Strippenziehen will gelernt sein

Kehrtwende heißt jedoch nicht unbedingt Kompetenzgewinn. Skeptisch urteilt Fuß: „Außenministerin Baerbock ist mit der Trickkiste des internationalen Strippenziehens heillos überfordert. Es mag menschlich sympathisch wirken, wenn sie bei ,Anne Will‘ mehrfach beteuert, wie sehr ihr die Situation in der Ukraine ans Herz geht. Beim diplomatischen Seiltanz am Rande eines möglichen Atomkriegs zeugt es indes von Unbedarftheit: ,Wir hätten uns das niemals gedacht, dass das kommen wird. Wir haben uns alle getäuscht. Wir wurden belogen von der russischen Regierung.‘ Ein Churchill oder wenigstens ein Genscher wären in dieser außergewöhnlichen Weltlage womöglich angemessener. Man wird ja wohl noch träumen dürfen.“ DT/mee

Der Publizist Holger Fuß nimmt die Bundesregierung als „Drehampel“ wahr und fragt sich, ob damit Kompetenz verbunden ist. Lesen Sie den ganzen Essay in der kommenden Ausgabe der Tagespost.

Themen & Autoren
Vorabmeldung Annalena Baerbock Bundeswehr Robert Habeck Russische Regierung Wladimir Wladimirowitsch Putin

Weitere Artikel

Der Koalitionsausschuss hat eine Novelle des Informationsfreiheitsgesetzes (IFG) verabschiedet. Die Gegner, auch aus der SPD, laufen Sturm. Zu Recht?
16.07.2026, 05 Uhr
Henry C. Brinker
Die Grünen wollen eine strategische Neuausrichtung wagen. Doch ob sie überhaupt kommt und was das eigentlich heißen soll, bleibt unklar.
03.10.2024, 13 Uhr
Sigmund Gottlieb

Kirche

Der eskalierende Streit zwischen Kirche und Regierung beschädigt die Autorität beider Seiten und spaltet ein Land, das von unfreundlichen Nachbarn umgeben ist.
14.08.2026, 17 Uhr
Stephan Baier
Katechismuslesen reicht nicht: Warum der Abtprimas der Benediktiner, Jeremias Schröder, der Mutter Jesu große Bedeutung für seinen Glauben beimisst.
14.08.2026, 15 Uhr
Esther von Krosigk
In Obertshausen erinnert neuerdings eine Statue an den Kirchenlehrer Johannes vom Kreuz und an den spanischen Wallfahrtsort Caravaca de la Cruz.
14.08.2026, 09 Uhr
Oliver Gierens
Tod in der Arena oder lebendig begraben im Bergbau? Im dritten Jahrhundert wurden auch Päpste zu Märtyrern. Der 13. August ist der Gedenktag des heiligen Papstes Pontianus.
12.08.2026, 21 Uhr
Claudia Kock
Wer und was in deutschen Bistümern willkommen ist, zeigt sich besonders deutlich im Umgang mit der traditionellen lateinischen Messe und der Priesterbruderschaft St. Pius X.
11.08.2026, 20 Uhr
Jakob Naser