Zweites Vatikanum

Pater Sebastian Tromp SJ: Der Vorbereiter

Berater, Periti, prägende Gestalten: In der lockeren Serie der „Tagespost“ über die „theologischen Köpfe“ des Zweiten Vatikanums darf der Mann nicht fehlen, der zahlreiche Schemata für das Konzils bereits entworfen hatte: Pater Sebastian Tromp SJ.
Einzug Zweites Vatikanum Oktober 1962
Foto: Wikimedia/gemeinfrei | Als die Väter am 11. Oktober 1962 zum Konzil in die Petersbasilika einzogen, lagen bereits Textschemata vor, an deren Vorbereitung Pater Sebastian Tromp im Auftrag von Papst Johannes XXIII.

Sebastiaan Peter Cornelis Tromp hatte bereits das siebzigste Lebensjahr erreicht (geboren 1889 in Beek), als er von Johannes XXIII. – auf ausdrücklichen Wunsch seines Vorgesetzten Kardinal Alfredo Ottaviani – zum Sekretär der Theologischen Kommission des Zweiten Vatikanischen Konzils ernannt wurde. Für Insider war diese Ernennung wirklich nicht verwunderlich: Denn der holländische Jesuit deutscher Abstammung sprach nicht nur viele europäische Sprachen und war ein angesehener Latinist, sondern er gehörte auch zu dem engen Kreis der Jesuiten, die für Pius XII. gearbeitet hatten. Er hatte mehr als zwanzig Jahren lang im Heiligen Offizium als Consultor gedient, verschiedene Visitationen durchgeführt und drei Enzykliken vorbereitet. Er kannte die Probleme der Kirche nicht nur aufgrund dieser seiner zweiten Arbeitsstelle. Denn eigentlich war er an der Gregoriana Professor für Fundamentaltheologie und konnte eine lange Liste von Publikationen vorweisen.

Von Juni 1960, dem Monat seiner Ernennung zum Sekretär der Theologischen Vorbereitungskommission, bis Oktober 1962, da das Konzil begann, bereitete Tromp – auf ausdrücklichen Wunsch des Papstes – verschiedene Schemata aus. Genau genommen stammte nur wenig dieser Schemata von ihm selbst, denn die Kommission wurde in Gruppen aufgeteilt, und dort vergab man dann an Mitglieder und Konsultoren Teile der Schemata, die Tromp bereits in groben Gliederungen erstellt hatte. Die fertigen Schemata wurden von der Zentralkommission überprüft, Änderungswünsche eingearbeitet, und schließlich dem Papst übergeben. Johannes XXIII. lobte die Entwürfe, wie man heute noch im Archiv sehen kann. Papst Johannes war der Meinung, das Konzil werde nur wenige Wochen tagen, die Bischöfe würden kommen, die fertigen Entwürfe unterschreiben und nach Hause zurückkehren.

Die Kirche wird im Opfer geboren

Pater Tromp hatte schon in den frühen fünfziger Jahren behauptet, für ein Konzil brauche es Diskussionen, viele Diskussionen – und es war wohl eher seine Erfahrung als eine prophetische Gabe, dass er vor dem Konzil sagen konnte: „Meine Herren, Sie dürfen nicht die besten Entwürfe machen. Die werden dann totsicher nicht kommen. Sie müssen nicht meinen, die Herren, die aus Deutschland, Frankreich und so weiter kommen, wollen nur Unterschriften leisten. Sie müssen ihnen die Möglichkeit echter Verbesserungen geben.“ Aber es ging nicht um Verbesserungen, denn Tromps Mitbruder Karl Rahner und der junge Theologe Joseph Ratzinger erstellten in aller Eile ein neues Schema über die Offenbarung, das das über zwei Jahre von einem Dutzend Theologen ausgearbeitete Schema der Theologischen Kommission ersetzen sollte. Ganz ähnlich erging es dem Schema über die Kirche, das durch ein dünnes deutsches Schema ersetzt werden sollte. Keines dieser Vorhaben führte zum Erfolg.

Die Fähigkeit zur Zusammenarbeit ist in einem Konzil wichtig, nicht das Gegeneinander. Mit dem Belgier Gérard Philips verband Tromp eine langjährige Bekanntschaft. Und doch schrieb Philips hinter Tromps Rücken ein neues Schema über die Kirche, in dem er nur das eine Kapitel stehen ließ, das er selbst für die Vorbereitungskommission geschrieben hatte. Tromp empfing Philips mit klaren, harten Worten, die ihr Ziel nicht verfehlten. Und die doch so waren, dass Philips noch nach dem Konzil eine herzliche Widmung für Tromp in einem seiner Werke hinterließ. Ein Doktorand von Tromp, der Dogmatikprofessor Michael Seybold, schrieb dazu: „An der bis zur Selbstverleugnung reichenden Haltung, die Tromp an den Tag legte, da man ihm den Löwener Theologen Gérard Philips als weiteren Sekretär zur Seite stellte, wird etwas ansichtig von der inwendigen Methodik des Konzils, in welcher der Inhalt der Wahrheit und die Gestalt ihrer Auffindung gleichförmig werden: Die Kirche wird im Opfer geboren, sie entsteht und wächst vom Kreuze her, aus dem (eucharistischen) Opferleib Christi. Ihre Wahrheit entbirgt sich dem, der sich in ihn einformen lässt.“

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Still und ohne viel Aufhebens

Gérard Philips, zehn Jahre jünger als Tromp und nur zweiter Sekretär, hielt das Arbeitspensum auf dem Konzil nicht aus, erlitt einen Herzinfarkt und zog sich zurück. Der alte Jesuit Tromp dagegen, dessen Gesundheit nicht immer gut war, hielt durch.

Sicherlich brauchte er die Unterstützung der Mikrofonanlage, um die Interventionen der Väter zu hören, da er schon schwerhörig war. Und als er nach dem Konzil von Papst Paul VI. gebeten wurde, einen Index zu allen Konzilsdokumenten in ein paar Monaten zu machen, bat er um viel, viel mehr Zeit. Seine Arbeitskraft ließ nach. Es war wohl eine der letzten Arbeiten für den Heiligen Stuhl, so wie der letzte Band seiner Ekklesiologie, ein Buch über die Muttergottes, seine letzte wissenschaftliche Arbeit wurde.

Der Index wurde noch einmal bei seiner Beerdigung (1975) zitiert. Der Konzilssekretär Felici hatte bemerkt – nicht seine Mitbrüder, die bereits in ganz andere theologische Einstellungen hatten –, dass dieser Index mit dem Wort „abnegatio“ (Verleugnung) beginnt und mit dem Wort „zelus“ (Eifer) schließt. Eine Klammer, die auch das Leben Pater Tromps und seine Rolle auf dem Konzil kennzeichnet, wo er durchaus weichenstellende Ausdrücke einarbeitete – so das viel diskutierte „subsistit in“ – aber doch meist seine Aufgabe still und ohne viel Aufhebens versah.

Ein Leben im Dienst der Kirche

Tromp hatte gesehen, wo die Probleme der Kirche lagen. Und doch wurde er nicht gehört. Früh hatte er gesagt, es sei nötig, sich um die Ehepastoral zu kümmern, aber es lagen ihm generell die Probleme der Kirche und der Ökumene am Herzen.

Ein kürzlich verstorbener Mitbruder von Pater Tromp, der ihn noch in der Kommunität erlebt hat, berichtete von der großen Sicherheit, die der alte Jesuit hatte. Bei Diskussionen konnte er eingreifen und mit der ihm eigenen Selbstverständlichkeit sagen, was der Glaube der Kirche war. Ohne Wenn und Aber – Diskussion nutzlos. Aber wenn er mit einer gewaltigen Portion Humor, die auch seine Gegner schätzen, während seiner Vorlesungen, auf seine Bücher deutend sagen konnte: „Spiritus Sanctus dixit ad me, bene scripsisti Sebastiane!“ (Der Heilige Geist sagte mir, gut hast Du geschrieben, Sebastian!), so gilt das ohne Zweifel und Ironie für die Texte „Lumen Gentium“, „Gaudium et Spes“ und „Dei Verbum“, die ohne sein Zutun nicht oder nicht so entstanden wären. Er war selbstsicher, ohne überheblich zu sein. Für die Historiker hinterließ er ein detailliertes 17-bändiges Konzilstagebuch, in dem er Tag für Tag, Stunde für Stunde verzeichnete, welches Wort, warum und von wem in die Konzilstexte eingefügt wurde. Ein Leben ganz im Dienst der Kirche und als Krönung am Ende ganz im Dienste des Konzils.

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