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Der Nuntius im Feuerofen

Die Frühjahrsvollversammlung der deutschen Bischöfe reißt die Kluft zwischen Rom und der Kirche in Deutschland weiter auf. Ein Kommentar.
Kluft zwischen Deutschland und Rom nicht mehr zu kaschieren
Foto: Robert Michael (dpa) | Das Versagen der Hirten in puncto Katechese einzugestehen und daraus Konsequenzen zu ziehen, böte einen Ansatzpunkt für eine Wende zum Besseren.

Ein weiser alter Mann hat bei der Frühjahrsvollversammlung der deutschen Bischöfe ein unblutiges Martyrium erlebt: Der Apostolische Nuntius, Erzbischof Nikola Eterović, ist in Dresden von etlichen Mitbrüdern zum Buhmann abgestempelt worden. Von persönlicher Ausgrenzung bis zu aggressivem Widerspruch in der Vollversammlung stößt dem stets verbindlichen Vatikandiplomaten bischöfliches Missfallen entgegen.

Der Schlüssel zur Lösung etlicher Probleme

Erzbischof Eterović kam mit der Mission nach Dresden, dem Selbstbewusstsein einiger deutscher Hirten Grenzen zu setzen. Diese hatten sich nach dem römischen Verbot, einen Synodalen Rat einzurichten, auf eine Vision bischöflicher Kleinstaaterei versteift – ganz so, als gelte die rote Karte nur für das Gesamt der Konferenz, nicht aber für sie. Ein Flickenteppich nach dem Prinzip „wessen Diözese, dessen Synodalrat“ hätte den Kirchenfrieden nördlich der Alpen jedoch nicht gesichert, sondern nur die Glaubwürdigkeit des Papstes und auch der Bischöfe selbst beschädigt, denn das römische Verbot, Synodalräte einzurichten, wurde mit ausdrücklicher Billigung des Pontifex ausgesprochen. Erzbischof Eterović war klug genug, nicht als Vertreter einer Verbotskirche aufzutreten, sondern eine Analyse vorzustellen, die den Schlüssel zur Lösung etlicher Probleme der Kirche in Deutschland enthält.

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Das Versagen der Hirten in puncto Katechese einzugestehen und daraus Konsequenzen zu ziehen, böte einen Ansatzpunkt für eine Wende zum Besseren. Johannes Pauls II. und Benedikt XVI. haben der Kirche eine Fülle ungehobener Schätze für Verkündigung und Katechese hinterlassen, doch ein Teil der deutschen Hirten schwankt derzeit zwischen Unbelehrbarkeit und Starrsinn. Statt eines Kurswechsels fordert der Vorsitzende, Bischof Georg Bätzing, Gespräche in Rom. Bei den Mitbrüdern hat er allerdings Vertrauen verspielt und brauchte zwei Wahlgänge, um als Delegierter an der Weltbischofssynode teilnehmen zu können. Kardinal Marx, Vater des Synodalen Wegs und in der Konferenz überaus unbeliebter vormaliger Vorsitzender, trauen die Mitbrüder dies offenbar nicht zu.

Kluft zwischen Deutschland und Rom nicht mehr zu kaschieren

Die Kluft zwischen Deutschland und Rom lässt sich durch Inklusionsrhetorik nicht mehr kaschieren. Es wäre indes verfehlt, eine zweite Reformation zu erwarten. Die Reformatoren nahmen die Heilige Schrift ernster als viele Synodale dies zu tun pflegen. Heute geht es vielmehr um radikale Selbstsäkularisierung. Ein Beispiel? Das vom Lukasevangelium inspirierte Weltjugendtagslogo – „Maria stand auf und machte sich eilig auf den Weg“  – wird im Pastoraljargon des Dresdner Treffens auf eine rein weltliche Ebene heruntergebrochen: als Einladung an junge Menschen, „sich nicht anzupassen, sondern aktiv Handelnde beim Aufbau einer fairen und geschwisterlichen Gesellschaft zu sein“. Sollte dem Leitwort kein Funken christlicher Esprit mehr abzuringen sein?

Noch ehe die Weltbischofssynode in Rom beginnt, zeichnet sich der Schaden für das Bischofsamt ab. Im Amtsverständnis etlicher deutscher Hirten ist kein Platz für einen Papst mit Autorität. Dem Stellvertreter Christi wird allenfalls noch eine der Job eines Frühstücksdirektors zugestanden. Ob die verstockte Forderung einer lauten Gruppe nach Dauerdialog den Ruf zur Umkehr übertönt, wird die fünfte Synodalversammlung in Frankfurt zeigen.

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