Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Vatikanstadt

Diktator-Vergleich: Jesuitenpater Hagenkord kritisiert Mosebach

Der leitende Redakteur von „Vatican News“ hält es nicht für legitime Kritik an der Symbolsprache von Franziskus, dass der Schriftsteller Martin Mosebach Papst-Auftritte mit Diktatoren wie Stalin und Hitler vergleicht.
Bernd Hagenkord kritisiert Martin Mosebach
Foto: Radio Vatikan (dpa) | „Das lässt mich sprachlos. Sprachlos weil ein intelligenter Mensch und Schriftsteller sowas sagen kann“, äußert sich "Vatican News"-Leiter Bernd Hagenkord zum Martin Mosebachs Vergleich des Papstes mit Diktatoren.

Dass der Schriftsteller Martin Mosebach das Auftreten des Papstes mit Diktatoren wie Stalin und Hitler vergleicht, kritisiert der Vatikan-Journalist Bernd Hagenkord deutlich. „Das lässt mich sprachlos. Sprachlos weil ein intelligenter Mensch und Schriftsteller sowas sagen kann“, schreibt der Jesuitenpater auf seinem Blog „paterberndhagenkord.blog“. Über die Aussagen Mosebachs könne und wolle er nicht diskutieren.

Hagenkord: Man kann Darstellung nicht vom Dargestellten trennen

Der Frankfurter Schriftsteller und Büchner-Preisräger hatte in einem Gespräch mit der Herder-Korrespondenz erklärt, die „starken Männer der Moderne, ein Stalin, ein Hitler, haben ganz andere Stilmittel gebraucht, um sich ins rechte Licht zu setzen, und so hält es auch der heutige Papst“. Die großen Messfeiern des Papstes in Fußballstadien beispielsweise, bei denen „Zigtausende auf eine einzelne weiße Gestalt in der Mitte ausgerichtet sind“, seien „eine viel totalitärere Sprache als das umständliche, verstaubte Hofzeremoniell von einst“.

Mosebachs Aussagen hält der leitende Redakteur von „Vatican News“ nicht für legitime Kritik an der Symbolsprache des Papstes. „Das kann Herr Mosebach offensichtlich nicht. Oder will es nicht.“ Warum der Vergleich seiner Ansicht nach falsch und unangemessen sei begründet Hagenkord damit, dass man die Darstellung nicht vom Dargestellten trennen könne. „Mosebach rückt ganz absichtlich und ohne es auszudrücken den Papst in eine Linie mit Mördern und Verbrechern.“ Das Argument, er spreche nur über die Inszenierung, wäre verlogen, eben weil „Darstellung und Dargestellter nicht trennbar sind. Hier wird verharmlost, hier wird Nichtvergleichbares verglichen“.

Herder-Korrespondenz nutzt Zitate für "reißerische Pressemitteilung"

Der Herder-Korrespondenz wirft Hagenkord vor,Mosebachs Worte für eine „reißerische Pressemeldung“ zu nutzen. „Auch Herder braucht offensichtlich den Skandal und die Erregung und das Dreck-Werfen, um noch Hefte zu verkaufen.“ Um die innerkirchliche Debattenkultur stehe es schlimm, wenn so etwas als salonfähig gelte.

DT/mlu

Die Hintergründe zu diesem Thema finden Sie in der Wochenausgabe der Tagespost. Kostenlos erhalten Sie die Zeitung hier.

Themen & Autoren
Maximilian Lutz Josef Stalin Martin Mosebach Päpste Vatikanstadt

Weitere Artikel

Der vormalige Wallfahrsdirektor von Maria Vesperbild, Erwin Reichart, beleuchtet die Schattenseiten des Volksaltars.
23.11.2025, 09 Uhr
Benedikt Merz
Bei der Festveranstaltung zum 150. Geburtstag hält man sich nicht mit Nostalgie auf: Europa stark machen, so wird Adenauers Erbe in die Gegenwart übersetzt.
06.01.2026, 17 Uhr
Sebastian Sasse

Kirche

Beim Empfang für die auswärtigen Diplomaten bemängelt der Papst die Meinungsfreiheit im Westen und übt scharfe Kritik an der wachsenden „Kriegslust“.
14.01.2026, 11 Uhr
Giulio Nova
Prominente Redner, beeindruckende Musikacts und inspirierende Zeugnisse: Die MEHR-Konferenz 2026 überzeugt mit ihrer Vielseitigkeit. Ein Besuch bei den „hippen Missionaren“ in Augsburg.
13.01.2026, 16 Uhr
Marika Bals
Das neue Jahr beginnt mit dem päpstlichen Segen: Ein Blick hinter die Kulissen der Privataudienz der „Tagespost“ und des „Neuen Anfangs“ bei Papst Leo XIV.
13.01.2026, 15 Uhr
Franziska Harter
Abrechnung mit Franziskus: Der Hongkonger Kardinal Joseph Zen ließ bei dem Kardinalstreffen in Rom offenbar kein gutes Haar am Synodalen Prozess des verstorbenen Papstes.
13.01.2026, 10 Uhr
Meldung
Die Krippendarstellung in einer Stuttgarter Christmette habe „Irritation, Unverständnis und Ärger ausgelöst“ und werfe Fragen nach liturgischer Verantwortung auf.
13.01.2026, 09 Uhr
Meldung