Credo

Auf Wiedersehen – hoffentlich im Himmel!

Das Leben ist eine Reise in die Ewigkeit. Möge sie direkt zu Gott führen. Im Folgenden eine kleine Betrachtung für den bedauerlichen Fall, dass man eine Warteschleife im Fegefeuer einlegen muss.
Fegefeuer oder doch lieber sofort in den Himmel?
Foto: Jeroným Pelikovský / Pixabay | Fegefeuer oder doch lieber sofort in den Himmel? Wer kann das schon wissen. Hoffen wir auf den direkten Weg in den Himmel.

Ich war schon als Kind ein nerviger Besserwisser. Als ich etwa 14 oder 15 Jahre alt war, las ich hobbymäßig theologische Bücher, ohne viel davon zu verstehen. Das, was ich davon begriffen hatte, versuchte ich möglichst oft anzubringen. Am liebsten ungefragt. Eine Zeit lang war „Heilsgewissheit“ mein liebstes Angeberwort. Genau in dieser Phase traf ich bei einer Jugendfreizeit einen Priester, der besonders originell sein wollte und sich süßlich lächelnd so von den Leuten verabschiedete: „Auf Wiedersehen – im Himmel!“ Als ich schließlich dran war, streckte ich ihm meine Hand entgegen und sagte frech: „Auf Wiedersehen – im Fegefeuer, hoffentlich!“

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Gute Gründe

Fragend, und auch ein wenig besorgt, blickte mich der Priester an. „Was Sie da immer sagen“, ergänzte ich nun hochmütig, „ist nichts anderes als Heilsgewissheit oder sowas. Und das ist eine Sünde, wenn man davon ausgeht, dass man eh in den Himmel kommt!“ Man kann sich vorstellen, dass der Priester und ich keine Freunde mehr wurden. Für mich war es jedoch sogar fast schon tröstlich zu wissen, dass es das Fegefeuer gibt. Ich hatte immer gute Gründe zu glauben, dass es für mich etwas eng werden könnte mit dem direkten Weg zum Himmel. Klar: Ich glaube an die versöhnende Kraft der Beichte, ich glaube an einen barmherzigen Gott, der vor allem auf mein Herz sieht, und ich glaube, dass Sein Sohn auch für mich am Kreuz gestorben ist. Und dennoch: Auch ohne jemanden umgebracht zu haben, war mir immer klar, dass ich für meinen Mist einmal geradestehen muss.

Das Fegefeuer als Wartezimmer für den Himmel: Peinvoll, voller leidender Menschen und schlechter Zeitschriften, man verbringt gefühlt viel zu viel Zeit dort und jedes Mal, wenn die Lautsprecheranlage knarzt oder jemand die Tür öffnet, hofft man, endlich erlöst zu werden.
Jeden Morgen, wenn ich in Rom auf dem Weg zur Arbeit am Vatikan vorbeikomme, stehen dort bereits die Marktschreier und versuchen, mir ein „Skip the line“-Ticket anzudrehen. Damit könnte ich – so das Versprechen – die lange Schlange vor den Vatikanischen Museen überspringen und direkt reinkommen. Ich muss dann immer wieder ans Fegefeuer denken. Nein, es ist kein Spaß, dort zu landen. Obwohl dieser Zustand nur vorübergehend sein wird und danach die „ewige Glückseligkeit des Himmels“ (auch so ein Angeberwort) auf einen wartet, ist man doch besser beraten, sich weiterhin um einen direkten Zugang zum Himmel zu bemühen. Denn bei Gott ist nichts unmöglich.

Hoffnung bleibt

Und so hoffe ich, dass regelmäßiges Beichten, die Heilige Messe und ein Leben, das zumindest versucht, die in der Beichte gefassten Vorsätze umzusetzen, mein „Skip the line“-Ticket für den Himmel sein werden, ohne Umweg über das Fegefeuer. Und falls nicht, hoffe ich, dass es genügend Menschen gibt, die für mich und die anderen armen Seelen beten werden.

Bis dahin werde ich mich vermutlich noch öfter – halb im Scherz, halb im Ernst – mit „auf Wiedersehen im Fegefeuer“ verabschieden. So auch jetzt von Ihnen, liebe Leser! Dies war die vorerst letzte Kolumne von mir aus der „Credo“-Reihe. Demnächst wird an dieser Stelle wöchentlich Professor Ralph Weimann mit seinen Texten erscheinen. Ich danke Ihnen, dass Sie so treu meine – falls ich mich nicht verzählt habe – insgesamt 26 Kolumnen gelesen haben! Es tut gut zu wissen, auf dem Weg zum Himmel viele Reisegefährten zu haben. Lassen Sie uns auch weiterhin gegenseitig helfen, das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren. Dieses Ziel heißt: Ein Wiedersehen im Himmel! Deshalb zum Abschluss noch ein Gratis-Tipp: Bleiben (oder werden) Sie katholisch. So oder so: Gott segne Sie!

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Rudolf Gehrig Credo Fegefeuer

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