Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Papst in der Mongolei

Die Religionen tragen zum Aufbau einer gerechten Gesellschaft bei

Am ersten Tag seines Besuchs in der Mongolei ruft Papst Franziskus zu Frieden, Religionsfreiheit und persönlichem Gebet auf – und mahnt zur Einheit mit den Bischöfen.
Papst Franziskus nimmt an Begrüßungszeremonie  auf  Sukhbaatar Platz teil.
Foto: Ng Han Guan (AP) | Papst Franziskus nimmt an einer Begrüßungszeremonie vor dem Saaral Ordon Regierungsgebäude auf dem Sukhbaatar Platz teil.

Am Samstag hat der offizielle Teil der Reise von Papst Franziskus in die Mongolei begonnen. Nach der Willkommenszeremonie und einem privaten Treffen mit dem Präsidenten Ukhnaagiin Khürelsükh hielt der Heilige Vater seine erste Ansprache auf mongolischem Boden bei der Begegnung mit Behördenvertretern, der Zivilgesellschaft und Diplomaten im „Ikh Mongol“-Saal des Staatspalastes (Ulaanbaatar) um 10.20 Uhr Ortszeit. 

Franziskus ging dabei von den traditionellen mobilen Behausungen, den „Ger“, aus. Mit ihrer Lebensweise helfen die mongolischen Nomaden – so der Papst weiter – zu erkennen „was für uns Christen die Schöpfung ist, also die Frucht eines wohlwollenden Plans Gottes“. Die mongolischen Behausungen „zeugen darüber hinaus von der wertvollen Verbindung zwischen Tradition und Moderne“. 

Papst ruft mit eindringlichen Worten zum Frieden auf

Der Papst rief mit eindringlichen Worten zum Frieden auf: „Mögen die dunklen Wolken des Krieges vorüberziehen, mögen sie vom festen Willen einer universalen Geschwisterlichkeit hinweggefegt werden.“ Die Erde werde von zu vielen Konflikten verwüstet. Franziskus rief zur Achtung internationaler Gesetze sowie zum Dialog auf und verlangte Grundrechte für alle Menschen: „Bemühen wir uns gemeinsam darum, eine Zukunft des Friedens zu errichten.“ Franziskus lobte die ablehnende Haltung der Mongolei zu Atomwaffen, ihre friedliche Außenpolitik, die Abschaffung der Todesstrafe und auch die weltpolitische Positionierung. Die Mongolei habe „eine bedeutende Rolle im Herzen des großen asiatischen Kontinents und auf der internationalen Bühne“.

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Beim Betreten eines traditionellen „Ger“, werde „der Blick zur Mitte, zum höchsten Punkt, hinaufgelenkt. Dort befindet sich ein Fenster zum Himmel“. Den Blick nach oben zu richten, bedeute, „in einer Haltung bereitwilliger Offenheit für die religiösen Lehren zu bleiben. Im Innersten eurer kulturellen Identität gibt es nämlich eine tiefe spirituelle Konnotation und es ist schön, dass die Mongolei ein Symbol für Religionsfreiheit ist“. Wenn sich die Religionen „auf ihr ursprüngliches spirituelles Erbe zurückbesinnen und nicht durch sektiererische Abweichungen korrumpiert werden“, seien sie „in jeder Hinsicht verlässliche Stützen beim Aufbau gesunder und blühender Gesellschaften, in denen sich die Gläubigen darum bemühen, dass das zivile Zusammenleben und das politische Wirken immer mehr im Dienst des Gemeinwohls stehen, und damit auch dem gefährlichen Nagen der Korruption einen Riegel vorschieben.“

Die katholische Gemeinschaft habe in diesem Sinne vor 30 Jahren begonnen, „ihren Glauben in einem ‚Ger‘ zu feiern, und auch die jetzige Kathedrale in dieser großen Stadt erinnert in ihrer Form daran“. Dies sei ein Zeichen „des Wunsches, mit dem mongolischen Volk, das ihr Volk ist, im Geiste eines verantwortungsvollen und geschwisterlichen Dienstes zusammenzuwirken“. Sie verbreite „eine Kultur der Solidarität, eine Kultur des Respekts für alle und eine Kultur des interreligiösen Dialogs“, sie setze sich für Gerechtigkeit, Frieden und soziale Harmonie ein.

Die Rolle der Bischöfe

Um 16.00 Uhr Ortszeit traf der Papst mit Bischöfe, Priestern, Missionaren, Personen des geweihten Lebens und Pastoralreferenten aus der Mongolei zusammen. In der Kathedrale Peter und Paul in Ulaanbaatar war eine große Anzahl der knapp 1.500 Getauften des asiatischen Landes anwesend. 

Nach den Zeugnissen einer Missionarin der Nächstenliebe, des mongolischen Priesters Peter Sanjaajav und einer Pastoralreferentin wies der Heilige Vater auf die wahre Quelle der Gläubigen hin: „Ein Christ ist jemand, der weiß, wie man anbetet. Vergessen Sie die Anbetung nicht. Brüder und Schwestern, das christliche Leben entsteht aus der Betrachtung dieses Antlitzes. Es ist eine Frage der Liebe, der täglichen Begegnung mit dem Herrn im Wort und im Brot des Lebens, im Antlitz der anderen, in den Bedürftigen, wo Christus gegenwärtig ist.“

Die Botschaft des Evangeliums sei kein politisches Versprechen: „Als der Herr Jesus die Seinen in die Welt sandte, sandte er sie nicht, um politisches Gedankengut zu verbreiten, sondern um mit ihrem Leben Zeugnis von der Neuheit des Evangeliums abzulegen.“

Papst betont die Bedeutung der Gemeinschaft

In seiner Rede über die Kirche betonte der Papst die Bedeutung der Gemeinschaft: „Ich lade euch ein, im Bischöfe nicht einen Manager zu sehen, sondern das lebendige Abbild Christi, des Guten Hirten, der sein Volk sammelt und führt; einen Jünger, der mit dem apostolischen Charisma erfüllt ist, damit er eure Bruderschaft in Christus aufbaut und sie immer mehr in dieser Nation mit einer edlen kulturellen Identität verwurzelt.“ Daher sei es sich wichtig, dass sich alle Teile der Kirche um den Bischöfe scharten und so eine synodale Gemeinschaft schafften.

An die Missionare richtete der Papst die Aufforderung, „immer nahe bei den Menschen zu sein, sie persönlich zu betreuen, die Sprache zu lernen, ihre Kultur zu respektieren und zu lieben, sich nicht von weltlichen Sicherheiten verführen zu lassen, sondern durch eine vorbildliche geistliche und moralische Aufrichtigkeit im Evangelium standhaft zu bleiben“.

Am Ende des Treffens segnete Papst Franziskus eine Marienstatue aus Holz, die vor etwa zehn Jahren zwischen Abfällen gefunden und von einer Frau gerettet wurde. Seitdem steht sie in der katholischen Kathedrale in der Hauptstadt. Die Muttergottes habe der Gemeinde ein Zeichen ihrer „diskreten und fürsorglichen Gegenwart“ geben wollen, „indem sie es geschehen ließ, dass man ein Bildnis von ihr in einer Mülldeponie fand“, sagte der Papst. Aus dem Schmutz des Mülls sei die Reinheit Mariens hervorgetreten.

 

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