Anbetungskloster

Der Wunsch nach einem Neubeginn des Anbetungsklosters in Berlin

Ende eines Klosters. Erzbischof Koch verabschiedet die „Pink Sisters“ in Berlin. Ein Interview mit Unternehmer Michael Schiessl. 
Kardinal Koch beim Abschiedsgottesdienst der  „Rosa Schwestern“
Foto: © Parwez | Erzbischof Heiner Koch bei der Verabschiedung der „Pink Sisters“ in Berlin.

Mit einem traurigen Pontifikalamt wurden vergangene Woche die Dienerinnen des Heiligen Geistes von der Ewigen Anbetung von Berlins Erzbischof Heiner Koch verabschiedet. Die im Volksmund liebevoll „Rosa Schwestern“ genannten Nonnen sind der fortwährenden eucharistischen Anbetung verpflichtet.
Die Ordensleitung im westfälischen Bad Driburg hatte, wie schon berichtet, wegen Nachwuchsproblemen das Aus des 1936 in Berlin geweihten Klosters St. Gabriel beschlossen. Der Berliner Unternehmer Michael Schiessl kämpft für den Erhalt des Klosters.

Herr Schiessl, was ist los in Berlin?

Beim großen Pontifikalamt zum Dank für den Dienst der Rosa Schwestern im Kloster St. Gabriel hatten einige den Eindruck, dass unserem Erzbischof Heiner Koch beim Schluss Segen eine Träne über die Wange gelaufen ist. Wir teilen diesen Schmerz. Und die Dankbarkeit. Die Rosa Schwestern würden gerne bleiben, sie fügen sich im frommen Gehorsam in die Entscheidung ihrer Leitung. Wir als Laien wären in solchen Situationen geschützt durch Mietrecht, Gewerkschaften oder Lobbys. Die Schwestern haben allein ihr tiefes und vorbildliches Gottvertrauen. Für die Ordensleitung, Generaloberin Mutter Maria Magdalena, muss das schwer sein. Denn zur Härte der Entscheidung, die sie fällt, bekommt sie die öffentliche Kritik ab. Ich bin beeindruckt, wie sensibel und hellhörig die Generaloberin damit umgeht und wie sie von ihren Schwestern getragen wird.

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Sie haben monatelang für den Erhalt des Klosters gekämpft. Wie bitter ist diese Niederlage?

Ich kann keine Niederlage, keinen Kampf erkennen. Wir beten, danken, wir spüren Chancen. Die jetzt entstehende öffentliche Debatte darüber, was hier in Berlin problematisch gelaufen ist und wie es besser weiter geht, wird der Kirche helfen – so wie damals der Verlust und Rückgewinn der einst von Bischof Graf Galen gestifteten, später verkauften und dann von den Laien zurückeroberten Innenstadtkirche St. Clemens. Für Gott ist auch „5 nach 12“ nicht zu spät. Er braucht nur Menschen, die glauben.

"Berlin ist erprobt und glaubenstief,
hier wurde, in der Nazi-, wie auch in der
DDR-Zeit, Christus bezeugt."

Um was zu erreichen?

Das Hauptproblem ist das abreißende Gebet; unser Erzbischof hat es klar zu den Rosa Schwestern gesagt: „Ihr stellvertretendes Gebet auch für so viele Menschen, die selbst nicht beten, ist ein kaum zu ermessender Dienst für uns und diese Stadt.“ Dieses Gebet darf nicht verstummen. Zudem ist ein Kloster ein öffentlicher Ort, ein sozialer Körper. Viele Menschen – oft zerbrechliche Seelen – hängen am Trost genau einer Schwester.

Ebenso das Schicksal der teils über 70 Jahre alten Schwestern, die jetzt in hohem Alter neu anfangen müssen. Zudem tun sich für den Nachwuchs Fragen auf, wenn im hohen Alter plötzlich Filialen geschlossen werden. Ein Problem ist auch, dass hier das Top-Management entschieden hat, ohne den betroffenen Körper, das Volk Gottes, die Bürger der Stadt, einzubeziehen. Das wirft ein seltsames Licht auf uns als Kirche, unsere Entscheidungsprozesse, die Möglichkeit der glaubwürdigen Vermittlung der katholischen Soziallehre im Bund Katholischer Unternehmer etwa.

Berlin gilt als säkulare Stadt, ist aber auch die Stadt großer Märtyrer. War nicht der selige Bernhard Lichtenberg an der Gründung von Sankt Gabriel beteiligt?

Der selige Bernhard Lichtenberg holte die Rosa Schwestern 1936 hierher, um gegen die Nazis anzubeten. Neben ihm gab es viele Glaubenszeugen aus dem Laienstand, etwa Eva Maria Buch oder Erich Klausenern. Berlin ist erprobt und glaubenstief, hier wurde, in der Nazi-, wie auch in der DDR-Zeit, Christus bezeugt. Die Berliner Kirche hat sehr engagierte Laien, gute Priester, starke Hirten. Entgegen den Klischees ist die Politik nicht kirchenfeindlich. Es gibt viele öffentlich bekennende Gläubige. Bettina Jarrasch, Bürgermeisterin von Berlin und Vorsitzende der Grünen, ist im Gemeinderat in Kreuzberg, sie unterstützt die Schwestern der Mutter Teresa in der Suppenküche. Klar gibt es Differenzen zur Politik – aber es gibt auch viel Gemeinsames.

Was ist das Ziel Ihrer Initiative „Pro Kloster Gabriel“, jetzt da das Kloster schließt?

Wir möchten das denkmalgeschützte Kloster als Ort der öffentlichen Anbetung erhalten. Unsere Initiative ist schnell gewachsen. Wir machen einmal in der Woche eine öffentliche Zoom-Konferenz; Mitarbeit muss nicht fianzieller Natur sein, das wichtigste ist das Gebet. Wir hoffen, sie zurückzugewinnen, sprechen aber auch mit weiteren Ordensgemeinschaften.

Ganz herzlich laden wir vor allem die Generaloberin, Mutter Maria Magdalena, ein: Kommen Sie vorbei! Mein Eindruck ist, dass das Volk Gottes in Berlin bereit ist, seinen Dienst zu tun. Der große, heilige Ort, das Kloster St. Gabriel, auf Initiative des Seligen Bernhard im Schatten des Olympiastadions gegen den Willen der Nazis auf mysteriöse Weise entstanden, wird nicht untergehen.


Michael Schiessl ist Geschäftsführer des IT-Unternehmens eye square,  Mitglied im BKU und Vorstand Ethos.Maria.

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