Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Kommentar um „5 vor 12“

Bätzing in Trier: eine „blasse Figur“

Die Vergangenheit holt den ehemaligen Trierer Bischof Reinhard Marx und Georg Bätzing ein. Das neue Missbrauchsgutachten entzaubert auch Mythen des Synodalen Weges.
Kirchenredakteurin Regina Einig, Bischöfe Marx, Bätzing
Foto: DT / IMAGO / ULMER Pressebildagentur | In Sachen Missbrauch jedenfalls keine katholische Avantgarde: Reinhard Kardinal Marx, ehemals Trierer Bischof, und Bischof Georg Bätzing, ehemals Trierer Generalvikar.

Wenige Wochen vor der Sitzung des Synodalen Ausschusses entzaubert das Trierer Gutachten einige Mythen und Protagonisten des Synodalen Wegs in Deutschland. In Trier steht Aussage gegen Aussage: Missbrauchsbetroffene klagen, Kardinal Marx habe sie während seiner Amtszeit in Trier offen belogen und fühlen sich auch jetzt getäuscht. Weder der heutige Münchner Oberhirte noch der von der federführenden Historikerin als „blasse Figur“ beschriebene vormalige Generalvikar Georg Bätzing, heute DBK-Vorsitzender, erscheinen im Gutachten als Gesichter einer menschenzugewandten Kirche, geschweige denn als katholische Avantgarde. Das synodale Rollenspiel hilft niemandem weiter.

Lesen Sie auch:

Das Trierer Gutachten setzt unausgesprochene Fragezeichen hinter Prämissen und Lieblingsmythen des Synodalen Wegs, ein Beispiel: Könnten mehr Frauen in kirchlichen Leitungspositionen Missbrauch verhindern? Dafür scheint es aus wissenschaftlicher Sicht keine Beweise zu geben. Der Fall der Generaloberin der Waldbreitbacher Franziskanerinnen, die ihre mütterliche Fürsorge auf Täter und Beschuldigte konzentrierte, zeigt, dass Frauen in Leitungspositionen kein Selbstläufer sind.

Letztlich erscheint auch die Kritik, die in Synodalversammlungen am Kölner Erzbischof und der Missbrauchsaufarbeitung im Erzbistum unkritisch ausgesprochen wurde, im Rückblick maßlos überzogen. Denn just das von Woelki in Auftrag gegebene Gutachten der Kanzlei Gercke wird von den Trierer Wissenschaftlern zustimmend zitiert. Wenn Historiker über ihre eigene Zunft hinausschauen und – wie in Trier – Bewertungskategorien eines juristischen Gutachtens übernehmen, sind offensichtlich Standards geschaffen worden, die interdisziplinär hilfreich sind. Dass Missbrauchsaufarbeitung lange und mühsame Lernprozesse mit sich bringt, sollte allen Bistumsleitungen zugestanden werden.

Katholischen Journalismus stärken

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Stärken Sie katholischen Journalismus!

Unterstützen Sie die Tagespost Stiftung mit Ihrer Spende.
Spenden Sie direkt. Einfach den Spendenbutton anklicken und Ihre Spendenoption auswählen:

Die Tagespost Stiftung-  Spenden

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Regina Einig Erzbischöfe Georg Bätzing Reinhard Marx

Weitere Artikel

Kirche

Leo XIV. sei für das iranische Atomprogramm, behauptet der Präsident. Eine falsche Darstellung, die das Treffen Marco Rubios mit dem Papst am Donnerstag belasten könnte.
05.05.2026, 16 Uhr
Guido Horst
Der Vatikan veröffentlicht ein altes Dokument mit Neuigkeitswert. Nun ist klar: Die deutschen Bischöfe haben nicht nur mit dem Gehorsam, sondern auch mit der Wahrheit ein Problem.
05.05.2026, 11 Uhr
Sebastian Ostritsch
Die Pfingstaktion von Renovabis zeigt, dass gesellschaftlicher Zusammenhalt in Europa neu wachsen kann – von der Ukraine bis in den Südkaukasus.
05.05.2026, 14 Uhr
Margarete Strauss
Am Beispiel der Chartreswallfahrt lässt sich beobachten, wie authentische Volksfrömmigkeit einen blühenden Zweig nach dem anderen hervorbringt.
04.05.2026, 11 Uhr
Regina Einig