Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Kommentar um "5 vor 12"

JP2-Vertraute Wanda Póltawska feiert ihren 100. Geburtstag: „Der Schatz ist, was Du getan hast“

„Sto lat“ (100 Jahre) singt man in Polen, wenn jemand Geburtstag feiert. Wanda Póltawska, die langjährige Vertraute von Johannes Paul II. feiert heute ihren 100. Geburtstag. Aus diesem Anlass werden in Krakau und im Vatikan Messen für die Jubilarin zelebriert.
Wanda Póltawska, die langjährige Vertraute von Johannes Paul II.
Foto: KNA | Wanda Póltawska, die langjährige Vertraute von Johannes Paul II. feiert heute ihren 100. Geburtstag.

Am 2. November 1921 kam die willensstarke Frau in Lublin zur Welt. Als sie 20 Jahre alt war, wurde Wanda Póltawska von der Gestapo verhaftet und kam in das Konzentrationslager Ravensbrück, wo Nazi-Ärzte an jungen Frauen wie ihr „pseudo-medizinische Experimente“ ausübten. Viele Frauen starben daran. Póltawska überlebte und studierte nach dem Krieg in Krakau, wo sie ihren Mann, den Philosophen Andrzej Póltawski (1923 – 2020) kennenlernte, Medizin. Schwerpunkt: Psychiatrie. Vier Töchter brachte Póltawska zur Welt.

Lesen Sie auch:

Wunderbare Heilung

Der Mann ihres Lebens sollte aber ein anderer werden: Karol Wojtyla, den sie damals kennenlernte, der spätere Papst. Mit ihm zusammen kümmerte sie sich um junge Paare und Familien in der Diözese Krakau. Später wurde sie Mitglied des Päpstlichen Rates für die Familie. Der Lebensschutz ist ihr bis heute ein wichtiges Anliegen. 
International bekannt wurde Póltawska aber vor allem durch eine spektakuläre Gebetshilfe. Als sie in den 1960er Jahren an Krebs erkrankt war, wandte sich der junge Bischof Wojtyla hilfesuchend an den italienischen Mystiker Pater Pio. Der ließ sich nicht lumpen. Auf wundersame Weise wurde Póltawska geheilt.  

Schätze im Himmel sammeln

Ihr Verhältnis zu Deutschland und den Deutschen war verständlicherweise lange angespannt. Sie brauchte Zeit, um das zu vergeben, was nur schwer zu vergeben ist – wenn überhaupt. Das mörderische, lebensfeindliche Wüten der Nazis und ihrer Mitläufer.
Vor einem Jahr bat sie bei einem Interview mit der „Tagespost“ darum, jenseits der Berichterstattung, ein paar kurze Botschaften an die Deutschen, insbesondere die jungen Deutschen, weiterzugeben. „Sagen Sie den deutschen Jugendlichen, was ich den Polnischen sage: Sammelt Euch Schätze im Himmel, die nicht von der Gestapo, Stalin, der Flut oder dem Feuer zerstört werden. Der Schatz ist das, was Du getan hast.“

Integration ist aktiv

Und weiter: „Bitte, lehren Sie die Deutschen dies: Es gibt keine innere Integration des Menschen, die passiv abläuft. Es geschieht nicht von allein. Die Handlung (ein Akt) ist nötig. Du wirst das, was Du mit Dir getan hast. Niemand kann das für Dich tun, niemand hat Kraft über Deine Seele.“
Ferner sagte sie: „Die Aufgabe wäre: Die Seele zu entwickeln. Ein Mensch kann immer mehr in seinem menschlichen Wesen sein. Es gibt kein Ende. Der Mensch soll sich sein ganzes Leben lang entwickeln.“

Eine mutige Frau

In Polen genießt Wanda Póltawska, die mit zahlreichen Auszeichnungen geehrt wurde, den Ruf einer mutigen Frau und Streiterin. Beim Missbrauchsskandal versuchte sie früh und mit Erfolg gegen Vertuschungsversuche ankämpfend, enthüllende Hinweise an den polnischen Papst weiterzureichen. Daraufhin handelte Johannes Paul II. Bis heute gilt Póltawska als eine autorisierte Vertreterin seiner Lehre. Die letzten Worte des Heiligen teilte sie der „Tagespost“ 2020 auch mit: „Der Welt fehlt es an Weisheit.“ Sto lat!

 

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Stefan Meetschen Johannes Paul II. Josef Stalin Päpste Vatikan

Weitere Artikel

Bei ihnen fand auch der spätere Papst Johannes Paul II. eine geistliche Heimat. Die neuen Seligen aus den Reihen der Salesianer Don Boscos.
21.07.2026, 05 Uhr
Claudia Kock
Gerhard Schröder verrät sein Land, Donald Trump den Westen, Patriarch Kyrill das Christentum.
14.10.2026, 17 Uhr
Stephan Baier
Soll man Gott vermissen müssen? Ein Streitgespräch zwischen Johannes Hartl und dem Philosophen Konrad Paul Liessmann über die Sinnhaftigkeit des Glaubens führt zu den letzten Fragen.
11.10.2026, 05 Uhr
Urs Buhlmann

Kirche

Vier Tage nach seiner Operation wird Leo XIV. wieder aus der Klinik entlassen. Und tritt am Sonntag beim Angelus in Erscheinung. Für die Lateinamerika-Reise geben Ärzte grünes Licht.
19.10.2026, 08 Uhr
Sabine Kleyboldt
Zehn Jahre „Amoris laetitia“: Der DBK-Vorsitzende lobt die „hohe Kunst des Zuhörens“ beim Treffen in Rom und nimmt die Erkenntnis mit, dass sich die Kirche weiterentwickelt.
16.10.2026, 11 Uhr
Meldung
Prüfstein für die Strukturreformen im Bistum Eichstätt: In der Oberpfälzer Stadt entsteht ein neuer Pastoralraum.
19.10.2026, 13 Uhr
Henry C. Brinker
Spricht sich Jesus gegen die Steuer für den Kaiser aus, droht ihm die Todesstrafe. Noch heute gewichtet die Kirche politische und gesellschaftliche Fragen oft zu hoch.
17.10.2026, 21 Uhr
Lothar Wehr