Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Ukraine-Krieg

Gänswein: Russland fehlt der ernsthafte Wille zum Frieden

Benedikts ehemaliger Privatsekretär sieht eine Waffenruhe in der Ukraine in weiter Ferne. Auch zu wachsenden Anspannungen im Baltikum äußert er sich.
Erzbischof Gänswein
Foto: imago stock&people | Die Angst vor Krieg sei in der Bevölkerung des Baltikum mehr und mehr zu spüren, meint Erzbischof Georg Gänswein.

Nach Ansicht von Erzbischof Georg Gänswein, Apostolischer Nuntius im Baltikum und ehemaliger Privatsekretär von Papst Benedikt XVI. hat Russland Papst Leo XIV. geohrfeigt und damit „die Tür für Friedensverhandlungen unter vatikanischer Vermittlung zunächst einmal zugeschlagen“.

Lesen Sie auch:

Der Papst habe der Ukraine und Russland im Mai angeboten, als Friedensvermittler zu fungieren. Die Ukraine nahm das Angebot an, Russland lehnte es ab. „Undiplomatisch ausgedrückt: eine Ohrfeige für Papst und Vatikan“, so der 69-Jährige im Interview mit der „Herder Korrespondenz“. „Es ist schwer auszumachen, dass nach dieser Erfahrung eine Reise des Papstes in die Ukraine den Frieden zu fördern vermag“. Auf russischer Seite fehle der ernsthafte Wille zum Frieden; eine Waffenruhe sei weit in die Ferne gerückt.

Die Angst wächst im Baltikum

Gänswein bewertet die Vatikanische Diplomatie als „real-politisch gering“. Sie tue jedoch „alles, was in ihrer Macht steht“, und ihr oberstes Ziel bleibe, „sich um einen gerechten und dauerhaften Frieden in der Ukraine zu mühen“. Der Dialog dürfe nicht abbrechen und man wisse sehr gut, „wer und wo die politischen Schlüsselfiguren sind, die die Friedensbemühungen in Gang setzen können und blockieren“.

Gänswein, der seit September 2024 in Litauen lebt, ergänzte auch, er nehme eine „wachsende Angst unter den Menschen in den baltischen Ländern“ wahr. Sie komme durch „vom Osten gesteuerte Provokationen, die ein klares Ziel haben: Verunsicherung zu stiften“, sagte Gänswein. Das Thema „Russland“ beschäftige die Menschen im Baltikum derzeit am meisten. Man frage sich, ob es bald einen Krieg gebe und ob die Nato den baltischen Staaten dann zur Seite stehen werde. Auch erinnere man sich an die sowjetische Unterdrückung, die 1990 endete und sehe sich nach einer friedlichen Zukunft. DT/elih

 

Katholischen Journalismus stärken

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Stärken Sie katholischen Journalismus!

Unterstützen Sie die Tagespost Stiftung mit Ihrer Spende.
Spenden Sie direkt. Einfach den Spendenbutton anklicken und Ihre Spendenoption auswählen:

Die Tagespost Stiftung-  Spenden

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Meldung Georg Gänswein Leo XIV. Päpste Päpstlicher Botschafter Waffenruhen

Weitere Artikel

Erzbischof Georg Gänswein wird 70. Hier spricht er über die Aussöhnung mit Papst Franziskus, den schwierigen Neubeginn im Baltikum und seine Pläne für eine Seligsprechung von Benedikt XVI.
29.07.2026, 14 Uhr
Benjamin Leven
Papst Leo hat das Personenkarussell kräftig angeschoben. Da reicht auch ein ligurisches Mahl kaum aus, um sich über die Neuigkeiten auszutauschen.
12.04.2026, 07 Uhr
Mario Monte

Kirche

Nach 16 Jahren als Abt reicht Maximilian Heim den Staffelstab weiter. Die zurückliegende Visitation des Klosters mag belastend gewesen sein, die Ergebnisse waren es nicht.
26.08.2026, 10 Uhr
Stephan Baier
Mehr als 500 Menschen feiern in Treppeln den Baufortschritt am Bernhardshof. Die Zisterzienser von Neuzelle wollen hier im kommenden Jahr einziehen.
25.08.2026, 18 Uhr
Rocco Thiede
Kein Happy-End in der Basilika? Um die zeitgenössische Formensprache ist ein Konflikt entbrannt.
24.08.2026, 18 Uhr
Angela Hörnig
Gedanken über den Weg zur Berufung und auch zum Beruf. Wir brauchen keine erschöpften Erfolgsfunktionäre.
25.08.2026, 07 Uhr
Alexander Ertl