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Edith Stein ist ein Leuchtturm für Deutschland

Papst Franziskus könnte die Philosophin und Konvertitin bald zur Kirchenlehrerin erklären. Ihr Schicksal warnt eindrücklich vor politischen Irrlehren, aber auch vor Fehleinschätzungen der Institution Kirche.
Konvertitin Edith Stein (1891-1942)
Foto: IMAGO/Walter Fischer (www.imago-images.de)

Ein Stolperstein erinnert in der Freiburger Goethestraße und in der Kölner Werthmannstraße an eine der bedeutendsten deutschen Katholikinnen des 20. Jahrhundert: die Konvertitin Edith Stein (1891-1942). Vor vier Tagen hat der Generalpostulator der Karmeliten ihre Erhebung zur Kirchenlehrerin beantragt. Kommt der Papst dieser Bitte nach, wäre die in Auschwitz ermordete Karmelitin nach Teresa von Avila, Katharina von Siena, Therese von Lisieux und Hildegard von Bingen die fünfte Frau der Kirchengeschichte, der diese Ehre zuteil wird – und die zweite Deutsche.

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Als Philosophin und Lehrerin verkörpert Edith Stein die seelische Not des modernen Menschen, der erst durch Lebenskrisen zu Christus findet. Zu einem Zeitpunkt, da die Würde der menschlichen Person und der Schutz des Lebens in Europa wieder ideologisch verdunkelt werden, lehrt Edith Stein den Blick auf den Gekreuzigten und die Achtung vor der gottgeschenkten Würde der Person.

Ein Stolperstein auf dem Synodalen Weg

Viele Zeitgenossen werden sich mit ihr eher identifizieren als mit Heiligen, die von klein auf in der Kirche ihre geistige Heimat fanden und schon in der Familie im christlichen Glauben unterwiesen wurden. Ediths Steins Taufe und Klostereintritt entfremdete sie ihrer Mutter und ihrem beruflichen Umfeld – auch das verbindet sie mit Menschen unserer Zeit.

Zugleich ist die hochgebildete Lehrerin Edith Stein ein Stolperstein auf dem Synodalen Weg und ein Leuchtturm für Deutschland in Zeiten des wiederaufflammenden Antisemitismus. Ihr Schicksal warnt eindrücklich vor politischen Irrlehren, aber auch vor Fehleinschätzungen der Institution Kirche.

Edith Stein strebte kein Amt in der Kirche an, obwohl sie manchem katholischen Amtsträger geistig überlegen gewesen sein dürfte. Als konsequente Wahrheitssucherin, Beterin und geistige Mutter prägte sie unzählige Schülerinnen und Gläubige. Die Hochbegabte, die ihre Talente in der katholischen Kirche entfaltete statt nach Ämtern zu schielen, entlarvt den Pseudointellektualisimus mancher Reformdebatte um die Rolle der Frau. 

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