Berlin

Arbeiten an der St.-Hedwigs-Kathedrale schreiten voran

Voraussichtlich im Sommer 2024 soll die Kathedrale wieder eröffnet werden. Ein Besuch auf der Baustelle.
Umbau der Hedwigskathedrale
Foto: Britta Pedersen (dpa-Zentralbild) | Die St.- Hedwigs-Kathedrale ist für Bauarbeiten eingerüstet. Die Wiedereröffnung der Kathedrale ist nun für den Sommer 2024 geplant, wenn die große Orgel zurückgekehrt sein wird.

Der Innenraum der Berliner St.-Hedwigs-Kathedrale wird größtenteils von einem Wirrwarr von Gestängen bis in schwindelnde Höhen eingenommen. Da kein Kran in den Innenraum geführt werden könne, so Architektin Elena Cenci bei einem Presserundgang am Montag, müssten die Arbeiten an der neuen Innenschale in Form einer Halbkugel von diesem riesigen Gerüst gestützt werden.

Die Bauarbeiten, die in der St.-Hedwigs-Kathedrale seit ihrer Schließung 2018 ausgeführt werden, schreiten voran. Dabei „werden die 60 Millionen Euro für das Gesamtprojekt nicht überschritten“, so Domprobst Prälat Tobias Przytarski. Da jedoch die Preisindexsteigerung zurzeit rund 20 Prozent betrage, musste auf einige Elemente – etwa die Unterkellerung des gesamten Gebäudes– verzichtet werden.

Größte Änderung: Die Schließung der Öffnung

Die größte optische Änderung im Vergleich zur bisherigen Kathedrale besteht in der Schließung der Öffnung, die Hans Schwippert bei deren Wiederherstellung in den Jahren 1952-1963 vornahm. Schwippert durchbrach den Boden in der Mitte mit einer runden Öffnung, wodurch Ober- und Unterkirche fast zu einem Raum wurden. Künftig führt stattdessen eine Freitreppe von der Vorhalle in die Unterkirche. 

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Durch den Umbau wird der Charakter der Hedwigs-Kathedrale als einzige Rundkirche in Deutschland bekräftigt, deren Form dem Pantheon in Rom nachempfunden wurde. In der Mitte der Unterkirche soll laut Domprobst Tobias Przytarski das Taufbecken stehen, darüber – in der Oberkirche – ebenfalls in der Mitte stehe der Altar und darüber das Oberlicht mit der Öffnung zum Himmel: Taufe und Eucharistie führen – „hoffentlich“, so augenzwinkernd Przytarski – zum Himmel. Die Beichtstühle und -zimmer befinden sich in der Unterkirche.

Die Kuppel bleibt als Halbkugel bestehen, die sich wie ein Schirm über dem Gebäude spannt. Im Gegensatz zum berühmten Pantheon in Rom ist das Oberlicht – aufgrund des Berliner Wetters – nicht ganz geöffnet, sondern mit begehbarer Kunststofffolie abgedeckt, weil eine so große Glasplatte nicht aufzutreiben war.

"Lebendige Steine" im Altar

Auf die Halbkugel der Kuppel antwortet der halbkugelförmige Altar mit zwei Meter Durchmesser. In den Altar eingebaut werden „lebendige Steine“: Erzbischof Heiner Koch hatte in einem Hirtenwort aufgerufen, an Fronleichnam auf den Bebelplatz – wo die Heilige Messe und der Beginn der Fronleichnamsprozession stattfanden – die Steine zu bringen. Allerdings seien nicht nur Steine aus dem ganzen Erzbistum, sondern auch aus ganz Deutschland und sogar aus dem Ausland gebracht worden, ergänzt der Domprobst.

Das drei Meter hohe, vergoldete Kreuz, dessen Material laut Elena Cenci noch nicht feststehe, soll auf den Giebel angebracht werden, nicht mehr wie bislang auf die Kuppel. Damit werde es weithin sichtbar sein.

Ebenfalls noch nicht ganz entschieden sei die Nutzung der bisherigen Sakristei, die in eine Kapelle nach dem Vorbild von San Simeone Piccolo am Canal Grande in Venedig umgewandelt werde, so der Domprobst. Die bisherige Planung sehe sie als Anbetungskapelle vor, aber zuletzt seien Zweifel aufgekommen, wo der Tabernakel in der ebenfalls runden Kapelle stehen sollte.

Ein weiterer Umbau bereitet Sorge

Sowohl hier als auch in der Oberkirche werden die Glasfenster zwar undurchsichtig, aber nicht farbig. Als Besonderheit werden ins Glas Luftblasen eingebaut, die den (Berliner) Sternenhimmel am Tag der Geburt Jesu zeigen. Zur Transparenz der „neuen“ St.-Hedwigs-Kathedrale tragen ebenfalls die durchsichtigen Glastüren anstelle der bisherigen Bronzetüren bei.

Sorge bereitet allerdings der Umbau des Bernhard-Lichtenberg-Hauses neben der Kathedrale, das aus zwei Gebäuden besteht. Bleibt der denkmalgeschützte, neoklassizistische Altbau von 1914 bestehen, so ist der anschließende Trakt aus den 1970er-Jahren bereits abgerissen. Allerdings seien lediglich 20 Prozent der Arbeiten ausgeführt, so Architektin Cenci. Dies sei problematisch, weil in dem Haus nicht nur wieder der Wohnsitz des Erzbischofs sein soll, sondern auch die Technik für die Kathedrale untergebracht werde.

Deshalb soll der neue Altar zum 250. Jahrestag der Fertigstellung der ursprünglichen, von Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff geplanten Kathedrale 1773 am 1.  November 2023 geweiht werden. Die Wiedereröffnung der Kathedrale ist nun für den Sommer 2024 geplant, wenn die große Orgel zurückgekehrt sein wird. 

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