Nach Äußerungen von Erzbischof Georg Gänswein, dem apostolischen Nuntius in den baltischen Staaten, wird über eine mögliche Seligsprechung Benedikts XVI. spekuliert. Bei einer Veranstaltung in der Nationalbibliothek in Litauen sagte der langjährige Privatsekretär des emeritierten Papstes, er hoffe auf eine baldige Eröffnung eines entsprechenden Verfahrens. Kirchenrechtlich wäre ein solcher Schritt jedoch frühestens ab 2028 regulär möglich.
Auslöser der Debatte sind Berichte über die mutmaßliche Heilung eines US-Amerikaners von Krebs auf die Fürsprache Benedikts XVI. Allerdings soll sich der Vorgang noch zu Lebzeiten des Papstes ereignet haben. Für Selig- oder Heiligsprechungsverfahren erkennt die katholische Kirche grundsätzlich nur Heilungen an, die nach dem Tod eines Kandidaten auf dessen Fürbitte hin geschehen sind. Zudem schreibt das Kirchenrecht eine Wartefrist von fünf Jahren zwischen Tod und Verfahrenseröffnung vor.
Vatikan prüft umstrittenes Wunder
Von dieser Frist kann der Papst dispensieren. Benedikt XVI. selbst hatte im Jahr 2005 ein vorgezogenes Verfahren für seinen Vorgänger Johannes Paul II. genehmigt. Ob Papst Leo XIV. von einer ähnlichen Ausnahme Gebrauch machen wird, ist derzeit offen. Ohne päpstliche Dispens könnte das Verfahren für Benedikt XVI. regulär ab dem 1. Januar 2028 beginnen. Zuständig wäre – wie bei verstorbenen Päpsten üblich – der Vatikan; ergänzend kann das Heimatbistum eingebunden werden, im Fall Benedikts die Diözese Passau.
Unabhängig davon ist die Frage eines möglichen Wunders ungeklärt. Der Vatikan prüft derzeit, ob die berichtete Heilung tatsächlich auf eine Fürsprache Benedikts XVI. zurückzuführen ist. Bei dem Betroffenen handelt es sich um den US-Amerikaner Peter Srsich aus Colorado. Nach Angaben der italienischen Tageszeitung „Il Giornale" litt er an einem fortgeschrittenen Hodgkin-Lymphom, das auf sein Herz drückte. Selbst eine Biopsie galt als zu riskant.
Über die Organisation „Make-a-Wish“ wurde Srsich damals ein kurzes Treffen mit Benedikt XVI. während einer Generalaudienz ermöglicht. Der Papst soll ihn gesegnet und dabei seine Hand auf die Stelle gelegt haben, an der sich der Tumor befand – ohne von der Erkrankung zu wissen. In der Folge besserte sich der Gesundheitszustand des Patienten entgegen aller medizinischen Prognosen deutlich. Heute ist Srsich Priester. DT/dsc
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