Siena/Rom

Katharina von Siena – eine lebenspraktische Mystikerin 

Eine große Heilige und eine große Frau. Katharina von Siena war Mystikern und Ratgeberin von Päpsten. Ein Kurzporträt.
Katharina von Siena
Foto: Wikipedia / Gemeinfrei | Darstellung der heiligen Katharina von Siena mit Stigmata (Ölgemälde von Giovanni Battista Tiepolo, um 1746)

Die Heilige Katharina wurde am 25. März 1347 in Siena geboren. Ihre Zwillingsschwester starb kurz nach der Geburt. Sie war das 24. Kind der Familie. Der Vater war ein wohlhabender Pelzfärber. Seit 1309 residierten die Päpste in Lyon. Es war eine Zeit von Kriegen und Krisen. Das Papsttum war in politischer Gefangenschaft des französischen Königs. Die kleine Katharina hatte der Erzählung nach mit sechs Jahren ihre erste Vision von Christus. Sie legte mit sieben Jahren ein Keuschheitsgelübde ab und weigerte sich mit zwölf Jahren zu heiraten. Katharina soll als Kind schon sehr asketisch gelebt haben und sich immer wieder zu Bußübungen zurückgezogen haben. 

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Dominikanerin

Im Jahr 1363 schloss sich Katharina dem dritten Orden der Dominikaner an. Sie kannte den Orden durch einen Vetter. In den folgenden Jahren lernte sie mit Hilfe des Breviers und Heiligenviten lesen. Katharina konnte zwar auch schreiben, doch ihre Briefe und Bücher diktierte sie. Erneute Visionen führten dazu, dass sich Katharina nun nicht mehr zurückzog. Katharina fing an, sich um Arme und Kranke zu kümmern. Aus dieser Zeit sagt man ihr nach, Wunder gewirkt zu haben. Eine Geschichte erzählt davon, dass sie aus verdorbenem Mehl Brot gebacken hat, das die Menschen problemlos essen konnten. Eine mystische Ehe mit Christus band sie noch enger an ihre Berufung. In einer erneuten Vision erkannte sie den Auftrag, sich für eine umfassende Reform der Kirche einzusetzen. Sie schrieb zahlreiche Briefe, die natürlich für viel Aufmerksamkeit sorgten.

Mystikerin

Es blieb unvermeidlich, dass die Oberen ihres Ordens auf Katharina aufmerksam wurden. Sie musste sich rechtfertigen, konnte jedoch alle Bedenken vor dem Generalkapitel der Dominikaner an Santa Maria Novella in Florenz im Jahr 1374 ausräumen. Sie bekam vom Orden einen geistlichen Begleiter und den Auftrag, weiterhin im Namen der Kirche zu reisen und zu predigen. Im Jahr 1375 erlebte sie ihre Stigmatisierung. Die Wundmale Christi erschienen an ihrem Körper und blieben bis zu ihrem Tod. Durch Briefe und Reisen erreichte sie schließlich die Rückkehr des Papstes nach Rom. Trotzdem erlebte sie zu ihrer großen Enttäuschung das Scheitern der angestrebten Kirchenreform. 

Leidende

Katharina starb am 29. April 1380 in Rom. Ihr Magen konnte durch ihre jahrzehntelange harte Askese keine Nahrung mehr aufnehmen. Täglich schleppte sich die sterbende Heilige noch in den Petersdom. Sie starb im Palazzo S. Chiara. Ihr Grab findet sich in der Kirche S. Maria sopra Minerva unter dem Hochaltar in einem Glasschrein mit einer Liegefigur der Heiligen. Die Heilige Katharina hinterließ rund 380 Briefe von tiefem geistlichen Gehalt, ferner das „Buch der göttlichen Lehren“ und insgesamt 26 Gebete. Sie gründete ein Reformkloster und sammelte eine geistliche Familie um sich. 
In Italien gilt die Heilige Katharina als eine der größten Frauen der Kirchengeschichte.

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Schriftstellerin

Ihr Wirken und ihre Schriften sind von einer tiefen Mystik, vor allem von einer Liebens- und Leidensmystik geprägt, die ihresgleichen sucht. Ihr Einsatz für die Armen und Kranken wurde weder durch ihre Mystik noch durch ihre Rolle als Ratgeberin von Päpsten beeinträchtigt. Aller Kritik zum Trotz blieb Katharina in unverbrüchlicher Treue zur Kirche. Reform war für die Heilige eine Erneuerung aus dem Glauben und aus dem Leiden.

Außer ihren eigenen Schriften geben noch zwei weitere Werke Auskunft über das Leben der Heiligen. Ihr geistlicher Begleiter und Beichtvater Raimund von Capua schrieb 1385 bis 1389 die Legenda maior und Tommaso Caffarini verfasste im 15. Jahrhundert die „Legenda minor“.

Patronin

Die Heilige ist die Patronin von Europa, Italien, Rom und Siena. Patronin der Krankenschwestern, Wäscherinnen und Pfarramtssekretärinnen; der Sterbenden, der Laien im Dominikanerorden. Sie wird angerufen für Vorsorge gegen Feuer, sowie gegen Kopfschmerzen und gegen die Pest. 

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