Auf die Tagesordnung der nächsten Bischofskonferenz bin ich gespannt. Am 1.7.2026 zerbrach der Leib Christi, wie er zerbrach am 3.1.1521, als Leo X. Martin Luther exkommunizierte. 184.606 Tage vor der Katastrophe von Ecône. Zuvor – 355.001 Tage vor dem 1.7.2026 – zerbrach die Einheit von Ost- und Westkirche. Wird der Abschied der Piusbrüder und ihrer Community auf der Tagesordnung stehen? Oder wird man sich mit so weltbewegenden Themen wie der Satzung zur Synodalkonferenz befassen und darüber keine Zeit mehr haben, Kassensturz zu machen über bischöfliches Tun und Lassen in den sechzig Jahren seit Vaticanum II – Jahre, in denen hierzulande eine Kirche Jahr um Jahr an Gestalt verlor, bis noch fünf bis sechs Prozent an Nichtweggelaufenen sich am Sonntag zur Eucharistie versammelten. Es ist diese Kirche, aus der Menschen jetzt – wie sie sagen: aus „Notwehr“ – in die Ecône-Sekte abwandern, gefangen von schönen Paramenten und viel Weihrauch, einer „Kirche ohne Papst“ – nach protestantischer Blaupause.
Mit ihnen darf es sich die Kirche nicht zu leicht machen. Es sind Fromme darunter, die einfach nur treue „Diener Christi und als Verwalter von Geheimnissen Gottes“ (1 Kor 4,1) suchen und sie in den pastoralen Wüsten dieser Tage nicht finden. Die Katechese für ihre Kinder ersehnen und nicht das La, la, la vom Kindermutmachlied. Die in einer würdigen Liturgie ankommen wollen und nicht im Stuhlkreis. Der Affront gegen diese Gläubigen ist bis in den Episkopat hinein zu spüren. Es mag deutsche Bischöfe geben, die drei Kreuze über ihren Abgang machen – froh, die „Ewiggestrigen“ von der Backe zu haben. Ab durch die Mitte! Sie haben es sich doch selbst zuzuschreiben, wenn jetzt die Exkommunikation greift, sozusagen maschinenhaft – da muss der Papst gar nicht erst eingreifen.
Bätzings Ära der pastoralen Anarchie wirkt noch nach
Eine solche Haltung wäre nicht nur menschlich empörend; sie wäre auch theologisch monströs. Sie würde offenbar machen, dass ausgerechnet die von Gott und der Kirche bestellten Hirten Joh 17,21 („Alle sollen eins sein …“) in den Wind schreiben. Zumindest einige Bischöfe könnten sich fragen, ob sie nicht seit Jahren „Einheit“ nur mit einer exklusiven, eher linksliberalen Partei suchten, in der sie die Moderne, die Jugend und die Zukunft vermuteten. Mit dieser Utopie im Kopf suchten sie die Nähe zu Feminismus und Gender. Sie setzten der Selbstsäkularisierung der Kirche ebenso wenig entgegen wie der Entkirchlichung der Verbände. Sie sahen zu bei der ethischen Entkernung des Evangeliums und wirkten mit bei moraltheologischen Obstruktionen. Sie taten nichts gegen die Emanzipation der Theologischen Fakultäten vom Lehramt der Kirche, wie sie kaum etwas unternahmen gegen den flächendeckenden liturgischen Missbrauch. Über die Ära Bätzing gar, in der die Disziplin der Disziplinlosigkeit und die pastorale Anarchie von Kirchenangestellten ohne Kirchenbindung blühte, breitet man besser das Mäntelchen des Schweigens.
Müssten die Bischöfe nicht nachdenken, wie sie von der schiefen Ebene herunterkommen, damit die nächste Generation nicht eher auf die Karte Ecône als auf die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche setzt?
Der Autor ist katholischer Theologe und Publizist.
Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.









