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„Die Frage ist, ob wir unser Herz für ihn offen haben“

Abenteuer, Gemeinschaft, Weltkirche: Beim Weltjugendtag macht man wichtige Erfahrungen. Im Zentrum aber steht Jesus Christus, betont Passaus Bischof Stefan Oster bei einer Katechese.
Weltjugendtagsteilnehmer im Park Eduardo VII. in Lissabon
Foto: IMAGO/ABACA (www.imago-images.de) | Weltjugendtagsteilnehmer im Park Eduardo VII. in Lissabon bei der Willkommenszeremonie für Papst Franziskus.

„Möchte jemand einen Tee?“, fragt die in Gelb gekleidete Helferin. Es ist halb elf in der Nacht, wir sind in den letzten Stunden langsam von der Willkommenszeremonie mit Papst Franziskus und der nachfolgenden Essensjagd zurückgekehrt und schon auf dem Boden unseres Klassenzimmers, das sich in ein Schlafsacklager verwandelt hat. Die Unterkunft in Lissabon ist spartanisch: In unserem Klassenzimmer, das „St. John Paul II.“ heißt, sind mehrere Scheiben kaputt. Die Duschen haben kein warmes Wasser und wir teilen sie mit über 100 anderen Mädchen überall aus Deutschland, Österreich und anderen Ländern.

So ein Weltjugendtag ist abenteuerlich

Abenteuerlich ist so ein Weltjugendtag eben manchmal, sagt Bischof Stefan Oster in seiner Katechese dazu am Mittwoch. Aber das ist nicht das Wichtigste. Der Passauer Bischof steht mitten unter den Pilgern vor der Bühne, die man vor den Türen der Großen Aula der Lissaboner Universität aufgebaut hat. Zum Glück ist es bewölkt, sodass die Jugendlichen nicht direkt der stechenden Sonne ausgesetzt sind. Seit einer Stunde sind sie schon da und wehen ihre Fahnen: aus Bayern, Baden-Württemberg, von „Jugend 2000“, „focus“ oder den „Brennenden Herzen“. Angeführt von zwei Moderatoren und einer Lobpreisband herrscht schon um neun Uhr morgens gute Stimmung. 

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Dann führt die Moderatorin Masha in das Thema der Katechese und das Motto des Weltjugendtages ein: „Maria stand auf und ging eilig in das Bergland“. Sie fragt an die Pilger gerichtet: „Wie habe ich Gottes Liebe und seine Sendung an mich erfahren?“ Dann sollen wir es in kleineren Gruppen besprechen. Ein hochgewachsener Bayer mit blonden Haaren erzählt von seiner Umkehr beim Prayerfestival, wo er die Liebe Gottes mit einem Mal verstanden und gespürt hat. Ein anderer erzählt, wie jemand ihm in einem Moment, als er sich hoffnungslos fühlte, zufällig ein Heiligenbild in die Hand drückte. Kleine Momente, die Mut spendeten. 

Gott spricht auf viele Weisen zu den Menschen

Als Bischof Oster auf die Bühne kommt, skandiert die Bayern-Fraktion seinen Namen. Oster fordert die Menge auf, sich zu setzen und gibt seine Katechese dann stehend in unserer Mitte. „Mein Beichtvater sagt nach jeder Beichte zu mir: Vergiss‘ nicht wie du heißt. Und ihr wisst ja, wie es dem heiligen Stephanus ergangen ist“, beginnt der Passauer Bischof. Er erklärt, dass Gott auf viele Weisen zu den Menschen spricht, wie er aus den Gruppengesprächen gehört habe: „Die Frage ist, ob wir unser Herz für ihn offen haben.“

Und ja, beim Weltjugendtag erleben wir Abenteuer, erleben wir Gemeinschaft, Weltkirche – aber im Zentrum steht laut Bischof Oster Jesus. Zwischendurch sehen wir den Flieger von Papst Franziskus am nahe gelegenen Flughafen landen. Ob seine Reise so abenteuerlich ist wie unsere?


Begleiten Sie unsere Autorin Sally-Jo Durney in den nächsten Tagen auf dem Weltjugendtag in Lissabon. Alle Tagebuch-Einträge finden Sie hier

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