Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Österreich

Bischöfe sehen Glaubenswissen verdunsten

Erzbischof Franz Lackner sieht zugleich eine „unerwartete Nachfrage nach Wegen zum Christsein“. Sorgen bereitet den Bischöfen der wachsende Antisemitismus.
Erzbischof Franz Lackner
Foto: Foto Kuss Mariazell, Österreichische Bischofskonferenz | Der Salzburger Erzbischof Franz Lackner ist zugleich Vorsitzender der österreichischen Bischofskonferenz.

Besorgt über die „hohe Zahl an antisemitischen Vorfällen und Übergriffen auch in Österreich“ zeigt sich die Österreichische Bischofskonferenz. Diese seien seit dem Krieg Israels gegen die Terrororganisation Hamas stark gestiegen, heißt es in einer Stellungnahme der Bischöfe vom Freitag. Wie der Vorsitzende der Bischofskonferenz, der Salzburger Erzbischof Franz Lackner, in einer Pressekonferenz in Wien ausführte, hoffen und beten Österreichs Bischöfe, „dass der brüchige Waffenstillstand endlich zu einem gerechten Frieden für alle Menschen im Heiligen Land führen wird“. In den sozialen Medien tobe allerdings unterdessen „ein hasserfüllter Krieg der Bilder und Worte, der den Antisemitismus hemmungslos befeuert“. Jüdisches Leben müsse aber in Österreich „als selbstverständlicher Teil der Gesellschaft sichtbar möglich und sicher sein“.

Lesen Sie auch:

Eine nüchterne Bilanz zogen Österreichs Bischöfe bei ihrer Herbstvollversammlung mit Blick auf den Schwund des gelebten Glaubens in ihrem Land: „Ein nüchterner Blick zeigt, dass die über Jahrhunderte fast selbstverständliche Zugehörigkeit zur Volkskirche in Österreich erodiert.“ Es gebe ein „schleichendes Verdunsten des Glaubenswissens und ein Abnehmen traditioneller Glaubenspraxis“. Gleichzeitig jedoch wachse eine „unerwartete Nachfrage nach einem Weg zum Christsein“, was die steigende Zahl der Erwachsenentaufen zeige. Wörtlich heißt es in einer Stellungnahme der Bischöfe: „Die Sehnsucht nach Sinn und Orientierung angesichts persönlicher und globaler Krisen hat spürbar zugenommen.“ Die Bischöfe sehen viele Ansatzpunkte für eine missionarische Kirche in Österreich. Das wirke sich auch auf die finanzielle Prioritätensetzung aus, meinte Erzbischof Lackner auf eine Nachfrage dieser Zeitung.

Kein gesetzliches Kopftuchverbot

Das Vorhaben der österreichischen Bundesregierung, das muslimische Kopftuch für Mädchen bis 14 Jahren an Schulen gesetzlich zu verbieten, sieht die Bischofskonferenz kritisch. Auf eine Frage der „Tagespost“ bekräftigte deren Generalsekretär Peter Schipka am Freitag, dass er ein solches Verbot rechtlich für fragwürdig hält, weil es die Religionsfreiheit wie das elterliche Erziehungsrecht verletze. „In Fragen der religiösen Kleidung sollte es weder staatliche Verbote noch Gebote geben.“ Das Mobbing gegen muslimische Mädchen an Schulen, mit dem das Gesetz begründet wird, sei eine „Frage der Schulaufsicht“. Es müssten aber nicht jene sanktioniert werden, die fremdem Druck ausgesetzt sind, sondern jene, die Druck ausüben, so Schipka. (DT/sba)

Katholischen Journalismus stärken

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Stärken Sie katholischen Journalismus!

Unterstützen Sie die Tagespost Stiftung mit Ihrer Spende.
Spenden Sie direkt. Einfach den Spendenbutton anklicken und Ihre Spendenoption auswählen:

Die Tagespost Stiftung-  Spenden

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Meldung Antisemitismus Franz Lackner Hamas Religionsfreiheit Waffenruhen Österreichische Bischofskonferenz

Weitere Artikel

Bewährte Spitze: Salzburgs Erzbischof Franz Lackner bleibt Vorsitzender der österreichischen Bischöfe, der Linzer Bischof Manfred Scheuer bleibt sein Stellvertreter.
09.06.2026, 13 Uhr
Meldung
Österreichs Bischöfe sprechen bei der Vollversammlung über missionarische Seelsorge. Die „Tagespost“ fragte auch nach den Nonnen von Goldenstein und dem Kopftuchverbot an Schulen.
13.11.2025, 11 Uhr
Stephan Baier
Von Parteipolitik sollte die Kirche Abstand halten, von einer ethischen Bewertung der Politik allerdings nicht.
16.10.2025, 15 Uhr
Stephan Baier

Kirche

Die Schönstätter Marienschwestern feiern 100-jähriges Bestehen: Die Generaloberin Schwester Joanna M. Buckley erläutert die Ziele ihrer marianisch geprägten Pädagogik.
04.10.2026, 15 Uhr
Regina Einig
Erntedank: Warum wir nicht nur einmal im Jahr für volle Erntekörbe danken sollten, sondern täglich auch für das, was anders kommt als geplant.
04.10.2026, 08 Uhr
Dorothea Schmidt
Sie besucht einen Monat lang die Bistümer Augsburg, Freiburg und Limburg: Die Reliquienreise der heiligen Bernadette steht fest. Auf der Liste stehen 18 Klöster und Kirchen.
01.10.2026, 18 Uhr
Meldung
Wir können uns nicht immer zum Richter über alles aufschwingen. In einem freien Akt der Anerkennung von etwas Größerem wird das Gute für uns sichtbar.
04.10.2026, 19 Uhr
Engelbert Recktenwald