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Iranischer Sturm im vatikanischen Wasserglas

Eine vatikanische Ehrung für den iranischen Botschafter am Heiligen Stuhl sorgt für Empörung – und für Missverständnisse. Eine Aufklärung.
Botschafter Mohammad Hossein Mokhtari
Foto: IMAGO/Anna Maria Tinghino (www.imago-images.de) | Mohammad Hossein Mokhtari (vorne links) bei der Trauermesse für den verstorbenen Papst Franziskus auf dem Petersplatz.

Ist der Vatikan jetzt auf Seiten des Iran in den Krieg eingetreten? Will der amerikanische Papst den amerikanischen Präsidenten reizen, indem er einen Diplomaten des Mullah-Regimes ehrt? Dass der Iran, der sich seit Kriegsbeginn intensiv um internationale Unterstützung bemüht, einen solchen Eindruck erwecken möchte, ist aus PR-Sicht überaus verständlich. Und so brachte IRNA, die offizielle staatliche Nachrichtenagentur der Islamischen Republik Iran, eine Nachricht in Umlauf mit dem Titel „Höchster diplomatischer Orden des Papstes an Irans Botschafter in Vatikan verliehen“. Dazu wurde ein Foto gesetzt, das den iranischen Botschafter Mohammed Hossein Mokhtari mit Papst Leo XIV. beim Handschlag zeigt.

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Der PR-Text der iranischen Nachrichtenagentur tut alles, um eine vatikanisch-iranische Allianz zu suggerieren: Da ist die Rede von einem „Ehrenorden des Heiligen Stuhls“, der „zu den höchsten Ritterorden des Vatikans“ zähle und „herausragenden Persönlichkeiten verliehen“ werde. Auch die Interpretation wird gleich mitgeliefert: „Die Auszeichnung wurde dem iranischen Botschafter zu einem Zeitpunkt verliehen, an dem die jüngsten, auf Wahrheits- und Gerechtigkeitsanspruch beruhenden Positionen von Papst Leo XIV. zur Verurteilung der Übergriffe der Vereinigten Staaten und des zionistischen Regimes gegen den Iran nicht losgelöst von den Bemühungen der Botschaft der Islamischen Republik Iran beim Vatikan zu sehen sind, die Botschaft von Frieden und Gerechtigkeit sowie die Ablehnung von Kriegshetze zu vermitteln.“

Falsches Foto, falsche Superlative

Offensichtlich ist an der iranischen Darstellung und Diktion, dass der iranische Botschafter am Heiligen Stuhl damit Punkte im eigenen Haus machen wollte, aber auch, dass die iranische Propaganda den Papst hier für ihre Sache instrumentalisiert. Beides dürfte im Vatikan wenig überraschen. Erstaunlicher ist jedoch, wie viele ungeprüft über das Stöckchen sprangen, das das Mullah-Regime ihnen da hinhielt. Der Grünen-Politiker Volker Beck kommentierte postwendend: „Der Stuhl Petri ist leer. Und die Fehler und die Schuld der Kirche (Komplizenschaft) wiederholen sich, wenn auch anders.“

Die „Jüdische Allgemeine“ fragte besorgt „Was ist bloß in den Papst gefahren?“ und schob die Bewertung nach: „Dass aber Papst Leo und sein diplomatisch versierter Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin ausgerechnet den Repräsentanten dieses Regimes mit einer Auszeichnung bedacht haben, ist empörend.“ In den Sozialen Medien und auch in der internationalen Presse gingen die Wogen hoch.

Die Sache selbst ist weitaus banaler. Das Foto, das der Iran zu seiner Propagandameldung brachte, zeigt gar nicht die Verleihung und ist auch nicht aktuell, sondern aus dem Vorjahr. Verliehen wurde die Auszeichnung nämlich nicht von Papst Leo, ja nicht einmal von Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin, sondern von Erzbischof Paolo Rudelli, dem Substitut für die allgemeinen Angelegenheiten im Staatssekretariat. Allein die Rangordnung zeigt, dass man sich alle Superlative hätte sparen können. Geehrt wurde, was die iranische Propaganda ebenso wie die Aufregung darüber verschweigt, auch nicht singulär der Vertreter des Iran, sondern ein Dutzend weiterer Botschafter am Heiligen Stuhl, darunter etwa der Vertreter Russlands.

Diplomatische Gepflogenheiten

Damit sind wir beim Kern der Ehrung: Der auf Pius IX. (1846 bis 1878) zurückreichende Pius-Orden wird gemäß vatikanischem Protokoll nämlich allen am Heiligen Stuhl akkreditierten Botschaftern nach zweijähriger Dienstzeit verliehen – unabhängig von ihrer Konfessionszugehörigkeit, politischen Gesinnung oder weltanschaulichen Nähe zu Papst und Kurie. Diplomatie eben, denn der Heilige Stuhl ist ein Völkerrechtssubjekt und pflegt diplomatische Beziehungen zu den Staaten der Welt – und auch damit zusammenhängende Gepflogenheiten.

In Deutschland sollte man das gut nachvollziehen können, denn auch das Bundesverdienstkreuz wird nicht unbedingt und ausschließlich für Verdienste verliehen, sondern beispielsweise an Abgeordnete für eine bestimmte Amtsdauer. Eine „automatische Verleihung“ des Bundesverdienstkreuzes gibt es auch bei bestimmten Amtsträgern in Beamtenschaft, Bundeswehr und Richterschaft, wenn diese aus dem Amt scheiden.

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Stephan Baier

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