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Wer hat Angst vor der katholischen Sexualmoral?

Bischof Kohlgraf verwahrt sich dagegen, aus der Bibel ewige Wahrheiten über Homosexualität abzuleiten und beruft sich auf die „Humanwissenschaften“. Warum das ein Irrtum ist.
Bischof Peter Kohlgraf beruft sich in der Debatte um Homosexualität auf die Humanwissenschaften
Foto: Imago/epd | Bischof Peter Kohlgraf beruft sich in der Debatte um Homosexualität auf die Humanwissenschaften – und stellt damit traditionelle Aussagen der Kirche infrage.

Es waren nur wenige Sätze, die Peter Kohlgraf, Bischof von Mainz, im Rahmen einer SWR-Talkrunde zum Thema „Tabus in unserer Gesellschaft“ zum Thema Homosexualität sagte. Diese wurden aber bereitwillig von den Medien aufgenommen, klang es doch so, als ob der Bischof zur katholischen Lehre auf Distanz ginge. In der Tat sagte Kohlgraf, dass er „als studierter Theologe“ die Bibel nicht als Steinbruch benutze – und zwar weder für seine persönliche Meinung noch „für eine kirchliche Lehrmeinung“. Weiter sagte er: „Ich nehme nicht einen Halbsatz aus der Bibel und sage: Das ist jetzt der Halbsatz, der unhinterfragt für alle gilt.“ Man könne aus der Bibel „nicht einfach zeitlos gültige, ewige Wahrheiten ableiten“, wenn es um Homosexualität gehe.

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Bischof Kohlgraf hat zweifellos recht, wenn er sich dagegen verwahrt, die Bibel als Steinbruch zu benutzen. Das widerspricht allen Regeln der guten Hermeneutik. Wer einen Text verstehen will, muss ihn aus seinem innertextlichen wie historischen Zusammenhang heraus verstehen; und natürlich hat auch die Heilige Schrift einen zeitlichen Kontext, und zwar selbst dort, wo sie ewige Wahrheiten formuliert. Allerdings ist es falsch, diese hermeneutischen Grundeinsichten gegen die Lehrmeinung der Kirche ausspielen zu wollen, als wisse die Kirche nichts von Hermeneutik. Zugleich folgt aus der Tatsache eines historischen Kontextes nicht, dass es keine zeitlosen oder überzeitlichen Wahrheiten in der Bibel gibt.

Was die Kirche über Homosexualität lehrt und gelehrt hat, lässt sich für alle im „Katechismus der Katholischen Kirche“ (2357-2359) nachlesen. Die Kirche beruft sich dabei nicht nur auf die Bibel, sondern auch auf das „natürliche Gesetz“, sprich: das Naturrecht. Die kirchliche Lehre richtet sich nicht gegen Veranlagungen oder Neigungen, erst recht nicht gegen Personen, sondern allein gegen bestimmte Handlungen. 

Rein deskriptiv

Es ist wahr: „Homosexuelle Menschen sind zur Keuschheit aufgerufen.“ Das sind aber auch alle anderen, heterosexuellen Menschen. Die heute herrschende Vorstellung, Sex sei gut, solange nur alle Beteiligten einverstanden sind, entspricht nicht der Sexualmoral der Kirche. Für sie ist die liebende Vereinigung von Ehemann und -frau bei gleichzeitiger Offenheit für die Fruchtbarkeit der Sinn von Sexualität und damit ihr einzig moralisch zulässiger Gebrauch.

Die Beschwörung der modernen „Humanwissenschaften“ hilft hier dagegen nicht weiter. Denn im Gegensatz zum normativen Naturrecht sind die sich selbst ständig wandelnden empirischen Wissenschaften rein deskriptiv und können daher keine Sollenssätze begründen. Zum anderen haben die empirischen „Humanwissenschaften“ keinen Begriff vom Wesen des Menschen, so dass sie höchstens Aspekte des Menschen, aber niemals das Menschsein selbst in den Blick nehmen können.

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Es wäre für die Gläubigen ermutigend, zu sehen, wenn sich Kirchenvertreter in Deutschland wieder trauen würden, die katholische Sexualmoral in ihrer ganzen Schönheit, Weisheit und Wahrheit zu verteidigen.

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