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US-Bischöfe kritisieren Trumps Außenpolitik

Bei einer Grönland-Invasion wäre es „moralisch akzeptabel, diesen Befehl zu verweigern“, meint der ehemalige Vorsitzende der US-Bischofskonferenz. Sein Nachfolger hält sich noch bedeckt.
Erzbischof Timothy Broglio
Foto: IMAGO (www.imago-images.de) | Fürchtet Gewissenskonflikte unter seinen Schäfchen: US-Militärerzbischof Timothy Broglio, hier bei einer Messe auf einer Militärbasis in Kuweit.

Zunehmend kritisch äußern sich katholische US-Bischöfe über die Außenpolitik des amerikanischen Präsidenten. So heißt es etwa in einem gemeinsamen Statement der Kardinäle Blase Cupich, Robert McElroy und Joseph Tobin vom 19. Januar, die „Geschehnisse in Venezuela, der Ukraine und Grönland“ würfen Fragen über die Nutzung militärischer Gewalt und die Bedeutung von Frieden auf. Unter Berufung auf Papst Leo schreiben die drei Erzbischöfe von Chicago, Washington und Newark, sie stellten sich hinter dessen Vision einer moralischen Außenpolitik: „Wir weisen Krieg als Werkzeug enger nationaler Interessen zurück und stellen fest, dass militärische Gewalt nur als letzte Option in extremen Situationen angesehen werden darf, und nicht als normales Instrument der Außenpolitik“.

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Konkreter wurde Erzbischof Timothy Broglio in einem Interview, das die britische BBC am vergangenen Sonntag ausstrahlte. Er könne sich keine Umstände vorstellen, unter denen ein amerikanischer Militärschlag gegen Grönland die Kriterien eines gerechten Krieges erfülle, sagte der Militärbischof und bis vor Kurzem Vorsitzende der amerikanischen Bischofskonferenz. Er sei auch in Sorge, weil katholische Militärangehörige durch eine Grönland-Invasion in eine Situation gestellt würden, in der ihnen befohlen wird, etwas moralisch Fragwürdiges zu tun. Natürlich wäre es äußerst schwierig für Soldaten, Befehle nicht zu befolgen. Es wäre im Rahmen der eigenen Gewissensentscheidung aber „moralisch akzeptabel, diesen Befehl zu verweigern“.

US-Präsident Donald Trump hat in den letzten Tagen Zölle gegen europäische Länder angekündigt, bis Dänemark Grönland an die USA verkauft. Militärische Gewalt, falls der Verkauf nicht zustande komme, schloss Trump nicht aus. Von der US-Bischofskonferenz, deren neuer Vorsitzender Bischof Paul Coakley seinen Antrittsbesuch bei Trump vor rund einer Woche absolvierte, kam bislang kein offizielles Statement zur Grönland-Frage. Zum Statement der drei Kardinäle hieß es von einer Sprecherin lediglich, Coakley unterstütze „in diesen Zeiten“ die Betonung der Lehre Papst Leos durch seine Amtsbrüder. Am gestrigen Dienstag repostete die Bischofskonferenz auf der Plattform „X“ zudem einen entsprechenden Ausschnitt der Ansprache des Papstes an das diplomatische Corps Anfang Januar, in der dieser die neue Tendenz zur kriegerischen Auseinandersetzung geißelt.

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