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Der ungarische Tarcisius

Gestern wurde der Märtyrer Janos Brenner, Opfer des kommunistischen Regimes in Ungarn, seliggesprochen. Von Claudia Kock
Augusztus 20. - Átadták a felújított szombathelyi fõteret
Foto: Czika László (MTI) | Gestern wurde im ungarischen Szombathely der Märtyrer Janos Brenner seliggesprochen.

Gestern wurde im ungarischen Szombathely der Märtyrer Janos Brenner seliggesprochen. Zu diesem Großereignis kamen zehntausende Gläubige aus Ungarn sowie aus den österreichischen Nachbardiözesen zusammen. Die Anmeldungen waren so zahlreich, dass die Seligsprechungsfeier kurzfristig vom Domplatz auf den Denkmalshügel verlegt werden musste. Die Feier begann um neun Uhr morgens mit dem Rosenkranzgebet, dann folgte die heilige Messe unter Vorsitz von Kardinal Angelo Amato, der als Präfekt der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungen stellvertretend für  Papst Franziskus die Seligsprechung vornahm. Die Predigt hielt der Erzbischof von Esztergom-Budapest und Primas von Ungarn, Kardinal Péter Erdö

Dass Janos Brenner ausgerechnet am „Tag der Arbeit“ seliggesprochen wurde, der in den kommunistischen Staaten mit prunkvollen Militärparaden begangen wurde, um den „Sieg des Sozialismus“ zu feiern, ist in der Tat eine Ironie der Geschichte und ein starkes Symbol dafür, dass die Wahrheit immer über Lüge und Unterdrückung siegt. Denn Janos Brenners Geschichte sollte totgeschwiegen werden: Von seiner Ermordung am 3. Advent 1957 bis zum Fall des kommunistischen Regimes im Mai 1989 durfte über Janos Brenner und seinen gewaltsamen Tod in Ungarn nicht gesprochen oder geschrieben werden; die zahlreichen Gläubigen, die an der Beisetzung des Priesters am 18. Dezember 1957 in der Krypta der Salesianerkirche von Szombathely teilnehmen wollten, wurden gewaltsam daran gehindert.

Im Priesterseminar von Györ, wo Brenner bis zu seiner Priesterweihe 1955 gelebt und studiert hatte, musste sein Bild von der Wand entfernt werden. Nichts sollte mehr daran erinnern, dass es diesen jungen Kaplan, der mit nur mit 26 Jahren starb, jemals gegeben hatte. Aber unter den Gläubigen lebte seine Erinnerung weiter; er wurde als „ungarischer Tarcisius“ verehrt. Über den heiligen Tarcisius, der der Überlieferung zufolge ebenfalls in sehr jungen Jahren gegen Ende des 3. Jahrhunderts in der römischen Christenverfolgung starb, schrieb Papst Damasus: „Tarcisius trug die Eucharistie bei sich, als sich eine aufgehetzte Gruppe von Fanatikern auf ihn stürzte, um diese zu entweihen. Aber der Junge wollte lieber sein Leben verlieren als den Leib Christi diesen wütenden Hunden auszuliefern.“ Auch Janos Brenner trug bei seiner Ermordung die Eucharistie bei sich, und es heißt, dass es angesichts des Todes seine größte Sorge war, den Leib Christi vor den Angreifern zu schützen.

Janos Brenner stammte aus Szombathely, wo er am 18. Dezember 1931 als zweiter von drei Söhnen einer katholischen Familie geboren wurde; alle drei Brüder wurden Priester. Janos fühlte sich zum Ordensleben berufen. Nach dem Besuch des Gymnasiums, zunächst bei den Zisterziensern und dann bei den Prämonstratensern, begann er sein Noviziat bei den Zisterziensern in Zirc, wo der den Namen „Anastasius“ bekam. Als nach der Machtübernahme durch die Kommunisten die Klöster aufgelöst wurden, setzte Brenner sein Noviziat im Untergrund fort und legte 1951 die einfache Profess ab. 1954 erneuerte er diese, war aber inzwischen – bereits 1951 – in das diözesane Priesterseminar in Szombathely eingetreten, von wo aus er nach dessen Auflösung nach Györ wechselte, wo er sein Studium beendete.

Am 19. Juli 1955 wurde er in der Kathedrale seiner Heimatstadt zum Priester geweiht. Im Tagebuch seiner Exerzitien schrieb er: „Mit dem größten Dank und der Liebe meines Herzens danke ich Dir für die besondere Gnade, dass Du mich in Deinem Dienst gestellt hast. Gib, dass mein Leben der Berufung würdig wird, so dass ich heilig werden kann. […] Mein größter Wunsch ist, heilig zu werden, ein heiliges Leben zu führen, und andere zu heiligen. Hochheiliges Herz Jesu sei mit mir.” Der Eintritt in das Diözesanseminar trotz bestehender Ordensprofess erklärt sich aus der besonderen Situation unter dem kommunistischen Regime, das das Ordensleben offiziell aufgelöst hatte. Ausschlaggebend für die Entscheidung war, wie Historiker des Zisterzienserordens vermuten, wohl auch die Tatsache, dass Brenner eine Einberufung zum Militärdienst nur dadurch vermeiden konnte, dass er mit spätestens 20 Jahren in einem Priesterseminar war. Dass er trotz der schwierigen Lage immer optimistisch blieb und sein Vertrauen auf Gott nicht verlor, zeigt auch der Wahlspruch seiner Primiz aus dem Römerbrief, der heute auf seinem Gab geschrieben steht: „Alle Dinge gereichen denen zum Besten, die Gott lieben.“

Von seinem Bischof wurde Brenner als Kaplan nach Rábakathely unweit der österreichischen Grenze gesandt, in eine Pfarrei, die vor der Auflösung der Orden den Zisterziensern anvertraut gewesen war. Hier geriet er, insbesondere nach der Niederschlagung des Volksaufstands in Ungarn im Jahr 1956, ins Visier der Staatspolizei, da man ihn verdächtigte, durch seine Jugendarbeit den Widerstand zu fördern. Am Abend des 15. Dezember 1957 wurde er in einen Hinterhalt gelockt: Er wurde in ein Nachbardorf gerufen – angeblich, um einem Sterbenden die letzte Kommunion zu spenden. In der Dunkelheit lauerten ihm Geheimpolizisten auf: Er wurde überfallen und mit 32 Messerstichen getötet.

Im Rahmen des Internationalen Eucharistischen Kongresses, der vom 13. bis zum 20. September 2020 in der ungarischen Hauptstadt Budapest gefeiert wird, wird der „ungarische Tarcisius“, wie im kürzlich veröffentlichten vorbereitenden Dokument hervorgehoben wird, eines der konkreten Vorbilder für ein eucharistisches Leben darstellen.

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