Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Katharina von Siena

Kreuz und Dornenkrone

Die Kirchenlehrerin Katharina von Siena muss als Patronin der Anhängerinnen des Diakonats der Frau herhalten - ein bewusst inszeniertes Missverständnis. Ein Kommentar.
Die heilige Katharina von Siena
Foto: imago stock&people | Katharinas Persönlichkeit erschließt sich erst, wenn man die Konsequenzen ihrer Liebe zu Christus betrachtet – vor allem ihre Leidensbereitschaft für den Herrn.

Der liturgische Gedenktag der heiligen Katharina von Siena gipfelt alljährlich in einem bewusst inszenierten Missverständnis: Die mittelalterliche Kirchenlehrerin muss ungefragt als Patronin der Anhängerinnen des Diakonats der Frau herhalten. Nichts deutet darauf hin, dass sich Katharina für diese theologisch schräge und mit dem katholischen Verständnis von der Einheit des dreistufigen Weiheamts unvereinbaren Forderung hätte erwärmen können.

Leidensbereitschaft für den Herrn

Die feministische Perspektive unterscheidet nicht zwischen der Mahnerin Katharina und notorischen Nörglerinnen der Gegenwart. Doch nichts lag der wortgewaltigen Dominikanertertiarin, die höchsten Kirchenvertretern aus Sorge um die Einheit der Kirche ins Gewissen redete, ferner als die Grundhaltung prinzipiell schismabereiter Zeitgenossinnen.

Lesen Sie auch:

Das Leben Katharinas selbst ist gespickt voller Stationen, die von kirchenpolitisch interessierter Seite lieber ausgeklammert werden. Doch Katharinas Persönlichkeit erschließt sich erst, wenn man die Konsequenzen ihrer Liebe zu Christus betrachtet –  vor allem ihre Leidensbereitschaft für den Herrn. Wer Pestkranke unter persönlicher Lebensgefahr pflegt, ein intensives Gebetsleben trotz schlechter körperlicher Verfassung lebt und den Gehorsam gegenüber den kirchlichen Vorgesetzten akzeptiert, verändert die Kirche ohne Strukturreform, aber durch persönliche Umkehr.

Wer die würdigen Nachfolgerinnen Katharinas sind

Darin liegt der Unterschied zu den bürgerlich-etablierten Wortführerinnen der Debatte für den Diakonat der Frau. Es gibt keinen Versuch im Leben Katharinas, den persönlich erkannten Willen Gottes gegen die Tradition der Kirche auszuspielen. Würdige Nachfolgerinnen der heiligen Katharina sind heute Frauen, die in Kriegsgebieten bei denen ausharren, die nicht fliehen können, die sich unter elenden wirtschaftlichen Bedingungen für die Ausbreitung des Evangeliums einsetzen, am Beten festhalten und andere mahnen, wenn die Einheit der Kirche auf dem Spiel steht.

Katharinas Attribute sind Kreuz, Wundmale, Dornenkrone und Lilie. Welches würden sich die Anhängerinnen des Diakonats selbst zutrauen?

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Regina Einig Jesus Christus Kirchen und Hauptorganisationen einzelner Religionen Kirchenlehrerinnen und -lehrer

Weitere Artikel

Warum Annette Jantzens Kritik an der vermeintlich patriarchalischen Engführung der katholischen Leseordnung nicht überzeugt.
13.07.2026, 09 Uhr
Margarete Strauss
Weil die Menschen Lehren aus der Geschichte ziehen, wird die Welt fortschrittlicher: Dieser Optimismus prägt immer noch das Denken im Westen, ist aber nicht mehr selbstverständlich.
15.08.2026, 13 Uhr
Sebastian Zellner
Tourismus ist für viele Länder Fluch und Segen zugleich. In Ägypten weisen zwei Projekte den Weg jenseits der Massenbespaßung. Mittendrin: Frauen und Beduinen.
08.08.2026, 17 Uhr
Andreas Drouve

Kirche

Tadel für Benedikt XVI. wegen mangelnder Berücksichtigung des jüdisch-christlichen Dialogs und Sympathie für die Piusbruderschaft: Wie passt das zusammen?
20.08.2026, 17 Uhr
Benjamin Leven
Im quirligen spanischen Katholizismus war er Stabilisator und treibende Kraft zugleich: Kardinal Antonio Rouco Varela wird 90 Jahre alt. Um klare Positionierung war er nie verlegen.
20.08.2026, 09 Uhr
Regina Einig
Die Evangelische Akademie Berlin muss wegen Kürzungen ihr Sommerfest absagen – das wirft ein Schlaglicht auf die Situation der kirchlichen Bildungsarbeit in Zeiten knapper Haushalte.
19.08.2026, 16 Uhr
Benjamin Lassiwe