Die Einheit mit der Weltkirche hat der Vorsitzende der Österreichischen Bischofskonferenz, Erzbischof Franz Lackner, am Freitag in Wien betont. „Wir sind in einer Universalkirche, und wir wollen in dem universalen Kontext bleiben“, sagte Lackner in einer Pressekonferenz zum Abschluss der Vollversammlung der Bischofskonferenz. Er wandte sich auf Fragen mehrerer Journalisten nach Reformen in der sogenannten Frauenfrage ausdrücklich gegen Alleingänge des deutschen Sprachraums: „Den Glauben haben nicht wir in Europa erfunden.“ Die Synode habe auch gezeigt, dass „das deutsche Element keine Rolle mehr“ spielt, so sei Deutsch etwa keine Konferenzsprache mehr.
Die sakramentale Leitung liege beim Bischof, aber er sei bereit, Verantwortung zu teilen. Frauen hätten in der österreichischen Kirche in vielen Bereichen echte Leitungs- und Personalverantwortung. Mit Blick auf die weltweiten synodalen Prozesse betonte Erzbischof Lackner deren geistliche Dimension: „Wir reden überhaupt nicht mehr über Auferstehung. Das ist aber das Top-Thema. Wir haben hier etwas verloren.“ Das bedürfe einer Gewissenserforschung. Auch eine Presseerklärung der Bischofskonferenz zur Synodalität, die Erzbischof Lackner in Wien vorstellte, betont den geistlichen Aspekt: „Umkehr“ sei ein Schlüsselbegriff im Synodendokument. „Mit Synodalität ist daher zuallererst eine Haltung beschrieben, in der man gemeinsam auf das hören will, was Gott uns heute sagt.“ Synodalität sei kein Selbstzweck, sondern das gemeinsame Gehen der Christen mit Christus und auf das Reich Gottes zu.
40.000 Ehrenamtliche sind „ein Segen"
Eine synodale Kirche brauche auch Strukturen, die diese geistliche Haltung ermöglichen. Dazu seien Transparenz, Rechenschaftspflicht und Evaluierung nötig, heißt es in der Erklärung der Österreichischen Bischofskonferenz. Und weiter: „So wirken in den Pfarrgemeinderäten und pfarrlichen Vermögensverwaltungsräten über 40.000 gewählte Mitglieder ehrenamtlich mit. Sie sind ein Segen und aus dem kirchlichen Leben in Österreich nicht mehr wegzudenken.“
Auch die Kriege in Nahost und in der Ukraine waren bei der Vollversammlung der Österreichischen Bischofskonferenz in dieser Woche ein Thema. Dabei stellten die Bischöfe fest, dass die Anzahl antisemitischer Vorfälle auch in Österreich signifikant gestiegen sei. Die Bischöfe betonen in einer eigenen Erklärung das Existenzrecht Israels, wie auch Israels Recht, sich zu verteidigen. „Gleichzeitig halten wir fest, dass die Menschenrechte sowie das humanitäre Völkerrecht und das Kriegsvölkerrecht von allen Seiten ohne Ausnahme zu achten ist“, so Österreichs Bischöfe. Der aktuelle Krieg bringe weder für Israelis noch für Palästinenser Sicherheit und Frieden.
Sofortiger Waffenstillstand an allen Fronten
Die Bischöfe Österreichs fordern „die unverzügliche Freilassung aller noch in Gaza festgehaltenen Geiseln und einen sofortigen Waffenstillstand an allen Fronten“. Sie verurteilen zugleich „alle Gewaltakte gegen Zivilisten, sei es in Gaza, in Nordisrael, im Westjordanland oder im Libanon“. Zivile Infrastruktur, Krankenhäuser und Schulen dürften weder für militärische Zwecke missbraucht werden noch Ziele militärischer Angriffe sein. Den UN-Organisationen und anderen Hilfswerken müsse die Arbeit ermöglicht werden, so die Bischöfe, die für eine „gerechte politische Ordnung im Heiligen Land, die Israelis und Palästinensern gleichermaßen ein Leben in Würde und mit Zukunftsperspektiven ermöglicht“ werben.
Auf eine Frage dieser Zeitung sagte Erzbischof Lackner, die zeitgleich zur Vollversammlung stattfindende Wahl in den USA habe auch die österreichischen Bischöfe bewegt. Er schließe sich den Worten von Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin an, der Donald Trump Weisheit und Demut wünschte. Die USA hätten auch eine „Verantwortung für das Ganze“.
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