Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Kirche

Rom entscheidet Kommunionstreit

Eucharistie für Nicht-Katholiken: Papst und Glaubenskongregation geben der Minderheit von sieben Bischöfen recht. Von Guido Horst
Kelch mit Wein bei der Kommunion
Foto: Harald Oppitz (KNA) | Ein Gläubiger nimmt bei der Austeilung der Kommunion in einem Gottesdienst am 25. April 2017 in der Kapelle des Priesterseminars Sankt Georgen in Frankfurt den Weinkelch entgegen.

Der Kommunionstreit innerhalb der Deutschen Bischofskonferenz ist entschieden. In einem Schreiben hat der Präfekt der Glaubenskongregation, Erzbischof Luis Ladaria SJ, der Position der sieben Bischöfe, die in Rom Einspruch gegen die Pastorale Handreichung zur Zulassung eines nicht-katholischen Ehepartners zur Eucharistie angemeldet hatten, recht gegeben. Der von Papst Franziskus gegengezeichnete Brief, der dieser Zeitung vorliegt, trägt das Datum vom 25. Mai 2018, ist auf Deutsch abgefasst, richtet sich an den Konferenzvorsitzenden Reinhard Kardinal Marx und ging auch an die Gruppe von deutschen Bischöfen, die am 3. Mai in der fraglichen Angelegenheit ein Gespräch in der Glaubenskongregation geführt hatten: Kardinal Rainer Maria Woelki sowie die Bischöfe Genn, Wiesemann, Voderholzer und Feige.

Wie der Glaubenspräfekt schreibt, sei der Papst „zur Auffassung gekommen“, dass die pastorale Handreichung der Deutschen Bischofskonferenz („Mit Christus gehen – Der Einheit auf der Spur. Konfessionsverbindende Ehen und gemeinsame Teilnahme an der Eucharistie“) „nicht zur Veröffentlichung reif ist“. Die wesentlichen Gründe seien: „Es handelt sich bei der Frage der Kommunionszulassung von evangelischen Christen in konfessionsverschiedenen Ehen um ein Thema, das den Glauben der Kirche berührt und von weltkirchlicher Relevanz ist.“ Außerdem habe diese Frage „Auswirkungen auf die ökumenischen Beziehungen zu anderen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften, die nicht zu unterschätzen sind“. Zudem kündigt die Glaubenskongregation eine noch nachzureichende Präzisierung an: „Das Thema betrifft das Recht der Kirche“, schreibt Ladaria, „vor allem die Auslegung von can. 844 CIC“.

Weil es diesbezüglich in manchen Teilen der Kirche offene Fragen gibt, wurden die zuständigen Dikasterien des Heiligen Stuhls bereits beauftragt, eine baldige Klärung dieser Fragen auf weltkirchlicher Ebene herbeizuführen. Insbesondere scheint es angebracht, das Urteil über das Vorliegen einer ,drängenden schweren Notlage’ dem Diözesanbischof zu überlassen“. Das heißt, die Glaubenskongregation zieht den Fall an sich und wird mit dem Papst über weitere Bestimmungen entscheiden. Abschließend schreibt der Glaubenspräfekt, es sei dem Papst „ein großes Anliegen, dass in der Deutschen Bischofskonferenz der Geist der bischöflichen Kollegialität lebendig bleibt“. Wie das Zweite Vatikanum unterstrichen habe, „können in unserer Zeit die Bischofskonferenzen vielfältige und fruchtbare Hilfe leisten, um die kollegiale Gesinnung zu konkreter Verwirklichung zu führen“.

DT

Eine ausführliche Berichterstattung zur Entscheidung im Kommunionstreit finden Sie in der kommenden Ausgabe der "Tagespost" vom 07. Juni.

Themen & Autoren
Deutsche Bischofskonferenz Erzbischöfe Evangelische Kirche Guido Horst Jesus Christus Luis Ladaria Papst Franziskus Rainer Maria Woelki Reinhard Marx

Weitere Artikel

Rom hat der Piusbruderschaft das Angebot einer Versöhnung gemacht und wartet auf Antwort. Doch warum sollte jetzt gelingen, was bisher unmöglich war?
18.02.2026, 17 Uhr
Guido Horst
Sollbruchstelle Bischofsweihen: Gegenüber den Piusbrüdern zeigt sich Rom gesprächsbereit und hofft auf „positive Lösungen“.
12.02.2026, 15 Uhr
Guido Horst

Kirche

Das vatikanische Appellationsgericht ordnet die Wiederholung des Verfahrens gegen Kardinal Angelo Becciu an. Ein Grund: wie Papst Franziskus in die Verhandlungen eingegriffen hat.
01.04.2026, 08 Uhr
Giulio Nova
Wohl auch eine ganz konkrete Anspielung: Papst Leo predigt am Palmsonntag über Gott, der den Krieg ablehnt. Eine Änderung der katholischen Lehre ist damit nicht verbunden.
31.03.2026, 15 Uhr
Maximilian Welticke
Die dazugewonnene Zeit bietet mehr für Freizeit, Familie, Freunde und Engagement – aber vor allem auch für Gott. Ein Erfahrungsbericht.
01.04.2026, 07 Uhr
Jonathan Prorok