Herr Tussing, Sie sind 21 Jahre alt, arbeiten bei einer Schweizer Unternehmensberatung und organisierten einen Gebetsabend für 3.000 Menschen. Zunächst einmal zu Ihnen: Wie haben Sie zum Glauben gefunden?
Ich bin in der katholischen Laiengemeinschaft Chara im Bistum Speyer großgeworden. Obwohl es dort tolle Kinder- und Jugendarbeit gab, brauchte es mein eigenes „Ja“ zu Gott. Es geht schließlich um die persönliche Entscheidung und nicht um nachgelebte Religiosität und Traditionen. Diese wünsche ich jedem jungen Menschen.
Ist das der Grund, warum Sie „The Tabernacle“ organisierten?
Auch. Nach der Schule besuchte ich eine freikirchliche Jüngerschaftsschule, mit der ich nach Hawaii, Gambia und Guinea-Bissau reiste und Erfahrungen in der pfingstlichen und erweckten Szene sammelte. Im Jahr danach flog ich spontan nach Rom. Ohne Geld und im Vertrauen auf die Vorsehung. Dort besuchte ich ein Treffen von CHARIS, dem offiziellen internationalen Dienst der katholischen charismatischen Erneuerung. Wir alle dort empfanden diesen Schmerz: dass es viele Menschen gibt, die in engstirniger Religiosität aufwachsen und von Gott gehört, aber ihn nicht kennengelernt haben.
Dem wollten Sie entgegenwirken …
Genau. Es gibt doch so viele Ministries, vor allem in der charismatischen Bewegung, die offen für neue Leute sind. Wir möchten, dass die Menschen, die zu den verschiedenen Gebetsveranstaltungen kommen und ihr Leben Jesus geben, direkt verbunden werden mit weiteren Angeboten.
Dazu braucht es eine Plattform wie „The Tabernacle“, auf der alles Katholische auf Bundesebene zusammenkommt. Wo alle an einem Strang ziehen, um den lebendigen Glauben bekannt zu machen. Und damit wir nicht nur in unseren eigenen, meist charismatischen Kreisen bleiben, kam die Idee, „The Tabernacle“ auf dem Katholikentag stattfinden zu lassen.
„The Tabernacle“ ist mehr als ein einmaliger Gebetsabend. Es klingt vielmehr so, als sei es der Beginn einer großen Bewegung. Was ist Ihre Vision?
Erst mal ist es gut, dass wir überhaupt zusammengekommen sind. Wir haben nach außen hin ein Statement gesetzt: Es gibt da eine Gruppe, die wächst, die entgegen dem Zeitgeist junge Menschen in die Kirche zieht. Wir sehen ja, da kommt etwas. Es gibt in Deutschland eine christliche Erweckung. In England und Frankreich noch viel mehr. Da wollen wir uns einklinken.
Wir hoffen nun, dass einzelne Gruppen, zum Beispiel Firmkurse, das Ganze in ihre Pfarreien zurücktragen und Gebetskreise bilden. Wir wollen ins Kleine investieren. In die einzelnen Pfarreien. Und wenn es „nur“ ein kleiner Gebetskreis ist. Am nächsten Katholikentag möchten wir wieder als diese Sparte der katholischen Kirche dabei sein.
Den Katholikentag richtet das kirchlich anerkannte Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) aus – offiziell für alle Katholiken, auch die jungen. Wieso brauchte es dann noch „The Tabernacle“ als ergänzende, außenstehende Veranstaltung?
Der Katholikentag hat lauter relevante Themen im Programm. Ich persönlich würde den Fokus in bestimmten Themen zwar anders legen, aber dennoch haben sie ihre Daseinsberechtigung. Viele Menschen fühlen sich auf dem Katholikentag vertreten, einige jedoch nicht. Diese Lücke wollten wir füllen.
Hinzu kommt – und das ist nicht nur beim Katholikentag so –, es gibt in der katholischen Kirche in Deutschland generell noch keine Plattform, wo die Gruppen zusammenkommen, die ihren Fokus auf die persönliche Beziehung mit Gott legen. Das soll nun „The Tabernacle“ übernehmen.
Werden sich auch die jungen Menschen bei Ihnen wiederfinden können, die gerne in die tridentinische Messe gehen?
Nicht direkt. Es ist eine Herausforderung, alle Spiritualitäten unter einen Hut zu bekommen. Die heilige Messe beim Gebetsabend ist nicht im überlieferten Ritus gefeiert, aber klar katholisch in ihrer Liturgie. So modern „The Tabernacle“ auch sein mag: Uns ist wichtig, die Messe nicht zu verändern; da keine Experimente zu machen.
Wenn ein Jugendlicher begeistert von „The Tabernacle“ in seine Pfarrei zurückkehrt: Was würden Sie ihm raten, wie kann er am ehesten etwas starten?
Er soll sich auf den Kreis fokussieren, auf den er Einfluss hat. Ein häufiger Fehler ist: Man blickt auf das große Ganze und geht darin unter. Treue im Kleinen hilft, wenn einem der große Berg Angst macht. Und sich nicht so schnell ermüden lassen, auch wenn es nach außen hin schlecht aussieht. Ganz oft sucht Gott gerade das treue Herz, um Segen zu schenken.
Man kann einen Gebetskreis starten, mit Lobpreismusik und vielleicht noch anschließendem Kochen. Dazu kann man gut vereinzelte Freunde einladen. Das ist einfacher, als von heute auf morgen die Kirche von links auf rechts zu drehen. Das wäre auch anmaßend. Schließlich ist es eine Kirche, die nicht auf meinem Glauben gewachsen ist, sondern über mehrere tausend Jahre hinweg.
Wie kann man sich Unterstützung holen?
Indem man uns schreibt, auf der Website „The Tabernacle“. Wir helfen gerne und würden die Menschen dann je nach Situation an Gebetsgruppen weiterleiten.
Die „Tagespost“ bietet im Lügensteinmuseum Würzburg (Korngasse 12) Debatten, Lesungen und Impulse an. Am Freitag, 15. Mai, um 19 Uhr spricht dort Philipp Peymann Engel, Chefredakteur der Jüdischen Allgemeinen, über „Was darf Israel?“, am Samstag um 19 Uhr Bettina Röhl über Ulrike Meinhof.
Am Freitagabend feiert der Ritterorden vom Heiligen Grab um 18.30 Uhr in der Franziskanerkirche (Franziskanergasse 7) eine Vesper unter dem Leitwort „Ein Gebet für den Frieden im Heiligen Land“.
Der Zugang ist nicht an den Erwerb eines Katholikentagstickets gebunden. In der Karmeliterkirche St. Maria Magdalena findet am 16. Mai von 18 bis 22.30 Uhr der Gebetsabend der Initiative „Nightfever“ statt; mit heiliger Messe, Beichte, Musik und eucharistischer Anbetung.
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