Eden Culture

Den Sinn des Lebens wiederfinden

Im Interview mit der „Tagespost“ erklärt der Theologe Johannes Hartl, warum er sein jüngstes Buch „Eden Culture“ über den Weg zum Garten Eden auf Erden geschrieben hat.
Johannes Hartl
Foto: Herder Verlag | Im Interview spricht Johannes Hartl über sein jüngstes Buch „Eden Culture“.

Christen wissen allzu oft, gegen was sie sind, aber nicht mehr, wofür sie sind. Das sagt Johannes Hartl, Theologe und Leiter des Augsburger Gebetshauses, im Exklusiv-Interview mit der „Tagespost“. Anlass für das Gespräch ist das jüngste Buch des Influencers, in dem Hartl unter dem Titel „Eden Culture“ Mut machen will, über den Weg der Verbundenheit, des Sinns und der Schönheit den Garten Eden auf Erden wieder zu entdecken.

Negative Sicht als Triebfeder

Im Interview erklärt der Theologe, dass ihn die negative Sicht auf das Leben angetrieben habe, dieses Buch über die „Ökologie des Herzens“ zu schreiben: „Mich treibt eine Aussage um, die ich gerade unter jungen Menschen immer öfter höre: ,Es ist unverantwortlich, heute noch Kinder zu kriegen.’ Diese Aussage finde ich erschütternd. Zwar gibt es viel Aktivismus, den Planeten zu retten. Doch für wen retten wir den Planeten eigentlich, wenn wir uns nicht einmal mehr sicher sind, ob wir als Menschheit weiterleben wollen? Wir wissen zwar, wogegen wir sind (gegen den Klimawandel und den Rassismus), aber nicht mehr, wofür. Da sind Christen oft keine Ausnahme, auch wir definieren uns allzuoft dadurch, gegen was wir sind. Ich glaube, es ist höchste Zeit, dass wir darüber sprechen, wie Menschsein eigentlich funktioniert.“

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Ein schädlicher Trend

In dem Buch „Eden Culture“ geht Hartl nicht von den tagesaktuellen Krisen aus. Er stellt vielmehr einen Trend fest, der schon lange anhält: „Was nützt es einem Menschen, wenn er immer erfolgreicher oder mächtiger wird, wenn er dabei immer deprimierter und einsamer wird?“ Und genau das sei offensichtlich der Weg, auf dem wir uns als Gesamtgesellschaft bewegen: Seit 1997 habe sich die Zahl derer verdreifacht, die wegen Depressionen und Angst- oder Belastungsstörungen nicht zur Arbeit gehen konnten.

Etwa ein Drittel der Mädchen und ein Fünftel der Jungen litten unter mehreren psychosomatischen Beschwerden. Auch die Fähigkeit und Bereitschaft zur Empathie gehe zurück, sie habe sich zwischen 1979 und 2009 um 40 Prozent verringert. Was Hartl dennoch von der Wiederentdeckung des Gartens Edens sprechen lässt, ist die unverwüstliche Sehnsucht des Menschen nach Verbundenheit mit den anderen, nach Sinn und nach Schönheit.

Leben als Gabe

Der Autor holt den Menschen da ab, wo er ist: In der Zerstreutheit der digitalen Welt, in der Beziehungslosigkeit der Massengesellschaft, in der Sinnlosigkeit einer oberflächlichen Kultur. Hartl erschließt die drei Geheimnisse, die dem Einzelnen den Weg in den Garten Eden weisen sollen: Verbundenheit, Sinn und Schönheit. Dem schließt sich am Ende der vierte Teil seines Buchs an: „Eden Culture“, eine Kultur, die sich, wie der Theologe schreibt, „zutiefst vertraut“ anfühlt, „weil sie so ist, wie wir eigentlich leben wollen“.

Der Autor spricht von der „Ökologie des Herzens“, die das Leben staunend als Gabe erkennt: „Aus christlicher Sicht steht dieser Blick des Wohlgefallens ganz am Anfang der Geschichte der Welt. In der Garten-Eden-Erzählung sah sich Gott alles an, was er gemacht hatte, und es war sehr gut. Das Sein als Geschenk, als gute Gabe eines großzügigen Gottes, der alles in Fülle erschaffen hat und nichts als gute Absichten hegt. Es gibt Momente im Leben vielleicht jedes Menschen, wo sich das Leben so anfühlt. Oder zumindest eine Ahnung davon.“ DT/gho

  

Lesen Sie in der kommenden Ausgabe der Tagespost ein Interview mit dem Theologen Johannes Hartl über sein neues Buch "Eden Culture". Das Epaper der Ausgabe können Sie

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