Was war das für eine Woche! Doch mancher hat sie verpasst! Jedem seien die Weihnachtsferien gegönnt – aber Herr Professor kann kaum verbergen, dass ihm das Skilaufen schlecht bekommen ist. Und so steuern wir von der Metro-Station „Ottaviano“, wo wir verabredet sind, gleich das nahe gelegene Restaurant „China Inn“ an. Das sind nur wenige Schritte für den etwas humpelnden Heimkehrer, aber das Ziel ist eine gute Adresse. Das Restaurant bietet chinesische und japanische Speisen an, aber der Besitzer ist Philippiner. Katholisch selbstverständlich, was er auch gar nicht verbirgt: Selbst mit Papst Leo hat er sich schon ablichten lassen, wie der Fotogalerie am Eingang zu entnehmen ist. Besondere Eigenschaften des Restaurants: Hier gehen auch Chinesen essen, was ein untrügliches Zeichen dafür ist, dass die Küche nicht die schlechteste ist. Die Vorbesitzer waren waschechte Chinesen. Doch nachdem es sie nach Lissabon zog und der Philippiner den Laden übernahm, haben die Menüs noch einmal einen Qualitätssprung nach oben gemacht.
Die schönen Nachrichten vom Massenansturm zum Ende des Heiligen Jahrs samt Schließung des Gnadenportals und dem Auflauf der Kardinäle zum großen Konsistorium will Herr Professor nicht so recht gelten lassen (wohl weil er nicht dabei war): Das Treffen des Papstes mit den Purpurträgern sei wohl nicht das große Ereignis gewesen, das er sich ursprünglich ausgemalt habe. Und gegen die Stuhlkreise sei er sowieso allergisch. Was denn früher so schlecht daran gewesen sein soll, wenn die Teilnehmer solcher Versammlungen eine ordentliche Redezeit im Plenum bekommen hätten und sich nachher beim Café an der Synoden-Bar oder den Mahlzeiten ausgetauscht hätten? Auch früher habe man zugehört und still für sich nachgedacht.
Seit Jahren, meint Herr Professor und schaufelt sich noch einen Löffel mit Sesamsamen und Chili leicht gewürzten Wakame hinein, tue man so, als habe das Konzil die Dinge der Kirche wieder ins rechte Lot gebracht und jetzt heiße es: weiter so!
Auch bei den süß-sauer zubereiteten Entenstreifen merkt mein Gegenüber kaum so richtig, was er gerade isst, und hält eine kleine Vorlesung über Fortschritt und Tradition. Auf den Einwand, dass Papst Leo in seinem Einladungsbrief an die Kardinäle gerade beim Thema Liturgie eine vertiefte theologische Reflexion angemahnt habe, um die gesunde Tradition zu bewahren, um sich dennoch einem legitimen Fortschritt zu öffnen, kontert Herr Professor, dass man beim Konsistorium eben genau die Liturgie ausgespart habe, obwohl sie doch am deutlichsten den schnöden Bruch mit der Vergangenheit veranschauliche. Auch wenn manche immer noch von der Hermeneutik der Kontinuität sprechen würden, fügt der Professor fast ironisch an und ist schon beim Reisschnaps angelangt.
Außerdem, so fügt mein offensichtlich doch ziemlich genau informiertes Gegenüber an, seien der Glaubenspräfekt und der Generalsekretär der römischen Bischofssynode Hauptvortragende beim Konsistorium gewesen. Kardinal Victor Manuel Fernández zum Thema Evangelisierung und Kardinal Mario Grech in Sachen Synodalität. Nichts gegen diese hohe Geistlichkeit, so versucht es Herr Professor mal zur Abwechslung ganz diplomatisch zu formulieren, aber statt Altbekanntes vorzutragen, hätten niveauvolle Beiträge aus dem Mund von Kardinälen mit hohem geistigen und internationalen Gewicht dem Treffen sicher auch nicht schlechtgetan. Wo er recht hat, da hat er recht. Auf der aufsteigenden 10-Punkte-Skala geben wir dem „China Inn“ ganze acht Punkte – und bestellen ein Taxi, da dem angeschlagenen Professor eine Fahrt in den rüttelnden Stadtbussen nun wirklich nicht zuzumuten ist.
Das „Ristorante China Inn“ liegt ganz in der Nähe der Piazza del Risorgimento in der Via Vespasiano, Hausnummer 13.
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