Malteser

Malteser: Fra‘ John T. Dunlap ist neuer Großmeister

Nach plötzlichem Tod des Vorgängers wurde ein neues Oberhaupt der Malteser ernannt. Ein Kanadier leitet nun den Orden.
John Dunlap
Foto: Paolo Galosi (Romano Siciliani) | John Timothy Dunlap wurde zum Statthalter des Großmeisters und Oberhaupt des Souveränen Malteserordens ernannt.

Für eine Gemeinschaft, die lange mit eigener Marine an den Küsten des Mittelmeeres Wach- und Polizeidienst gegen die Piraten versah, ist unruhiges Wetter nichts Ungewöhnliches. Doch dass der Malteserorden, der neunhundert Jahre alte geistliche Ritterorden mit staatsähnlicher Qualität, innerhalb von zwei Jahren das dritte Oberhaupt bekommen hat, ist ungewöhnlich. Fra‘ Giacomo Dalla Torre, der letzte reguläre Großmeister, war Ende April 2020 gestorben, sein Nachfolger, Fra‘ Marco Luzzago, ebenfalls Italiener und den Reihen der Profess-Mitglieder des Ordens entstammend, starb nach noch nicht einmal zwei Jahren im Amt des Statthalters.

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Anpassungen nötig

Am Tag seines Requiems in Rom am 14. Juni wurde als vom Papst ernannter neuer Statthalter zum ersten Mal ein Ritter aus der Neuen Welt, der in Kanada geborene und seit langem in New York ansässige Fra‘ John T. Dunlap (65), zum neuen interimistischen Ordensoberhaupt angelobt. Seit mehreren Jahren nun ringt der Malteserorden, der älteste Laienorden der Kirche, dessen Professritter Ordensbrüdern zu vergleichen sind, um dringend notwendige Anpassungen seiner Ordensverfassung. Von den Fra‘s, wie sie im englischen Sprachraum kurzerhand genannt werden, gibt es zu wenige, und zu wenige auch, die sich noch mit voller Arbeitskraft dem Orden zur Verfügung stellen können. In der geltenden Ordensverfassung spielen sie aber eine entscheidende Rolle.

Ob dies so bleiben soll und wie es geändert werden könnte, ist Gegenstand einer mitunter durchaus mit harten Bandagen geführten Auseinandersetzung. Hier hatte Papst Franziskus 2017 eingegriffen, in dem er den Kurien-Diplomaten Giovanni Angelo Kardinal Becciu zu seinem bevollmächtigten Delegaten bei dem eigentlich auf seine Unabhängigkeit bedachten Orden ernannte. 2020 musste Becciu das Amt abgeben, nachdem vor einem vatikanischen Gericht ein Verfahren wegen Veruntreuung von Geldern und Amtsmissbrauch gegen ihn und andere begann. Es ist noch nicht beendet und versorgt die in dieser Hinsicht stoischen Italiener zuverlässig mit skandalträchtigen Nachrichten aus der ungesunden Gemengelage zwischen Kirche, Kommerz und Politik, die Papst Franziskus zu seinem Leidwesen noch nicht einer Klärung zuführen konnte.

Vom Papst ernannt

Ein anderer erfahrener Kurialer, Silvano Maria Kardinal Tomasi, seit langem mit dem Malteserorden vertraut, soll nun den Selbstfindungsprozess des Ordens begleiten und zu einem Ende führen. Als sein Counterpart auf Ordensseite ist Statthalter John Dunlap aus mehreren Gründen gut geeignet. Der joviale Rechtsanwalt aus Ottawa, stolzer Untertan der Queen of Canada und lange Präsident des Canadian Club of New York, ist ein anerkannter Spezialist für das Eigenrecht des Malteserordens und hat damit seinen beiden Vorgängern etwas voraus. Über seine Mitarbeit bei der Ständigen Vertretung des Ordens bei den Vereinten Nationen in New York kennt er auch die politischen Dossiers, die den Orden interessieren, wie etwa die Sorge für Migranten und Flüchtlinge.

Er vertritt die Malteser in einem Ausschuss, der alle Orden unter dem achtspitzigen Kreuz, wie etwa die in der Reformation evangelisch gewordenen Johanniter, zu gegenseitigem Austausch vereint. Dunlap hat also in mehrfacher Hinsicht über den Tellerrand hinausgeschaut und wird eine Vorstellung davon haben, wie eine uralte, ihre Traditionen liebende Institution behutsam modernisiert werden kann. Im persönlichen Umgang ist Fra‘ John ausgesprochen nahbar und unkompliziert, zugleich durch seine im Jahr 2009 begonnene Zugehörigkeit zur in Rom ansässigen Ordens-Regierung, dem Souveränen Rat, geübt im Erkennen von Palast-Intrigen aller Art. Dass er vom Papst ernannt und nicht wie seine beiden Vorgänger gewählt wurde, ist kein Makel und kam in der Geschichte des Ordens schon mehrfach vor.

Ein Jahr 

Ob er das eine Jahr, das die Ordensverfassung einem Statthalter bis zu einer erneuten Bestätigung gibt, ausnutzen wird oder ob er länger braucht, hängt nicht nur von ihm, sondern in erster Linie vom päpstlichen Delegaten Kardinal Tomasi ab. Letztlich auch von Papst Franziskus selber, der sich aktiv eingeschaltet hat und den Orden mit beachtlicher Aufmerksamkeit begleitet. Es darf angenommen werden, dass Fra‘ John Dunlap der Kandidat beider war. Mit ihm, dem ersten Amerikaner, der 2008 Professritter wurde, ist im übrigen eine der Fragen des Reformprozesses schon beantwortet: Erstmals steht ein Nicht-Adliger an der Spitze der traditionell vom Adel geprägten Organisation.

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