Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Rom

Jesuitengeneral Sosa: Richtungskampf in der Kirche

Franziskus-Kritiker zielten darauf ab, die nächste Papstwahl zu beeinflussen, so der Generalobere des Jesuitenordens, Arturo Sosa. Aktuell finde ein politischer Kampf in der Kirche statt, dessen Auslöser das Zweite Vatikanum sei.
Jesuitengeneral Sosa verteidigt Papst Franziskus
Foto: Gesuiti Press Office/Handout (ANSA/GESUITI PRESS OFFICE) | Den Papst nennt Jesuitengeneral Sosa einen „Sohn des Zweiten Vatikanischen Konzils“, der all seine Energie darauf verwende, dieses zu verkörpern und „alles wahr werden zu lassen, was sich jene Versammlung für die ...

Der Generalobere des Jesuitenordens, Arturo Sosa, hat Papst Franziskus gegen Kritik verteidigt. Vor internationalen Journalisten in Rom sprach der Jesuitengeneral von einem politischen Kampf in der Kirche. Die Angriffe gegen Papst Franziskus seien Ausdrücke eines „Kampfes zwischen denjenigen, die die Kirche wollen, die sich das Zweite Vatikanische Konzil erträumte, und denen, die diese nicht wollen“.

"Franziskus ist überzeugt von dem,
was er tut, seit er Papstwahlen wurde"
Jesuitengeneral Arturo Sosa

Die Kritik an Franziskus gehe jedoch über seine Person hinaus, so Sosa weiter. „Franziskus ist überzeugt von dem, was er tut, seit er Papstwahlen wurde. Er wird sich nicht ändern.“ Dies wüssten auch seine Kritiker – daher zielten sie in Wahrheit darauf ab, die nächste Papstwahlen zu beeinflussen, behauptete der Generalobere der Jesuiten, der jüngst auch mit Bemerkungen über die Existenz des Teufels für Aufmerksamkeit gesorgt hatte.

Lesen Sie auch:

„Franziskus ist kein junger Mann mehr“, so Pater Sosa. Sein Pontifikat werde aufgrund seines Alters nicht das längste der Geschichte sein. In Bezug auf die Papst-Kritiker meinte er: „Sie zielen auf die Nachfolge ab, weil sie wissen, dass es viel Zeit braucht, mehr als 50 Jahre, um das Zweite Vatikanische Konzil wirklich umzusetzen.“ Den Papst nannte Sosa einen „Sohn des Zweiten Vatikanischen Konzils“, der all seine Energie darauf verwende, dieses zu verkörpern und „alles wahr werden zu lassen, was sich jene Versammlung für die Kirche erträumt hat“. Je mehr sich die Kirche den Vorstellungen des Zweiten Vatikanischen Konzils annähere, so Sosa, desto eher zeige sie „tatsächliche Reformen“.

Lesen Sie auch:

Synoden als Gegenteil von Schisma

Pater Sosa ging gegenüber den Medienvertretern auch auf die Debatte um die Amazonas-Synode ein, die Anfang Oktober beginnt. Dieselben Leute, die diese nun kritisierten, hätten auch schon die Familiensynode und die Jugendsynode attackiert. Entgegen der Auffassung von Seiten der Kritiker sei er der Meinung, dass solche Bischofstreffen das Gegenteil eines Schismas seien. Vielmehr gehe es um den gegenseitigen Austausch, um gemeinsam Lösungen zu finden. Die Amazonas-Synode werde „Einheit schaffen“, so der Jesuitengeneral.

An der von Papst Franziskus einberufenen Synode für das Amazonasgebiet, die über neue Formen von Seelsorge in Gebieten mit wenigen Priestern beraten, die Rechte von Indigenen stärken und den Umweltschutz in Lateinamerika in den Blick nehmen soll, hatte es zuletzt immer wieder Kritik gegeben – unter anderen von den deutschen Kardinälen Gerhard Müller und Walter Brandmüller, aber auch vom amerikanischen Kardinal Raymond Burke. Sie sehen die Gefahr, dass der priesterliche Zölibat in Frage gestellt und die kirchliche Lehre verwässert werden könnte.

DT/mlu

Die Hintergründe zu diesem Thema finden Sie in der Wochenausgabe der Tagespost.

Themen & Autoren
Redaktion Amazonas-Synode Jesuiten Papst Franziskus Seelsorge Walter Brandmüller Zweites Vatikanisches Konzil Zölibat

Weitere Artikel

Zwischen Reformanspruch und wachsender Distanz zu Rom: Georg Bätzings Amtszeit an der Spitze der DBK endet mit einer gespaltenen Kirche. Ein Blick auf die vergangenen sechs Jahre.
20.01.2026, 14 Uhr
Dorothea Schmidt
Die katholischen Ostkirchen haben laut Thomas Németh eine wichtige Rolle in der Kirche – obwohl sie Ökumene und Zölibatsdiskussion scheinbar komplizierter machen.
17.12.2025, 13 Uhr
Thomas Müller

Kirche

Der Durst Israels und die Begegnung Jesu mit der Samariterin zeigen: Gott stillt nicht nur den äußeren Mangel, sondern in erster Linie den Durst des menschlichen Herzens.
07.03.2026, 21 Uhr
Margarete Strauss
Klar, aber nicht hart: Bei der 14. Deutsch-Österreichischen Kirchenrechtstagung in Wien ging es vor allem um kirchliche Anschlussfähigkeit und Profilschärfung.
06.03.2026, 15 Uhr
Stephan Baier
Der Kölner Dom wird von Touristen künftig Eintritt verlangen, Beter kommen kostenlos herein. Eine Chance, die eigentliche Bestimmung der Kathedrale ins Bewusstsein zu rufen.
06.03.2026, 11 Uhr
Regina Einig
Antworten auf die technische Revolution von heute: Die Internationale Theologen-Kommission beim Vatikan stellt dem Transhumanismus die Würde des christlichen Menschenbilds gegenüber.
05.03.2026, 16 Uhr
Guido Horst
Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin forderte die Konfliktparteien zu Verhandlungen auf und warnt davor, Diplomatie und internationales Recht zu untergraben.
05.03.2026, 12 Uhr
Meldung