Synodaler Weg

Kardinal Cordes widerspricht Kardinal Marx

Kurienkardinal Paul Josef Cordes erinnert seinen Amtskollegen an dessen Weiheversprechen und betont, man müsse nicht nur von Gott reden, sondern mit ihm in eine dialogische Ich-Du-Beziehung treten.
Paul Josef Cordes  erinnert seinen Amtskollegen an dessen Weiheversprechen
Foto: Paul Sklorz (KNA) | Ob der Synodale Weg Kardinal Marx die Klarsicht für katholische Heilswahrheiten genommen habe, fragt Kurienkardinal Paul Josef Cordes.

Kürzlich hatte der Münchener Kardinal Reinhard Marx in einem Beitrag für „Herder Korrespondenz Spezial“ davor gewarnt, zuviel über Gott zu reden. Nun hat sich Kardinal Paul Josef Cordes zu Wort gemeldet — und seinem Amtskollegen massiv widersprochen. Ob „der wirre Nebel des deutschen Synodalen Weges dem geweihten Hirten seine Klarsicht für katholische Heilswahrheiten völlig genommen“ habe, fragte er. In einem aktuellen Beitrag für CNA spricht Cordes von einer „Auszehrung christlicher Heilsbotschaft“. Er erinnert Marx an sein Weiheversprechen und leuchtet ihm ausgehend von der Heiligen Schrift den Weg aus.

Katechismuswahrheiten werden als verstaubt beiseite gewischt

Es seien „wohl akademische Spitzfindigkeiten einiger ungläubiger Universitätslehrer, auch hypertrophes Sendungsbewusstsein der ,Germania docens‘ oder der Druck des medialen Zeitgeists, die bewährte Katechismuswahrheiten als verstaubt beiseite wischen“, schreibt Cordes mit spitzer Feder und erinnert Marx an konziliare Festlegungen sowie die Frage seines Weiheversprechens, die er mit „JA“ beantwortet hatte: „Bist du bereit, das Evangelium Christi treu und unermüdlich zu verkünden? Bist du bereit, das Glaubensgut rein und unverkürzt zu hüten …?“  

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Viele Denker der Frühkirche haben „nicht nur die Wahrheit des rechten Glaubens verteidigen, sondern auch zur Intimität des trinitarischen Lebens vordringen“ wollen, weil das „Wunder und Geheimnis geliebter Personen erwärmt und anzieht“. Das heißt: Dreh- und Angelpunkt sei das Gegenteil vom „Nicht-von-Gott-reden“. 

Biblische Direktiven

Nicht zuletzt kehre Gottes Wort selbst „die Warnung des Münchener Kardinals in ihr Gegenteil um“, betont Cordes und gibt einige Beispiele: „Dein Angesicht, Herr, will ich suchen. Verbirg nicht dein Gesicht vor mir“ (Ps 27,8f.) und „Fragt nach dem Herrn und seiner Macht. Sucht sein Antlitz allezeit. Denkt an die Wunder, die er getan hat“ (1 Chr 16,11).

Der allmächtige Schöpfer Himmels und der Erde hebe den Menschen durch solche Direktive in die Höhe dialogischer Ich-Du-Beziehung, erläutert der Kardinal. Wir dürften uns seinem Angesicht nähern. „Von ihm angeschaut, entsteht Glaubensgemeinschaft mit den Jüngern Jesu, erhellen sich die ethischen Verpflichtungen des Christseins und gelingt das Leben nach den Geboten.“

Gott will geliebt werden

Und damit nicht genug: Gott lade nicht nur ein, sein Antlitz zu suchen — er wolle vom Menschen sogar geliebt werden. „Darum sollst du den Herrn deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft“ (Dtn 6,5), zitiert der Kardinal weiter aus der Heiligen Schrift und führt aus: Der ewige Sohn des himmlischen Vaters erschließe uns dann „das spektakuläre Geheimnis von Gottes dreifaltiger Liebe“, von der Größen wie Gregor von Nazianz „innerlich geistlich überwältigt“ waren.

Gott warte darauf, dass „wir ihm mit all unserer menschlichen Begabung ersehnen, um so auch ihm gegenüber das Beglückende und Erschütternde der Liebe zu erleben“, erklärt Cordes und schließt mit einem Kardinal Marx entgegengestellten Appell, der Kardinal von Balthasar so formuliert hat: „Gott nicht voraussetzen, sondern vorsetzen.“  DT/dsc

 

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