Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Würzburg

Graulich kritisiert ÖAK: „Kein ehrlicher Dialog“

Der Ökumenische Arbeitskreis (ÖAK) kehre Differenzen zwischen katholischer und evangelischer Kirche unter den Tisch meint der Untersekretär des Päpstlichen Rates für Gesetzestexte. Und er betont: Der Glaubenssinn der Gläubigen basiere nicht auf Mehrheitsentscheidung sondern setze die Lehre voraus.
„Gemeinsam am Tisch des Herrn“ - Kommunion
Foto: Franziska Kraufmann (dpa) | Den Einwand der Autoren des ÖAK-Papiers „Gemeinsam am Tisch des Herrn“, wonach es den Lehrmäßigen Anmerkungen der Glaubenskongregation an „kritischer Selbstbesinnung“ fehle, weist Graulich zurück.

In der Debatte um den ökumenischen Dialogs zwischen katholischer Kirche und evangelischen Gemeinschaften äußert sich Prälat Markus Graulich, Untersekretär des Päpstlichen Rates für Gesetzestexte, kritisch zum Umgang des Ökumenischen Arbeitskreises (ÖAK) mit der römischen Glaubenskongregation.

Es wird ein Minimalkonsens postuliert

Lesen Sie auch:

Während ökumenische Dialogpapiere in anderen Ländern klar benennen würden, worin zwischen der katholischen Kirche und den kirchlichen Gemeinschaften der Reformation Konsens bestehe, und wo es weiterhin Differenzen gebe, scheine der ÖAK die Differenzen eher unter den Tisch zu kehren, meint Graulich im Gespräch mit dieser Zeitung. „Es wird ein Minimalkonsens postuliert – der oft mit protestantischen Positionen identisch ist – und zur Grundlage der Entscheidung gemacht.“ Das sei kein ehrlicher Dialog, sondern „insinuierte Konsensformulierung an der Wahrheit vorbei“.

Gleichzeitig warnt Graulich davor, die Pastoral gegen die Glaubenslehre auszuspielen: dies sei immer ein „Totschlagargument“. Während der ÖAK von der Normativität des Faktischen ausgehe – „die Menschen verstehen die Unterschiede nicht mehr, also dürfen wir nicht darauf bestehen und müssen die Lehre mit der Praxis ändern“ - habe die Glaubenskongregation den Zusammenhang von Lehre und Pastoral im Blick: „Die Pastoral hat der Lehre zu folgen und sie umzusetzen; nicht umgekehrt“, betont Graulich. Der Glaubenssinn der Gläubigen basiere nicht auf einer Mehrheitsentscheidung, sondern setze die Lehre voraus.

Inhalte der katholischen Glaubenslehre müssen berücksichtigt werden

Den Einwand der Autoren des ÖAK-Papiers „Gemeinsam am Tisch des Herrn“, wonach es den Lehrmäßigen Anmerkungen der Glaubenskongregation an „kritischer Selbstbesinnung“ fehle, weist Graulich zurück. „Dieser Einwand macht meines Erachtens deutlich, dass nicht verstanden wurde, worum es bei den Lehrmäßigen Anmerkungen geht: Sie stellen keinen Diskussionsbeitrag und kein Konsenspapier, sondern die Inhalte der katholischen Glaubenslehre dar, die beim Dialog mit den kirchlichen Gemeinschaften zu berücksichtigen sind.“ 

Graulich plädiert dennoch dafür, den Dialog mit den evangelischen Gemeinschaften fortzuführen. Ein Dialog sei immer sinnvoll, wenn er in der Wahrheit gründe und sein Ergebnis nicht schon vorher feststehe. „Selbstverständlich geht dieser Dialog die ganze Kirche an, denn es geht ja um grundlegende Glaubensfragen“, so Graulich.  DT

Lesen Sie weitere Hintergründe zum Ökumene-Dialog in der kommenden Ausgabe der Tagespost.

Themen & Autoren
Vorabmeldung Evangelische Kirche Gläubige Katholische Kirche Katholizismus Kirchen und Hauptorganisationen einzelner Religionen Kirchliche Gemeinschaften Reformation der christlichen Kirchen

Weitere Artikel

Die Gesellschaft der ausländischen Missionen zu Paris hält das Gedenken an jene Christen wach, die im 19. Jahrhundert in Asien für ihren Glauben gestorben sind.
07.06.2026, 19 Uhr
Ignacio García Lascurain Bernstorff

Kirche

Der eskalierende Streit zwischen Kirche und Regierung beschädigt die Autorität beider Seiten und spaltet ein Land, das von unfreundlichen Nachbarn umgeben ist.
14.08.2026, 17 Uhr
Stephan Baier
Katechismuslesen reicht nicht: Warum der Abtprimas der Benediktiner, Jeremias Schröder, der Mutter Jesu große Bedeutung für seinen Glauben beimisst.
14.08.2026, 15 Uhr
Esther von Krosigk
In Obertshausen erinnert neuerdings eine Statue an den Kirchenlehrer Johannes vom Kreuz und an den spanischen Wallfahrtsort Caravaca de la Cruz.
14.08.2026, 09 Uhr
Oliver Gierens
Tod in der Arena oder lebendig begraben im Bergbau? Im dritten Jahrhundert wurden auch Päpste zu Märtyrern. Der 13. August ist der Gedenktag des heiligen Papstes Pontianus.
12.08.2026, 21 Uhr
Claudia Kock
Wer und was in deutschen Bistümern willkommen ist, zeigt sich besonders deutlich im Umgang mit der traditionellen lateinischen Messe und der Priesterbruderschaft St. Pius X.
11.08.2026, 20 Uhr
Jakob Naser