Synodaler Weg

Striet: Schisma ist längst da

Der Fundamentaltheologe widerspricht dem DBK-Vorsitzenden Bätzing. Schweizer Ethiker Brüske: Dankbar für wünschenswert offenes Bekenntnis zum Schisma.
Pk Erzbistum Freiburg zu Konsequenzen des Missbrauchs
Foto: Patrick Seeger (dpa) | Magnus Striet ist Inhaber des Lehrstuhls für Fundamentaltheologie an der katholisch-theologischen Fakultät der Universität Freiburg.

Der katholischen Kirche in Deutschland droht kein Schisma, es ist längst da, schreibt einer der prominentesten deutschen Theologen, Magnus Striet, in einem Artikel, der am Montag dieser Woche auf dem Nachrichtenportal "katholisch.de" erschienen ist. „Die innere Distanz zu dem, was angeblich als verbindlich zu glauben vom Lehramt der römisch-katholischen Kirche vorgegeben wird, ist in vielen katholischen Milieus so ausgeprägt, dass hier auch nichts mehr zu kitten ist“, schreibt der Freiburger Theologe. Der Schweizer Ethiker Martin Brüske meint auf Anfrage der Tagespost, Striet bestätige damit, was viele Bischöfe am Synodalen Weg bereits befürchtet hätten: Die Einheit mit der weltweiten communio sei dahin. 

Bätzing legte Nebel der Beschwichtigung über die Sorgen der US-Bischöfe

Striets Text ist eine Reaktion auf den Brief der US-Bischöfe, die in der Karwoche ihre Sorge über die Entwicklungen und Beschlüsse des Synodalen Weges ausgedrückt haben. In den Augen der Unterzeichner verdichte sich die Gefahr des Schismas zunehmend, erklärt Brüske. Diese Sorge habe der Limburger Bischof Georg Bätzing in seinem Antwortbrief an die amerikanischen Amtsbrüder „offen als Gespensterseherei abgetan und den Nebel der Beschwichtigung darüber ausgebreitet“. 

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Wörtlich hatte Bätzing geschrieben: „Sofern Ihre Einwände, Bedenken und Mahnungen Ausdruck echter Sorge sind, kann ich Sie jedoch offenen Herzens beruhigen: Diese Befürchtungen im Hinblick auf den Synodalen Weg der katholischen Kirche in Deutschland treffen nicht zu.“ Dieser Einschätzung Bätzings widerspricht Striet nun.

Alles andere als geistgewirkte Einigkeit 

Striet räumt ein, dass sich die Vorstellung von Sakramentalität verändere und dass sowohl unter Gläubigen als auch im Episkopat „alles andere“ „als eine geistgewirkte Einigkeit“ herrsche. Nach Ansicht Striets ist dies nicht weiter schlimm: Sollte es zu einem Schisma kommen, schreibt der Theologe, „dann ist dies halt so“.

Brüske zeigt sich über dessen Aussagen nicht unerfreut: „Magnus Striet hat nun in wünschenswerter Offenheit erklärt, dass das Schisma längst besteht und das er in einem offenen und erklärten Schisma kein Problem sieht. Für diese Klärung darf man ihm dankbar sein, auch wenn die Bewertung dieses Schismas freilich ganz anders zu erfolgen hat, als sie sich in seinen Augen darstellt.“ Die Karten würden nun offen auf dem Tisch liegen.

Nach Ansicht Striets zeige der Prozess im deutschsprachigen Raum, wie sehr viele Gläubige „Geschmack an der Freiheit“ gefunden hätten, den sie nun „als evangeliumsgemäß kosten wollen“. Er nehme die Sorge der amerikanischen Kardinäle und Bischöfe „nicht allzu ernst“, schon gar nicht in kirchensoziologischer Hinsicht. „Sollten die Unterzeichneten tatsächlich glauben, dass es in Zukunft noch einmal ,die' römisch-katholische Kirche geben wird, die sich unter dem Papst und einer Einheitsdoktrin versammelt, so dürften sie sich gründlich täuschen. Es hat diese Kirche historisch betrachtet ohnehin nie gegeben“, so Striet.  DT/dsc

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