Kiew

„Betet für den Schutz der Hagia Sophia in Kiew“

Die Kathedrale sei nicht nur die ehrwürdigste heilige Stätte des ukrainischen Volkes, sondern aller slawischen Völker, so der Großerzbischof von Kiew.
Kiew
Foto: Thomas Eisenhuth (dpa-Zentralbild) | Blick über die Sophienkathedrale in Kiew. Angeblich gibt es russische Pläne, die Kathedrale zu zerstören.

Der ukrainische griechisch-katholische Erzbischof von Philadelphia und Metropolit der ukrainischen Katholiken in den Vereinigten Staaten, Borys Gudziak, hat einen „dringenden Gebetsaufruf“ des Großerzbischofs von Kiew-Halytsch, Swjatoslav Schewtschuk, „aus einem Luftschutzbunker“ veröffentlicht. Wörtlich heißt es in dessen Aufruf: „Wir haben Informationen erhalten, dass die russische Armee einen Luftangriff auf die ehrwürdigste heilige Stätte des ukrainischen Volkes seit der Zeit der Kiewer Rus plant – die Kathedrale der Heiligen Sophia in Kiew“. Deshalb rufe Schewtschuk als Oberhaupt der ukrainisch-griechisch-katholischen Kirche alle Christen auf, für den Schutz „dieser heiligen Stätte aller slawischen Völker zu beten“. Gleichzeitig fordere er die russische Armee dazu auf, „diesen entsetzlichsten Akt des Vandalismus zu unterlassen.“

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Zerstörungsplan

Erzbischof Borys Gudziak spricht von Berichten aus „Geheimdienstquellen“, die darauf hindeuteten, „dass es einen Plan der russischen Invasoren gibt, die 1.000 Jahre alte St.-Sophia-Kathedrale im historischen Herzen von Kiew zu zerstören“. Die „Hagia Sophia“ sei seit einem Jahrtausend ein „Symbol des Glaubens, der Standhaftigkeit und der Einheit für alle Ukrainer“. Die Kirche habe Invasionen, den Ersten Weltkrieg, die Russische Revolution, sieben Jahrzehnte des Kommunismus und die Verwüstung des Zweiten Weltkriegs sowie als eine der wenigen mittelalterlichen Kirchen Stalins Kirchenzerstörungen in der ukrainischen Hauptstadt in den 1930er Jahren überdauert. Die Zerstörung der Hagia Sophia, so Gudziak weiter, „wäre der Versuch, das wichtigste spirituelle und nationale Symbol in der Ukraine auszulöschen.“

Kapitulation erzwingen 

Das Verteidigungsministerium Russlands habe öffentlich erklärt, dass die Hauptstadt des Landes Bomben- und Raketenbeschuss ausgesetzt sein werde, der zum Ziel habe, „den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj zur Kapitulation zu drängen und in einer Stadt mit drei Millionen Einwohnern weitere Panik zu schüren“. Gudziak erinnert daran, dass in Kiew viele nichtmilitärische Gebäude und Objekte Ziel von Raketenangriffen geworden seien, die zum Tod unzähliger unschuldiger Bürger geführt hätten.

Sein öffentliches Schreiben endet mit den Worten aus dem Aufruf von Großerzbischof Schewtschuk: „Möge die heilige Sophia – die Weisheit Gottes – diejenigen erleuchten, die daran gedacht haben, dieses Verbrechen zu begehen“. DT/jga

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