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Gottes Existenz beweisen: Kant vs. Thomas

In seinem neuen Buch stellt sich Sebastian Ostritsch der Frage, ob es auch nach Kant noch Gottesbeweise geben kann. Womöglich sogar die von Thomas von Aquin?
Serpentinen am Gotthardpass in den Schweizer-Alpen.
Foto: imago stock&people / blickwinkel | „Serpentinen“ – so lautet der Titel des neuen Buches von Sebastian Ostritsch. Darin will er zeigen, dass es auch nach Immanuel Kant noch Gottesbeweise gibt.

Es dürfte kaum einen „Tagespost“-Leser geben, der nicht an Gott glaubt. Aber wie viele sind auch der Überzeugung, dass man die Existenz Gottes auch auf philosophischem Weg erkennen, ja sogar „beweisen“ kann? Dass eine Erkenntnis der Existenz Gottes durch die „natürliche Vernunft“ möglich ist, lehrt auch der Katechismus der katholischen Kirche. Mit Verweis auf das 1. Vatikanische Konzil heißt es dort: „Die heilige Mutter Kirche hält fest und lehrt, daß Gott, der Ursprung und das Ziel aller Dinge, mit dem natürlichen Licht der menschlichen Vernunft aus den geschaffenen Dingen gewiß erkannt werden kann.“ Etwaige Zweifler unter den Lesern sind nicht allein: Seit dem Zeitalter der Aufklärung und ganz besonders seit Immanuel Kant die traditionellen Gottesbeweise einer grundlegenden Kritik unterzogen hat, dürfte den meisten Zeitgenossen der Gedanke, Gottes Existenz lasse sich durch Nachdenken einsehen, als äußerst abwegig erscheinen.

Auch „Tagespost“-Redakteur Sebastian Ostritsch hörte während seines Philosophiestudiums öfter den Gemeinplatz, seit Kant könne es keine Gottesbeweise mehr geben. Nun hat er dieses Vorurteil gründlich hinterfragt und dazu vor allem die Gottesbeweise des heiligen Thomas von Aquin, der dieses Jahr seinen 800. Geburtstag hat, studiert. Niedergeschlagen hat sich das in einem neuen Buch, in dem Ostritsch zu dem Ergebnis kommt: Kant hatte Unrecht und Thomas hatte Recht: Gottes Existenz lässt sich in der Tat durch vernünftige, logisch zwingende Argumente nachweisen!

Das Buch beginnt als Einführung in die Philosophie und Theologie des heiligen Thomas, wobei es auch darum geht, das Bild vom „dunklen Mittelalter“ als unhistorisch zu korrigieren. Das Mittelalter war vielmehr vom zweifachen Licht der Vernunft und des Glaubens erhellt. Der Hauptteil des Buches besteht darin, die äußerst kompakte Beweisführung der thomanischen Gottesbeweise, der „fünf Wege“, auf verständliche Weise zu entfalten. Ihren Ausgang nehmen die Argumente des Thomas stets von der Erfahrung. Auch wenn sie nicht ohne Metaphysik auskommen, zeigt sich Thomas dadurch gerade in seinen „fünf Wegen“ vor allem als Philosoph des gesunden Menschenverstandes.

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Abschließend stellt Ostritsch die Frage nach dem Gott der Philosophen, wie er durch die Gottesbeweise erkannt werden kann, und dem personalen, dreifaltigen Gott, der sich in der Geschichte offenbart. Die philosophischen Gottesbeweise können nur intellektuelle Barrieren abbauen, die dem Glauben im Weg stehen. Der Glaube ist aber eine Gewissheit, die sich auf das Wort und die Erfahrung eines anderen stützt. Übertroffen wird der Glaube nur noch durch die Gottesschau. Eine solche wurde Thomas kurz vor seinem Tode zuteil. Danach schrieb er kein Wort mehr.

Sebastian Ostritsch: Serpentinen. Die Gottesbeweise des Thomas von Aquin nach dem Zeitalter der Aufklärung, Berlin: Matthes & Seitz, 2025, 220 Seiten, Klappbroschur, EUR 20,-

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