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Messen ausfallen lassen ist Steilvorlage für die Freikirchen in Nicaragua

Mit dem Aussetzen von Eucharistiefeiern entzieht sich die Kirche den Armen und Kranken. Das spielt ausgerechnet theologisch fragwürdigen Gemeinschaften in die Hände.
Alte Kathedrale in Managua, Nicaragua
Foto: Jorge Torres (EFE) | In Managua genügte manchem Pfarrer in diesen Tagen schon die bloße Ankündigung des Oberhirten, um Messen im eigenen Sprengel zu streichen.

Das kirchenrechtlich verankerte Recht der katholischen Gläubigen auf die Sakramente stößt in Zeiten der Pandemie an die harten Grenzen bischöflicher Laxheit. In Managua genügte manchem Pfarrer in diesen Tagen schon die bloße Ankündigung des Oberhirten, er erwäge angesichts mehrerer Todesfälle im Klerus eine vorläufige Aussetzung öffentlicher Eucharistiefeiern, um Messen im eigenen Sprengel zu streichen.

Infektionsrisiko Sakramente

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Und nicht nur Eucharistiefeiern, sondern auch Beichten und Krankenbesuche will mancher Geistliche erst einmal einstellen, um das Infektionsrisiko zu bannen. Dass Schwerkranke und Sterbende, denen mit TV-Übertragungen der heiligen Messe nicht mehr geholfen ist, um den Trost der Sakramente betrogen werden sollen, ist ein Unrecht und beispiellos in der Kirchengeschichte. Schon der Arzt, der angesichts der Toten im Kollegenkreis nicht den Dienst quittiert, hält Geistlichen in puncto Berufsethos den Spiegel vor. Auch die Aussetzung der Messfeier bewahrt niemanden endgültig vor der Ansteckungsgefahr.

Gewinner sind Freikirchen

Der Gewinner einer solchen Praxis der Sakramentenverwaltung sind die Freikirchen. Theologisch oft fragwürdig und in der Selbstdarstellung mitunter haarsträubend, entziehen sie sich in diesen schwierigen Zeiten nicht den Menschen. Genau das zählt aber für Einsame, Alte und Kranke. Es verwundert somit nicht, wenn sich Christen, die sich von der ermüdeten Kirche alleingelassen fühlen, von Pfingstlern und Baptisten mehr erwarten, vor allem das für die christliche Botschaft Wesentliche: Glaube, Hoffnung und Liebe.

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