Corona: Darf man jetzt via Telefon oder Skype beichten?

Die derzeitige Schließung von Kirchen und die Forderung, einen maximalen Abstand zu anderen – potentiellen Virusträgern - zu halten, wirft die Frage nach der kirchenrechtlichen Erlaubnis virtueller Formen des Bußsakramentes auf.

Beichte per Telefon
Absolution per Telefon? Was noch vor wenigen Wochen undenkbar schien, wird in Zeiten von Corona ernsthaft diskutiert. Foto: Rolf Vennenbernd (dpa)

Das britische katholische Wochenmagazin Catholic Herald ist sich des Problems bewusst: In Anbetracht von weltweiten häuslichen Quarantänen, Ausgangssperren und der Forderung nach einer „sozialen Distanz“ aufgrund der Coronavirus-Pandemie fragen sich viele Katholiken, wie sie in diesen Tagen das Sakrament der Buße empfangen können, wenn Kirchen geschlossen und keine öffentlichen Messfeiern mehr erlaubt sind.

Neue Art des pastoralen Notstands

Denn beim Empfang des Sakramentes der Buße sind einige praktische Voraussetzungen unentbehrlich, wie etwa das persönliche Sündenbekenntnis gegenüber einem Priester, der in der Person Christi handelt, sowie die Erteilung der Absolution. Und eine gültige sakramentale Beichte erfordert, dass all das an einem Ort geschehe. Nun fragen sich Katholiken, „warum sie ihre Sünden nicht virtuell beichten können – über Telefon, SMS oder Skype?“ Father James Bradley, Assistenzprofessor für Kirchenrecht an der Catholic University of America, sagte gegenüber der katholischen Nachrichtenagentur CNA, dass die Coronavirus-Pandemie eine neue Art eines pastoralen Notstands geschaffen habe, dem viele Bischöfe und Priester versuchten entgegenzukommen: „Pfarrer suchen nach neuen Wegen, um geistliche Betreuung zu leisten, einschließlich der Sakramente“.

Das Kirchenrecht sei eindeutig: „Die Gläubigen haben ein Recht auf die Sakramente, und die Diener der Kirche sollten alles tun, was sie können, um sie zu spenden“. Digitale Kommunikationen könnten „an der Vertiefung des Glaubens den Gläubigen tatsächlich mitwirken, insbesondere durch Katechesen und Bildung“. Doch, so Bradley weiter: „der Päpstliche Rat für die sozialen Kommunikationsmittel sagt es deutlich: ‚Virtuelle Realität ist kein Ersatz für die wirkliche Gegenwart Christi in der Eucharistie, die sakramentale Realität der anderen Sakramente und den gemeinsamen Gottesdienst in einer menschlichen Gemeinschaft aus Fleisch und Blut. Es gibt keine Sakramente im Internet; und auch die religiöse Erfahrung, die hier dank der Gnade Gottes möglich ist, ist ungenügend, es fehlt die Beziehung zu anderen Gläubigen in der wirklichen Welt‘“.

Telefon-Beichten mit Erlaubnis des Papstes?

Eine andere Ansicht vertritt Father Giorgio Giovanelli, Professor für Kirchenrecht an der Lateran-Universität. Er sagte gegenüber der CNA, er glaube, dass Beichten auch über das Telefon stattfinden könnten, wenn Papst Franziskus seine Erlaubnis darauf ausweiten würde: „Manche Leute könnten einwenden, dass der Priester anwesend sein müsse. Nun gut. So hätten es die Menschen in den 1980ern gesagt, doch die Entwicklung der Technologie hat uns andere Arten der Gegenwart ermöglicht“. „Bin ich am Telefon weniger gegenwärtig? Virtuelle Anwesenheit ist real“, so Giovanelli weiter. Doch Bradley widerspricht: „Zum Wesen der Beichte gehört wie bei allen Sakramenten eine persönliche und kirchliche Begegnung mit Jesus Christus, der das fleischgewordene Wort ist. Eine virtuelle Realität kann diese Realität der Inkarnation niemals ersetzen“. Auch Pater Thomas Weinandy, Mitglied der Internationalen theologischen Kommission, unterstreicht die physische Dimension der Sakramente: „Man kann nicht jemanden taufen, der nicht tatsächlich anwesend ist, man kann nicht am Messopfer teilnehmen, ohne körperlich anwesend zu sein“.

Weltweit suchen Priester nach kreativen Möglichkeiten, trotz der derzeitigen Krise, ihren Gläubigen das Bußsakrament zu spenden. So bieten Pfarrer in den USA neuerdings sogenannte „drive-up“- oder „drive-through“-Beichten an, wie etwa Father Scott Holmer von der Pfarrei St. Edward the Confessor in Bowie, Maryland: Auf dem Parkplatz der Kirche sitzt der Priester auf einem Stuhl, der Pönitent fährt in seinem Auto in einem sicheren Abstand von etwa zwei Metern vor und beichtet…

DT/ks

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen. Kostenlos erhalten Sie die aktuelle Ausgabe hier .