Vatikanstadt

Gibt es bald drei Päpste?

Bevor er sich unter Vollnarkose nochmals operieren lasse, trete er eher zurück – soll Franziskus italienischen Bischöfen gesagt haben.
Papst Franziskus im Rollstuhl
Foto: IMAGO/Stefano Costantino (www.imago-images.de) | Inzwischen schon ein gewohntes Bild: Bei den meisten öffentlichen Auftritten und den üblichen Audienzen sitzt der Papst im Rollstuhl.

Dass Papst Franziskus bei den meisten öffentlichen Auftritten und den üblichen Audienzen nun im Rollstuhl sitzt, ist inzwischen schon ein gewohntes Bild. Franziskus spricht von Beschwerden im Knie, die er mit „Infiltrationen“ und einer völligen Ruhestellung des Beins in den Griff bekommen wolle. Aber eine Besserung stellt sich nicht ein.

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Als der Papst am vergangenen Dienstag mit den italienischen Bischöfen zusammenkam, als diese in Rom zu ihrer Vollversammlung zusammenkamen, soll Franziskus Journalisten zufolge auch über seine Behinderung gesprochen haben. Er wolle sich, so schrieb etwa Sandro Magister auf seinem Blog bei „L’Espresso“, auf keinen Fall operieren lassen, wenn die Vollnarkose dieselben Folgen habe wie jene bei der Darmoperation im Juli 2021. „Bevor ich mich operieren lasse, trete ich eher zurück“, soll der Papst gesagt haben – wegen „der Probleme im Kopf“, die eine Vollnarkose verursache.

„Probleme im Kopf“

Diese Aussage des Papstes wurde nicht von öffentlicher Seite bestätigt, aber sie wurde auch nicht von den Vatikanmedien dementiert. Stattdessen hat sie der vatikannahe Onlinedienst „Il Sismografo“ weiter verbreitet. Die eigentliche Nachricht ist dabei nicht die, dass sich der Papst wegen einer Arthrose am Knie und in der Hüfte (die argentinischen Journalisten zufolge schon in seiner Zeit in Argentinien operiert wurde) des rechten Beines nicht operieren lassen will, sondern dass ihm die Ärzte einen solchen Eingriff wohl empfohlen haben, der allerdings nur unter Vollnarkose stattfinden kann. Die elf ärztlichen Bulletins, die nach der Operation des Papstes in der Gemelli-Klinik im vergangenen Sommer erschienen, sprachen nicht von jenen „Problemen im Kopf“, aber dass die starken Schmerzmittel in der postoperativen Phase Franziskus sehr leiden ließen, ist durchaus möglich.

Einer regiert, zwei ruhen aus

Seine Bemerkung, dass er eher zurücktrete, als sich nochmals unter Vollnarkose operieren zu lassen, versieht nicht nur die vom Vatikan für dieses Jahr bereits angekündigten Reisen des Papstes mit einem Fragezeichen – Süd-Sudan, Kongo und Kanada im Juli. Es werden auch Erinnerungen an den Rücktritt von Benedikt XVI. wach. Sollte Franziskus seinem Vorgänger folgen und den Platz frei machen für einen wieder ganz beweglichen Nachfolger, käme auf die Kirche die völlig außergewöhnliche Situation zu, drei Päpste zu haben – zwei im Ruhestand und einen, der amtiert.
DT/gho

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