Rom, Metropole der Basiliken

Gotteshäuser von außerordentlicher Bedeutung: Welche Kirchen in der Ewigen Stadt einen besonderen Rang genießen. Von Ulrich Nersinger

Tiber and St. Peter's cathedral, Rome
View at Tiber and St. Peter's cathedral in Rome, Italy Foto: Photographer: Sergey Borisov (44462719)

Der Begriff "Basilika" kommt ursprünglich aus dem Griechischen und bezeichnet eine "Königshalle" im alten Athen. Im Rom der Antike wurde darunter eine große Halle verstanden, die für den Handel und für Gerichtshandlungen bestimmt war. In christlicher Zeit bezeichnete man als Basilika einen Kirchenbau, der sich durch Säulenreihen in drei oder mehrere Längsschiffe gliedert und deren mittleres Hauptschiff deutlich höher ist als die seitlichen.

Unabhängig von der Architektur kennt man in der katholischen Kirche die Bezeichnung Basilika auch als Titel für Gotteshäuser von außergewöhnlicher Bedeutung, die in einer ganz besonderen Beziehung zum Papst stehen. Dabei unterscheidet man zwischen "Basilica maior" und "Basilica minor".
In Rom besitzen aufgrund ihrer großen historischen Stellung die Laterankirche, Sankt Peter im Vatikan, Santa Maria Maggiore, Sankt Paul vor den Mauern und  Sankt Laurentius vor den Mauern den Rang einer Basilica maior: Die Lateranbasilika ist die päpstliche Hauptkathedrale, die eigentliche Bischofskirche des Heiligen Vaters; die anderen Gotteshäuser gelten als Co-Kathedralen des römischen Bischofs. Zudem symbolisierten die fünf Basiliken die altkirchliche Gesamtkirche in Rom: Sankt Johannes im Lateran (Rom), Sankt Peter (Konstantinopel), Groß Sankt Marien (Antiochien), Sankt Paul (Alexandrien) und Sankt Laurentius (Jerusalem). Neben besonderen Privilegien und Auszeichnungen verfügen sie   mit Ausnahme von Sankt Laurentius    über einen eigenen Papstaltar und über eine Heilige Pforte. Außerhalb der Ewigen Stadt erhielten bisher nur zwei Gotteshäuser den Rang von Basilicae maiores: die Doppelkirche des heiligen Franziskus (1754) und die Portiunkula-Kirche Santa Maria degli Angeli (1909) in Assisi.
Die Basilicae minores, die "kleinen" Päpstlichen Basiliken in aller Welt, besitzen gegenüber den Basilicae maiores eine niedere liturgische Rangstufe und verfügen über weniger Vorrechte, stehen aber jeder
nichtprivilegierten Kirche an Titel und Rang voran. Der Heilige Stuhl zeichnete mit dem Ehrentitel einer Basilika bedeutsame Gotteshäuser aus, wobei nicht Größe und Monumentalität des Baues entscheidend waren, sondern deren herausragende Stellung im Leben der Gläubigen. Zu den äußeren Insignien einer Basilica minor gehörten das "conopaeum", ein zeltartiger, rotgelb gestreifter Schirm aus Seide, und das "tintinabulum", ein Glöckchen an einem Holzgestell mit dem Wappen der Kirche. Conopaeum und Tintinabulum wurden bei Prozessionen mitgeführt. Üblich war und ist es, das päpstliche Wappen über dem Eingang zur Kirche anzubringen.
Die ältesten "Basilicae minores" befinden sich in der Ewigen Stadt. Zu ihnen zählen unter anderen Santa Croce in Gerusalemme, San Sebastiano an der Via Appia, Santa Maria in Trastevere und San Pietro in Vincoli. Über Jahrhunderte ging man mit der Verleihung des Titels "Basilica minor" an Kirchen außerhalb Roms äußerst sparsam um. Noch im neunzehnten Jahrhundert waren es nur wenige Gotteshäuser, denen die Päpste diesen Rang zuerkannten; erst zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts erfolgte eine gewisse "Inflation". Heute erfreuen sich rund 1500 Gotteshäuser dieses Privilegs. Die derzeitige Praxis regelt ein Schreiben der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramente aus dem Jahre 1989. Das Schreiben fordert eine herausragende Stellung der betreffenden Kirche als Stätte der Liturgie und Seelsorge und eine gewisse Berühmtheit in der Diözese. Das Gotteshaus soll für beispielhafte gottesdienstliche Feiern geeignet sein, und daher über eine ausreichende Zahl von Seelsorgern und eine "Schola cantorum" (Choralschola) verfügen. Nach der Titelverleihung haben die Verantwortlichen für eine gute liturgische Unterweisung der Gläubigen zu sorgen und eine würdige und angemessene Gestaltung der Liturgie zu garantieren. Neben besonderen Mess- und Ablassprivilegien wird der Basilika die Auszeichnung gewährt, die gekreuzten Schlüssel Petri als päpstliche Abzeichen anzubringen.

Rückblick

  1. Die grünen Herzen Roms
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  5. Franziskus – ein Papst für die Armen und der Peripherie
  6. Ein Grabmal der besonderen Art
  7. Das Empfangskomitee seiner Heiligkeit
  8. Das „Küken“, das den Obelisken trägt
  9. Die Papstmessen: Wie sie ihren Anfang nahmen
  10. Roms Uhren: Wem die Stunde schlägt
  11. Maria zum Siege
  12. Der „Königsweg“ zum Papst
  13. Das Sträßchen der Rosenkränze
  14. Kommentar: Wenn die Synode ruft
  15. „Anfang eines weltweiten Gebetssturms“
  16. „Der Heilige Vater kommt niemals“
  17. Das Shoppen ist des Pilgers Lust
  18. Wo einst die Gottesmutter von Kasan war
  19. „Wir sind eine Schicksalsgemeinschaft“
  20. Von Basilika zu Basilika
  21. „Licht in der Geschichte“
  22. Wo sich Himmel und Erde berührten
  23. Eine Oase der Andacht
  24. Ein Geschenk des Heiligen Vaters
  25. Auf den Spuren einer extravaganten Frau
  26. Mit Paulus quer durch die Ewige Stadt
  27. Die große Neuheit des Pontifikats
  28. Die römische Kurie als Dauerbaustelle
  29. Fotos von und mit dem Papst
  30. Die Kummerkästen Seiner Heiligkeit
  31. Mit Volldampf nach Castel Gandolfo
  32. Erkundungen im Borgo
  33. Mit Caravaggio durch Rom, der etwas andere Pilgerweg für Kunstliebhaber
  34. Wie dreidimensional vor 430 Jahren
  35. Das Heilige Jahr der Beichte
  36. Im Schwalbennest am riesigen Dom