Athen

Papst: Migranten aufnehmen, schützen, fördern und integrieren

Franziskus wendet sich in Athen gegen Nationalismus und Populismus – Flüchtlinge seien „Protagonisten einer schrecklichen Odyssee der Moderne“.
Papst Franziskus in Griechenland
Foto: Alessandra Tarantino (AP) | Papst Franziskus wird von Katerina Sakellaropoulou, Präsidentin von Griechenland, bei seiner Ankunft im Präsidentenpalast begrüßt bevor er seine Rede hält.

Gegen Populismus, Nationalismus und die „unersättliche Gier eines persönlichen Konsumismus“ hat sich Papst Franziskus am ersten Tag seines Griechenland-Besuchs ausgesprochen. In seiner Rede am Samstagmittag im Präsidentenpalast von Athen sagte der Papst, auf dem europäischen Kontinent sei derzeit ein „Rückschritt an Demokratie“ festzustellen sowie die „Verlockungen des Populismus“. Es gelte, den schwächsten Schichten eine bevorzugte Aufmerksamkeit zu schenken, so Franziskus, der sich deutlich gegen „überzogene nationalistische Ansprüche“ wandte.

Franziskus würdigte Athen als „Wiege der Zivilisation“. Ohne Athen und Griechenland wären Europa und die Welt nicht das, was sie sind. „Sie wären weniger weise und weniger glücklich“, so der Papst. „Von hier aus haben sich die Horizonte geweitet.“ Hier habe sich auch gezeigt, dass der Mensch die Transzendenz brauche, um wirklich menschlich zu sein. Im Westen verdränge man heute jedoch den Himmel, weil man in der unersättlichen Gier des Konsumismus gefangen sei. Der Papst erinnerte daran, dass die Evangelien in Griechisch verfasst wurden, „in der Sprache der menschlichen Weisheit, die zur Stimme der göttlichen Weisheit geworden ist“. In Athen habe man begonnen, „sich nicht nur als Bürger seiner Heimat, sondern als Bürger der Welt zu fühlen. Hier wurde die Demokratie geboren.“

Wir sind zerbrechlich und aufeinander angewiesen

Der Papst lud zu einer „gemeinschaftlichen Sichtweise der Migration“ ein: Flüchtlinge seien heute „die Protagonisten einer schrecklichen Odyssee der Moderne“ und sollten „entsprechend den Möglichkeiten jedes Landes … aufgenommen, geschützt, gefördert und integriert werden“. Ihr Leid erinnere alle daran, „dass wir zur selben zerbrechlichen Menschheit gehören“. Auch die Corona-Pandemie habe erneut entdecken lassen, „dass wir zerbrechlich und aufeinander angewiesen sind“. Unter Bezugnahme auf den Hippokratischen Eid skizzierte der Papst die sich ausbreitende Kultur des Todes, ohne Abtreibung und Euthanasie direkt beim Namen zu nennen: „Das Leben ist in der Tat ein Recht – nicht der Tod, der angenommen, aber nicht verabreicht werden darf.“

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Griechenland ist – nach Kuba – das zweite Land, das Papst Franziskus während seines Pontifikats zum zweiten Mal besucht. Der am Samstagvormittag begonnene Besuch findet 20 Jahre nach der Griechenland-Reise von Papst Johannes Paul II. und genau 200 Jahre nach dem Beginn des griechischen Freiheitskampfes gegen die Osmanen statt. 

Präsidentin erinnert an die Hagia Sophia

Darauf ging Staatspräsidentin Katerina Sakellaropoulou in ihrer Begrüßung ein. Sie würdigte die ständige Sorge des Papstes um den interreligiösen Dialog und die Universalität des Christentums, sein Eintreten für Geschwisterlichkeit und Menschenwürde sowie seinen Einsatz für die Armen, Schwachen und insbesondere die Flüchtlinge. Ausdrücklich bedankte sich die Präsidentin Griechenlands beim Papst für dessen mahnende Worte bei der im Vorjahr vom türkischen Präsidenten angeordneten Umwandlung der Hagia Sophia von Istanbul zu einer Moschee. Die Präsidentin dankte dem Papst, der dafür eingetreten sei, dass die Hagia Sophia ein Denkmal des Weltkulturerbes und für alle zugänglich bleibe.  DT/sba

Lesen Sie einen ausführlichen Bericht über den Besuch von Papst Franziskus auf Zypern in der kommenden Ausgabe der Tagespost.

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