Budapest

Papst warnt vor falschem Messianismus

Franziskus wirbt in Budapest für die eucharistische Anbetung – Hunderttausende Ungarn kamen, den Heiligen Vater zu sehen.
Papst in Budapest
Foto: Gregorio Borgia (AP) | Papst Franziskus trifft mit dem Papamobil vor vielen wartenden Menschen auf dem Heldenplatz ein, um die Abschlussmesse zum 52. internationalen Eucharistischen Kongress zu feiern.

100.000 hatten sich zur sonntäglichen Papstmesse auf dem Heldenplatz in Budapest angemeldet, doch es kamen viel mehr Gläubige, um mit dem Heiligen Vater zu feiern. Ab den frühen Morgenstunden strömten Menschenmassen zu Fuß durch die Straßen der Innenstadt Richtung Heldenplatz. Die Polizei hatte die Straßen weiträumig für den Bus- und Autoverkehr gesperrt. Letztlich kamen zu den 100.000 auf dem Heldenplatz mindestens ebensoviele Gläubige in den angrenzenden Straßen.

Die Regie setzte einen starken ökumenischen Akzent: Dem Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel und Ehrenoberhaupt der weltweiten Orthodoxie, Bartholomaios, war ein Ehrenplatz unter den Kardinälen und Bischöfen zugewiesen worden. Der Papst begrüßte den Patriarchen als „Bruder“ und umarmte ihn beim Friedensgruß.

Eigene Religiosität vor der Eucharistie reinigen

Vor dem Risiko, „einen falschen Messianismus“ zu verkünden, warnte Papst Franziskus in seiner Predigt. „Auch wir würden lieber einen mächtigen Messias haben als einen gekreuzigten Knecht.“ Die Eucharistie zeige uns jedoch, wie Gott ist: „Wir können Riten hinzufügen, aber der Herr ist immer hier in der Einfachheit des Brotes – bereit, gebrochen, ausgeteilt und gegessen zu werden.“ Der Weg Gottes sei nie Triumphalismus, sondern Opfer seiner selbst.
Dagegen zählten in der „Logik der Welt“ nur Ehre, Privilegien, Stärke, Bedeutung und das, was sich durchsetzen kann. Franziskus wörtlich: „Es gibt die Seite Gottes und jene der Welt.“ Der eigentliche Unterschied sei jener zwischen dem wahren Gott und dem „Gott unseres Ich“. Jesus verlange von uns, „unsere Religiosität vor der Eucharistie zu reinigen“. Franziskus rief nachdrücklich dazu auf, der eucharistischen Anbetung Zeit einzuräumen. Die Begegnung mit Jesus in der Eucharistie wirke verwandelnd.

Budapest als Stadt der Brücken

Der Primas von Ungarn, Kardinal Péter Erdö, dankte dem Papst für sein Kommen zum Abschluss des Internationalen Eucharistischen Kongresses. Das sei „ein starkes Symbol der Einheit um die Eucharistie, mit Bischöfen, Priestern und Gläubigen aus aller Welt“. Die ökumenische Präsenz zeige darüber hinaus das Streben nach der Einheit aller Getauften. „Die Anwesenheit von Nichtchristen, vor allem von Gläubigen des Judentums, stellt für uns ein lebendiges Zeichen der Zeit dar: die Präsenz der Kirche als Botschafterin Christi unter den Menschen.“ Christus in der Eucharistie sei die Quelle des Lebens und des Glücks für alle Völker.

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Budapest sei eine „Stadt der Brücken“, zwischen kulturellen und religiösen Welten, sagte Kardinal Erdö. Er verwies auf die Reliquien unterschiedlicher Heiliger im Missionskreuz, dem Symbol des Kongresses, dessen Miniatur er dem Papst überreichte. Dieses Kreuz zeige, dass man auch heute Heiligkeit leben kann, so der Primas von Ungarn. Er verwies dabei auf das „große Beispiel“ des ungarischen Bekenner-Kardinals József Mindszteny, dessen Seligsprechung die ungarische Kirche anstrebt.

Migration war kein Thema zwischen Papst und Orbán

Unter den Ehrengästen der Messe auf dem Heldenplatz waren Staatspräsident János Ader, Ministerpräsident Viktor Orbán, der selbst kalvinistischer Christ ist, und Vizepremier Zsolt Semjén mit ihren Gattinen. Als ungarischer Botschafter am Heiligen Stuhl war Eduard von Habsburg ebenso anwesend wie seine Eltern, Erzherzog Michael von Habsburg mit seiner Frau, sowie ein Enkel des letzten regierenden Königs von Ungarn, Georg von Habsburg, der Ungarn als Botschafter in Frankreich vertritt.

Der Vatikan teilte am Sonntagvormittag mit, dass es in der Begegnung von Papst Franziskus mit Präsident Ader, Regierungschef Orbán und dessen Stellvertreter Semjén um die Rolle der Kirche im Land, den Umweltschutz sowie die Förderung der Familie gegangen sei. Das Thema Migration spielte nach Angaben des Vatikans bei der Unterredung keine Rolle.  DT/sba

Lesen Sie eine ausführliche Reportage über den Papstbesuch in Budapest und den Internationalen Eucharistischen Kongress in der kommenden Ausgabe der Tagespost.

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