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Ouellet: „Die Kirche ist hierarchisch, nicht demokratisch“

In einem Interview äußert sich Kardinal Ouellet zum geplanten „Synodalen Rat“ – und zum Antwortschreiben von Bischof Bätzing auf das Veto aus dem Vatikan.
Kardinal Marc Ouellet äußert sich zum geplanten „Synodalen Rat“
Foto: MASSIMILIANO MIGLIORATO/CPP / via www.imago-images.de (www.imago-images.de) | "Es ist klar, dass der Dialog fortgesetzt werden muss, auch um ihnen zu helfen, auf dem katholischen Weg zu bleiben“, so Kardinal Ouellet in Richtung der deutschen Bischöfe. 

In einem ausführlichen Interview mit der spanischen Zeitschrift „Omnes“ äußert sich der Präfekt des vatikanischen Dikasteriums für die Bischöfe, Kardinal Marc Ouellet, kritisch über den Synodalen Weg

In dem vorab veröffentlichten Interviewausschnitt führt Kardinal Ouellet aus: „Die Antwort des Vorsitzenden der Bischofskonferenzen, Bischof Bätzing, besagt in gewisser Weise, dass sie die gesamte kirchenrechtliche Ordnung respektieren werden. Das ist gut. Das bedeutet, dass der Dialog fortgesetzt werden muss. Wir warten darauf, dass sie uns konkreter sagen, was sie tun wollen und welche Art von Verzicht sie üben wollen. Dagegen haben wir ganz erhebliche Einwände.“

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Mit „Verzicht“ spielt der Kardinal auf eine in seinen Worten „raffinierte Formel der freiwilligen Selbstverpflichtung“ an: Die Bischöfe könnten „im Voraus das Mehrheitsvotum eines solchen eventuellen Rates akzeptieren“. Dies sei jedoch nicht möglich: „Es wäre ein Verzicht auf das Bischöfe Amt.“ Der Präfekt des Dikasteriums für die Bischöfe führt aus, warum dies mit der Verfasstheit der katholischen Kirche unvereinbar ist: „Wenn die Struktur des Synodalen Rates dazu führt, dass eine Arbeitsweise etabliert wird, wie wir sie beim Synodalen Weg gesehen haben, und wenn so die Kirche in Deutschland in Zukunft geleitet werden soll, dann habe ich den Bischöfe schon sehr deutlich gesagt: Das ist nicht katholisch. Das ist vielleicht die Praxis anderer Kirchen, aber nicht die unserer. Sie ist es nicht, denn sie entspricht nicht der katholischen Ekklesiologie und der einzigartigen Rolle der Bischöfe, die sich aus dem Charisma der Weihe ableitet, das ihnen die Freiheit gibt, zu lehren und zu entscheiden.“

Der Kardinal warnt vor Spaltung

Der Präfekt des Dikasteriums für die Bischöfe erwähnt die Wortmeldungen von Bischöfe aus verschiedenen Orten, die im Laufe der letzten Jahre ihre Besorgnis über den Synodalen Weg zum Ausdruck gebracht haben: Der Synodale Weg führe zur Spaltung „in der Kirche und auch im weltweiten Episkopat“. Die Einheit des Weltepiskopats sei indes „für die Kirche von grundlegender Bedeutung, vor allem in einer Welt, die sich auf einen dritten Weltkrieg zubewegt, der sich bereits anbahnt.“ Denn der Weltepiskopat sei „eine außerordentliche Kraft für den Frieden, die wir schützen und erhalten müssen“. Weder dem Frieden in der Kirche noch dem Weltfrieden sei mit Vorschlägen gedient, die „Verwirrung unter Gottes Volk stiften“.

Der Dialog muss fortgesetzt werden

Kardinal Ouellet geht auf die Aussage von Bischof Bätzing ein, dass man die im Brief ausgesprochene Einladung zum Gespräch mit Rom zeitnah aufgreifen wolle: „Wir werden sehen; wir werden darüber nachdenken, wie der Dialog fortgesetzt werden kann. Jetzt müssen sie dem Kardinalstaatssekretär antworten. Dann werden wir sehen, wie wir den Dialog fortsetzen. Es ist klar, dass der Dialog fortgesetzt werden muss, auch um ihnen zu helfen, auf dem katholischen Weg zu bleiben.“ 

Der Kardinal setzt sein Vertrauen „auf die Gnade Gottes und auf den Episkopat“. Er hofft, „dass sie nach und nach auch unsere Antworten integrieren und sich anpassen werden, dass sie einen Weg finden werden, die Beteiligung der Laien annehmbar zu machen und auf sie zu hören“. Es sei auch der Wunsch des Zweiten Vatikanums gewesen, dass es auf verschiedenen Ebenen unterschiedliche Gremien gibt. Allerdings gebe es einen großen Unterschied „zwischen der Aussage, dass diese Anhörungsstrukturen funktionieren müssen, und der Aussage, dass von nun an demokratisch entschieden wird und die Bischöfe das Ergebnis der Abstimmung im Voraus akzeptieren“. Denn „die Kirche ist hierarchisch, nicht demokratisch.“ 

Gesamtes Interview wird nächste Woche veröffentlicht

Das gesamte Interview soll im Rahmen eines umfangreichen Dossiers in der Februarausgabe der Zeitschrift erscheinen – eine deutsche Fassung wird Ende der nächsten Woche auf omnesmag.com abrufbar sein. Das Gespräch fand am Tag nach der Antwort des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Bischöfe Georg Bätzing, auf das jüngste Schreiben aus dem Vatikan statt. Der Brief vom 16. Januar, der vom Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin, dem Leiter des Dikasteriums für die Glaubenslehre Kardinal Luis Ladaria, und von Kardinal Ouellet selbst unterzeichnet war, bezog sich auf den vom deutschen Synodalen Weg geplanten „Synodalen Rat“ und dessen Vorbereitungsgremium, den „Synodalen Ausschuss“, und stellte fest, „dass weder der Synodale Weg noch ein von ihm eingesetztes Organ noch eine Bischofskonferenzen die Kompetenz haben, den ,Synodalen Rat’ auf nationaler, diözesaner oder pfarrlicher Ebene einzurichten“.

In seinem Antwortschreiben vom 23. Januar erklärt der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, die Beschlüsse des geplanten „Synodalen Rates“ hätten „dieselbe rechtliche Wirkung wie die Beschlüsse der Synodalversammlung“, weshalb sich das neue Gremium „innerhalb des geltenden Kirchenrechts bewegen“ werde. Deshalb sei die in dem vatikanischen Schreiben geäußerte Sorge „nicht begründet“, dass ein neues Gremium „über der Bischofskonferenzen stehen oder die Autorität der einzelnen Bischöfe aushebeln könnte“.  DT/jg

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