Rom

Zum ersten Mal eine Frau als Regierungschefin

Italien: Giorgia Meloni und ihre Minister sind vereidigt. Rechtskoalition nimmt Arbeit auf.
Vereidigung der neuen Regierung in Italien
Foto: Alessandra Tarantino (AP) | Sergio Mattarella und Giorgia Meloni, neue Ministerpräsidentin von Italien, während der Vereidigungszeremonie im Präsidentenpalast Quirinal.

In Rom hat Staatspräsident Sergio Mattarella am Samstagvormittag die Mitglieder des neuen Kabinetts vereidigt, das die 45-lährige Parteichefin der „Fratelli d’Italia“, Giorgia Meloni, leiten wird. Es war eine der schnellsten Regierungsbildungen der letzten Jahrzehnte. Erst am 25. September waren die Parlamentswahlen mit einem klaren Votum für einen kompletten Politikwechsel in dem Land zu Ende gegangen. Unter Ministerpräsident Mario Draghi und zuvor unter den großen, von Giuseppe Conte geführten Koalitionen hatten jeweils die „Bewegung der fünf Sterne“ und zuletzt der linke „Partito democratico“ das stärkste Gewicht. Jetzt regiert in Italien ein reines Rechtsbündnis: Die kleineren Koalitionspartner von Meloni sind die „Lega“ Matteo Salvinis und die „Forza Italia“ Silvio Berlusconis. Zum ersten Mal führt eine Frau eine italienische Regierung.

Lesen Sie auch:

Keine „Schwarzhemden“ im Kabinett

Mit der Vergabe der Ministerposten machte Meloni schon deutlich, dass sie einen proeuropäischen und atlantischen Kurs fahren will: Neuer Außenminister wird Antonio Tajani von der „ Forza Italia“, der von 2017 bis 2019 Präsident des Europäischen Parlaments war und auf dem Parkett der internationalen Politik kein Unbekannter ist. Der neue Wirtschaftsminister Giancarlo Giorgetti von der „Lega“ gehörte seit Februar 2021 mit der gleichen Funktion dem Kabinett von Mario Draghi an. Raffaele Fitto von ist nun Minister für Europaangelegenheiten. Er stammt aus dem Dunstkreis von Berlusconi und war lange Europaparlamentarier und von 2000 bis 2005 Präsident der Region Apulien. Wer im Ausland befürchtet hatte, dass postfaschistische „Schwarzhemden“ nun die italienische Regierung prägen würden, sieht sich getäuscht.

Moderat und proeuropäisch

Meloni hatte ihre Regierungsbildung zielstrebig, in völliger Ruhe und mit der Unterstützung von Staatspräsident Mattarella und ihres Vorgängers Mario Draghi betrieben. Letztere wie aber auch der Vatikan und der Vorsitzende der Italienischen Bischofskonferenz, Kardinal Mario Maria Zuppi, hatten schon frühzeitig jeder Panik vor einem zu erwartenden Rechtsruck in Italien eine Absage erteilt. So wurde auch der populistische „Lega“-Chef Matteo Salvini nicht wieder Innenminister, sondern Verkehrsminister, und wird zusammen mit Tajani als stellvertretender Ministerpräsident amten. Die neue italienische Regierung ist moderat und proeuropäisch. Bei gesellschaftspolitischen Themen wird Meloni, die gerne von der Familie, der Nation und der (niedrigen) Geburtenrate spricht, ihre Akzente als Chefin einer Rechtspartei setzen. DT/gho

 

Lesen Sie in der kommenden Ausgabe der Tagespost einen ausführlichen Bericht über die neue Regierung in Italien.

Themen & Autoren
Meldung Antonio Tajani Giorgia Meloni Italienische Regierungen Mario Draghi Matteo Salvini Sergio Mattarella Silvio Berlusconi

Weitere Artikel

Mit Giorgia Meloni als erster Frau im höchsten Regierungsamt hat sich in Italien über Nacht ein völliger Politikwechsel vollzogen.
26.10.2022, 17 Uhr
Guido Horst
Der homogenisierenden Macht der Algorithmen widerstehen: Kardinal Matteo Maria Zuppi von Bologna hielt das Schlüsselreferat beim diesjährigen „Meeting“ von „Comunione e Liberazione“ in Rimini.
28.08.2022, 09 Uhr
Guido Horst
Geschickt hat sich die kleine „fascistina“ im rechten Lager gegen Berlusconi und Salvini in Stellung gebracht. Jetzt öffnet ihr der Rückzug Mario Draghis einen Weg ins höchste Regierungsamt.
31.07.2022, 13 Uhr
Guido Horst

Kirche

Der hohe Wert von Wahrheit und Freiheit – Nächste Folge der losen Serie über die „Köpfe des Konzils“: Bischof Karol Wojtylas Akzentsetzung beim Zweiten Vatikanum.
29.11.2022, 19 Uhr
Christoph Münch
Papst Franziskus erinnert die Bischöfe an ihre Pflicht, für die Lehre einzustehen. Das zeigt: Seine „Basta-Kommunikation“ wirkt.
29.11.2022, 11 Uhr
Regina Einig
Ein Fazit, das der Görlitzer Bischof Ipolt aus den Gesprächen in Rom zieht ist, dass man auf dem Synodalen Weg nicht weiter machen kann wie bisher.
28.11.2022, 18 Uhr
Dorothea Schmidt