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Franziskus' kostbares Erbe: die Herz-Jesu-Verehrung

„Pride Month“? Für Katholiken ist der Juni der Herz-Jesu-Monat. Zeit also, die katholische Festkultur wiederzuentdecken. Dabei hilft eine Enzyklika des verstorbenen Papstes.
Herz-Jesu-Feuer im Stubaital
Foto: imageBROKER/Christof Steirer via www.imago-images.de | Besonders im Tirol eine Tradition: Herz-Jesu-Feuer in den Bergen.

Der Juni ist für viele gläubige Christen zum Ärgernis geworden: Die Gay-Lobby vereinnahmt ausgerechnet den Herz-Jesu-Monat für Pride-Events, und nicht wenige Kirchenvertreter nehmen Regenbogenparaden schweigend hin oder nicken das Treiben beflissen ab. Selbst auf die Straße gehen und christliche Überzeugungen mit Prozessionen und öffentlichen Gebeten sichtbar zu machen wäre eine angemessene Antwort, aber die Prozessionskultur geht in den Pfarreien mit der Zahl der Kirchgänger zurück.

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Auch erbauliche Primizfeiern rund um Pfingsten oder um das Apostelfest Peter und Paul werden inzwischen zu seltenen Glücksfällen. Zugleich zieht es junge Gläubige ins europäische Ausland, wo die Gesellschaft nicht weniger säkularisiert ist als in Deutschland, aber die Christen mehr Bekenntnisfreude zeigen. Zehntausende sind im Juni in Frankreich und Spanien unterwegs – nach Chartres, nach Santiago de Compostela oder zu den unzähligen Marienheiligtümern und zeigen, dass es sich lohnt, zur Kirche zu gehören. Katholische Festkultur wäre dringend notwendig in Zeiten, in denen die Öffentlichkeit die Institution Kirche oft nur noch mit Negativschlagzeilen, Austritten und Skandalen verbindet. Der Herz-Jesu-Monat bietet die plausible Antwort, warum Jesus es wert ist, ihm ein Leben lang nachzufolgen und seine Botschaft an die Geplagten weiterzugeben. Die Zielgruppe für die Herz-Jesu-Frömmigkeit wächst: Angstzustände und Depressionen steigen bei Jugendlichen an, Zugezogene aus patriarchalischen Kulturen haben von der Liebe Jesu noch nie gehört.

Papst Franziskus hat mit seiner Enzyklika „Dilexit nos“ ein wertvolles Erbstück hinterlassen, das in Deutschland bisher unterschätzt worden ist. Luzide werden die Missverständnisse und Vorurteile gegenüber der Herz-Jesu-Verehrung benannt und korrigiert. Herz-Jesu-Verehrung bedeutet einen Befreiungsschlag von einem Christentum, „das sich nur auf äußere Aktivitäten konzentriert, auf strukturelle Reformen, die nichts mit dem Evangelium zu tun haben, auf zwanghaftes Organisieren, auf weltliche Projekte, auf säkularisiertes Denken, auf verschiedene Vorschläge, die als Erfordernisse dargestellt werden und die man bisweilen allen aufdrängen will.“ Ein Christentum, das die Freude am Herrn und die Dankbarkeit für seine Freundschaft vergessen hat, wirkt spröde und reizlos. Wer wollte dem Papst da widersprechen?

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